Konzerte:Drei Joker im Ärmel

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Konzerte: Im Night Club mal wieder mehr als Musiker denn als Komiker zu erleben: Helge Schneider.

Im Night Club mal wieder mehr als Musiker denn als Komiker zu erleben: Helge Schneider.

(Foto: Helge Schneider)

Die Pianisten Marc Copland, Jan Lundgren und Helge Schneider im Bayerischen Hof.

Von Oliver Hochkeppel

Nachdem der Night Club im Bayerischen Hof, schon lange eine der letzten verbliebenen Bastionen des Jazz in München, mit am schwersten und längsten von der Corona-Zwangspause betroffen war, geht es dort jetzt wieder immer öfter Schlag auf Schlag. Gleich drei Tage hintereinander kann man nun drei der interessantesten, aber völlig unterschiedliche Pianisten der internationalen Szene erleben.

Da wäre an Nikolaus, also am Dienstag, 6. Dezember, zunächst einmal der Amerikaner Marc Copland. Der 74-Jährige wird gerne "Whisperer" genannt, mit doppelter Berechtigung: Einmal, weil er so zurückhaltend und bescheiden im Auftreten ist. Vor allem aber, weil er mit seinem feinsinnigen, in Klangfarben ebenso wie in Brüche verliebten, dem klassischen Modern Jazz verpflichteten Spiel, das am ehesten an Bill Evans erinnert, tatsächlich eine Art Klavier-Flüsterer ist. Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass Copland ursprünglich als Saxofonist begann, bevor er sich - nach einigen Jahren Pause zum Üben - ganz aufs Klavier verlegte.

Erst 1988, also mit 40, nahm er sein Debütalbum auf, fortan war er mit eigenen Duos, Trios und Quartetten, regelmäßig auch in Europa unterwegs, zwischen 2005 und 2012 fest beim Münchner Pirouet-Label beheimatet. Im Bayerischen Hof stellt er sein neues Album "Someday" vor, im Quartett mit dem Saxofonisten Robin Verheyen, dem Schlagzeuger Mark Ferber und seinem langjährigen Weggefährten Drew Gress am Bass.

Musikalischer Geschichtenerzähler: der Schwede Jan Lundgren

Tags darauf ist der Schwede Jan Lundgren zu Gast, der nicht nur nahezu enzyklopädisch alle Stile beherrscht, sondern als Pianist wie als Komponist, Produzent und Festivalmacher immer noch unterschätzter Pionier der Emanzipation des europäischen vom amerikanischen Jazz ist, nicht zuletzt durch sein "Mare Nostrum"-Trio mit Paolo Fresu und Richard Galliano. Seine Qualität als musikalischer Geschichtenerzähler kommt nun auch im Duo mit dem Bassisten Hans Backenroth zum Tragen, wie man auf dem gemeinsamen, in der neuen Act-Reihe "The Gallery Concerts" erschienenen Album "Jazz Poetry" hören kann, das die beiden hier präsentieren.

Schließlich schaut auch Helge Schneider wieder einmal vorbei, der Comedian, der seine Komik wie kein anderer aus der Improvisation schöpft - weil er eben eigentlich ein Jazzmusiker ist. Bevor es mit dem neuen Kabarett-Programm "Der letzte Torero" auf Tour geht und das Album "Torero" erscheint, geht es im Night Club auf eine jazzige "Warm-up Session" seiner Band mit Sandro Giampietro an der Gitarre, Sascha Barasa Suso am Schlagzeug und dem tanzenden Volker Bertzky an der Violine.

Marc Copland Quartet, Di., 6. Dez.; Jan Lundgren & Hans Backenroth, Mi., 7. Dez.; Helge Schneider, Do., 8. Dez., jeweils 21 Uhr, Nightclub im Bayerischen Hof, Promenadeplatz 2, Tel. 21 83 73 00

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