Man könnte es als unhöflich empfinden, die erste Frage nicht der Hauptperson der Pressekonferenz zu stellen. Aber vielleicht gönnte der Moderator Thomas Steinberg Helene Fischer einfach eine Verschnaufpause. Denn als die Entertainerin sich vor die etwa 50 Journalisten aus dem ganzen Land im Saal des Münchner Rosewood-Hotels setzte, hatte sie bereits im „Fotocall“ die Wünsche von mehr als einem Dutzend Fernsehkamera-Teams und vielen Fotografen erfüllt. „Weiter vor? So machen wir’s“, sagte Deutschlands größter Popstar da überaus kooperativ und stets lächelnd, die Hände in die Taille gestemmt. „Ich mache dann einmal die Runde für Euch!“
Vielleicht hatte der Moderator an diesem „außergewöhnlichen Tag“ aber auch anderes im Sinn, als er sich in der Sitzrunde eben zunächst an den Konzert-Regisseur Mukhtar Mukhtar wandte. Der ist selbst ein hochdekorierter Mann und einer der vielen hochprofessionellen Mitarbeiter, mit denen sich die Musikerin umgibt. Doch dass der Mann zwei Hip-Hop-Tanzweltmeisterschaften gewonnen, Shows für Olympia in Peking designt und jahrelang für den Cirque du Soleil performt und choreografiert hat, erfuhr man gar nicht.
Vielleicht ging es Steinberg einfach nur darum, erst mal das Stimmungsthermometer im Saal auf „herzenswarm“ zu bringen. Denn Mukhtar sollte erzählen, wie es ist, mit Fischer zu arbeiten, die ja vielen (außer ihren Millionen Fans) vor allem als willensstark und ehrgeizig gilt. Sie sei, und das sage er nicht, weil sie neben ihm sitze, „sehr kooperativ“, „superloyal“ und pusche ihn mit ihrem Mut und ihren Ideen immer, das Beste zu geben.
Dem fügte bald der Veranstalter, Marek Lieberberg von Live Nation, hinzu: Er könne aus ganzem Herzen sagen, er habe mit den Größten dieser Zeit gearbeitet, aber er habe noch keine Künstlerin mit dem Enthusiasmus und der Energie von Helene Fischer erlebt, die hinter der Bühne so offen sei wie mit ihren Fans: „Sie ist absolut ohne zwei Gesichter, sie hat nur eines, und das ist ein freundliches, liebevolles.“
Das passt gut zum Großprojekt, das Fischer 2026 stemmen will: Ihre „360° Stadion Tour“ mit 16 Konzerten solle ein „Liebesbrief“ an die Fans sein. „Meine Verneigung und mein Dankeschön an alle, die mich seit 20 Jahren begleiten“, sagte Fischer. Die Fan-Beziehung steht also mit Mittelpunkt, wobei Helene Fischer selbst auf einer neuen Mittelbühne stehen wird, auch bei ihrem „Heimspiel“ zum Tour-Finale am 17. Juli 2026 in der Münchner Allianz-Arena.

Die Rahmendaten waren alle schon lange vor der Pressekonferenz bekannt, seit dieser Woche auch die beiden Zusatzkonzerte in Frankfurt (19. Juni) und Köln (26. Juni). Neu waren die Zahlen von Lieberberg: von 750 000 Tickets, die zu haben waren, seien 600 000 verkauft. Schon etwas genauer steht fest, wie die Bühne aussehen wird: Ein Mini-Video zeigte Fischer hoch droben auf einem Riesen-Leinwand-Würfel singen. Von den Ecken klappten dann lange Stege ins Publikum herunter. Diese Bühne werde für sie „next level“, sagte sie. Sie habe in München ja bereits ein Konzert vor 150 000 Zuschauer gespielt (2022 in Riem), daher wisse sie, wie schwierig es ist, bei solchen Stadion-Events nah bei den Fans zu sein. Aber sie baue die neue Show so auf, dass sie alle, auch die hinten, abholen könne: „Das Herzstück der Show ist, dass diese Verbindung für alle spürbar sein wird.“

Dass die persönliche Verbindung zu den Fans zumindest auf Social Media („nicht meine Stärke“) zuletzt etwas weniger ausgeprägt war, begründete sie unter anderem so: „Ich muss mich zurückziehen, um wieder kreativ zu sein.“ Die Kreativität und Energie („Ich stürze mich bald wieder in mein Sportprogramm“) fließt aber erst einmal in die Tour-Vorbereitung. Sie arbeite zwar auch an neuer Musik und es könne schon sein, dass sie das Publikum auf der Tour mit einigen Songs überraschen werde, aber: „Es ist kein neues Album bis dahin geplant.“
Dass man zuletzt etwas weniger von Helene Fischer mitbekam, lag auch an ihrem zweiten Kind, erklärte sie: „Wie jede Frau, jede Mutter, muss ich viel mehr organisieren und planen. Da lasse ich mir bewusst mehr Zeit, alles stimmig zu machen.“ Viel mehr zur Familie sollte nicht gefragt werden, einige Journalisten versuchten es trickreich mit Drumherumbohren nach „neuen Kinderliedern“ („Ein Herzensprojekt, das aber nicht auf die Tour mitgenommen wird“), nach einem Akrobatik-Showteil mit Partner Thomas Seitel („Wenn ich alles verrate, würde ich die Spannung komplett rausnehmen … ich werde mit vielen Tänzern auf der Bühne stehen“) oder der Weihnachtsbäckerei im Haus am Ammersee: „Ich bin mehr Köchin als Bäckerin …, aber ich probiere immer gerne Neues aus.“
Dem allem war eines zu entnehmen, was auch die Eingangsfrage („Wie geht es Ihnen?“) des Moderators einer charmant-entspannten Helene Fischer bereits entlockt hatte: „Ich bin sehr glücklich, dankbar für mein momentanes Leben. Und wenn ich die Bilder zur Tour sehe, kribbelt es bei mir schon in Vorfreude auf die neue Herausforderung.“

