Kritik:Gute-Laune-Kauz

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Kritik: Es gibt nur ein' Helge Schneider: Der Allrounder zeigt sich in diesen Tagen in Bestform.

Es gibt nur ein' Helge Schneider: Der Allrounder zeigt sich in diesen Tagen in Bestform.

(Foto: Meine Supermaus)

Komiker Helge Schneider verzückt im Circus Krone. Sein Rezept ist nicht neu, aber wirksam: Die Mischung macht's.

Von Oliver Hochkeppel, München

Nach-Corona-Stress, Krieg oder das Übliche - es gibt genug Gründe, derzeit abends nicht in guter Stimmung zu sein. Bis Samstag gibt es dafür im Circus Krone ein Gegengift: Helge Schneider zaubert dort noch dem Mürrischsten ein Lächeln ins Gesicht. Sein Rezept ist nicht neu, aber wirksam: Die Mischung macht's.

So ist es für die einen schon Schneiders Slapstick, der unweigerlich ein Lachen provoziert. Schon, wenn er als großer Zampano mit Dirigentenstab loslegt - bei einem Solo seines Gitarristen Sandro Giampietro. Andere zerlegt es bei den Sketchen mit "Sergei Gleitmann", der ihm als Pfefferminztee-Mundschenk, E-Bass-Laie, "Katzeklo"-Sänger oder Ausdruckstänzer zu Willen sein muss. Freunde des Wortwitzes kugeln sich bei Helges Sprachverknotungen und -erfindungen ("Er bug sich" als Vergangenheitsform von bücken) und vor allem bei seinen irrwitzigen Geschichten wie der vom Paderborner "Chinarestaurant Mykonos" mit Schnitzelküche.

Seit Hans Liberg hat keiner aus der Musik selbst so viel Humor herausgekitzelt

Aus dem Nichts tritt er absurdeste Assoziationslawinen los. Mit am schönsten war seine angebliche Berlin-Reise zu einem Duke-Ellington-Konzert 1972, in das er zwar nicht gelangte, dafür aber dem Meister in einem "Seitseeingbus" (weil jeder nach einer Seite schauen muss) begegnet. Schlusspointe: "Er war's gar nicht! Sondern eine alte Dame, die ich dann auch beschimpft habe: Wie können Sie sich erdreisten!"

Und dann ist da ja noch die Basis all seines Improvisationswirbels. Ob Cowboy-Lied, Jazz-Standard, Pop-Anspielungen oder schräge eigene Songs wie der Einzeiler "Der Papst kann nie aus dem Haus gehen (weil ihn jeder kennt)", ob mit oder ohne Giampietro und seinen souveränen zwölfjährigen Sohn "Charlie the Flash" am Schlagzeug, ob am Flügel, am Bass, an der Gitarre oder am Vibrafon: Seit Hans Liberg hat keiner aus der Musik selbst so viel Humor herausgekitzelt. Eigentlich müsste das Publikum am Schluss mit dem alten Rudi-Völler-Song kontern: "Es gibt nur ein' Helge Schneider".

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