In den Filmen „Enkel für Anfänger“ und „Enkel für Fortgeschrittene“ kümmert sich Schauspieler Heiner Lauterbach als „Leih-Opa“ um Kleinkinder und Jugendliche. An der Macromedia Hochschule unterrichtet er als Honorarprofessor Studierende in Schauspiel - und auf seiner Plattform „Meet your Master“ geben Kreative, Gesundheitsexperten und Köche in Online-Kursen Einblicke in ihre jeweilige Kunst. Im Oktober will er das Ganze als Show live präsentieren.
SZ: Herr Lauterbach, sind Sie jetzt der „Lehrmeister“ der Nation?
Heiner Lauterbach: Ich war ein schlechter Schüler, umgeben von schlechten Lehrern. Vielleicht liegt der Grund für diese ganzen Tätigkeiten also in meiner Vergangenheit. Gerade, weil ich in der Jugend negative Erfahrungen gemacht habe, strebe ich jetzt nach einem anderen, besser funktionierenden System.
Wie könnte ein solches System aussehen?
Ich will mir nicht anmaßen, unser Schulsystem zu revolutionieren. Mir geht es darum zu zeigen, Lernen kann auch Spaß machen – egal in welchem Alter. Gerade das lebenslange Lernen, das Dranbleiben halte ich für wichtig. Meine Überlegung: Wie wäre es, wenn wir alle von den „Besten“ lernen könnten? Dieser Gedanke manifestierte sich in der 2019 gemeinsam mit meiner Frau Viktoria gegründeten Lernplattform „Meet your Master“.
Was steckt dahinter?
Die Idee, Wissen durch einen sehr persönlichen Zugang in Erzählungen von Experten zu vermitteln. Was gehört zu einem erfolgreichen beruflichen Weg? Über welche Fähigkeiten sollte man verfügen?
War es einfach, die Dozenten zu rekrutieren?
Am Anfang lautete die Antwort häufig: Macht erst einmal, dann entscheide ich. Also fing ich selbst an. Wenn mir ein Fehler unterlief, haben wir den wieder ausgebügelt. Das funktioniert natürlich nur mit einem sehr geduldigen Master. Der war ich - in Personalunion mit dem CEO.
Was verbindet Menschen, die auf Ihrer Plattform unterrichten?
Die Leidenschaft für das, was sie tun. Die Hartnäckigkeit, dranzubleiben, auch wenn es Rückschläge gibt. Letztendlich ist es auch immer wieder Glück, das zu einer Karriere beiträgt.
Bei Ihnen war das Glück ein Treffen von Doris Dörrie mit Ilse Hofmann. Sie hatten in Hofmanns Film gespielt. Die beiden begegneten sich als Ex-Kommilitoninnen auf der Straße, erzählen Sie in Ihrem Kurs.
Ilse und Doris kannten sich von der Filmhochschule in München. Und Ilse lud Doris ein, sich ihren gerade fertiggestellten Film anzuschauen. Als ich ins Bild kam, fragte Doris wohl direkt: „Wer ist das?“ „Heiner Lauterbach“, sagte Ilse. Und Doris: „Der spielt die Hauptrolle in meinem nächsten Film!“
Der war dann Ihrer beider Durchbruch, die Komödie „Männer“, im Jahr 1985.
Ja, und solche persönlichen Anekdoten erzählen alle Master - neben den reinen Fakten.
Ihr Kurs beinhaltet eine Drehbuchszene, die Sie mit ihrer Tochter Maya einstudieren. Sie muss in einem Verhör dreimal sagen „Ich war es nicht“. Sie zeigen ihr, wie man diese Sätze von der Betonung her nicht nur steigern, sondern variieren kann.
Dieser pädagogisch-praktische Teil ist sehr wichtig. Mit Jonas Kaufmann drehten wir deshalb auch in der Musikhochschule in München, wo er mit Studierenden ein Schubert-Lied erarbeitet.
Anke Engelke analysiert in ihrem Kurs einen eigenen Fehler. Sie zeigt ihren Sketch über „Ulla, die Geige gelernt hat“. Ulla buchstabiert „Geige“ nur, spielen kann sie das Instrument nicht. Engelke verwendet im Sketch aber gleichzeitig den Begriff „Vorführeffekt“, den eine solche Ulla aber gar nicht im aktiven Wortschatz hat. Heute bewertet das Engelke als „Verrat an der Figur“.
(lacht) Ja, Anke ist Perfektionistin. Auch wenn der Begriff bei vielen einen negativen Touch hat. Für mich ist Anke dagegen ein Beispiel für einen perfekten Master. Bei ihr geht es um Schlagfertigkeit und Humor. Sie trägt den brennenden Wunsch in sich, das an andere zu vermitteln.

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Seine Fantasy-Bücher werden gerne mit dem „Harry Potter“- Universum verglichen. Fünf Bände hat Benedict Mirows „Mistle End“-Reihe inzwischen. Wer ist der Schriftsteller aus München? Und wie hat ihm seine Erfahrung als Ethnologe geholfen?
Kennen Sie alle Experten persönlich, bevor Sie sie ansprechen?
Anke kannte ich nur von Filmpremieren, vom Hallo-Sagen. Als wir überlegten, wen wir zum Thema Humor ansprechen könnten, waren wir uns unsicher. Anke ist eine tolle Komikerin. Aber ob sie gerne darüber spricht, wie sie das macht? Als ich ihr eine Mail schrieb und erklärte, dass wir sie als Master haben wollen, kam eine halbe Stunde später ihre begeisterte Antwort: „Natürlich mache ich mit, so etwas habe ich mir schon immer gewünscht, das liebe ich!“
An wen richten sich Ihre Kurse?
An alle, die ihr Wissen erweitern wollen. Nachweislich ist es für eine Gesellschaft immer besser, wenn die Leute mehr wissen, mehr Empathie füreinander haben. Wer mehr weiß, trifft die besseren Entscheidungen. Das gilt auch fürs Privatleben. Wir möchten inspirieren und dazu ermutigen, Neues dazuzulernen und sich weiterzuentwickeln. In unseren Kursen geht es auch um emotionale Intelligenz, um Verhandlungsführung, Gesundheit und kulinarische Themen.
Apropos Kulinarik: Alfons Schuhbecks Kurs ist nicht mehr dabei?
Ganz wichtig ist unser Versprechen, wenn ich neue Master generiere, dass sie in guter Gesellschaft sind. Ich persönlich hätte zwar Alfons' Kurs drinnen gelassen. Aber wir haben schon vorsichtige Anfragen von anderen Mastern bekommen, wie wir mit dem Thema umgehen wollen. Ich habe Alfons dann besucht und ihm das erzählt. Er hat Verständnis dafür gezeigt, wir haben das untereinander offen kommuniziert.
Ihre Kurse sind zwischen zwei und neun Stunden lang - kennen Sie alle?
Mehr als das. Weil ich von der Auswahl des Masters bis zur Fertigstellung des Kurses dabei und verantwortlich bin.
Wie teilen Sie sich die Einnahmen aus Ihrer Plattform mit den jeweiligen Dozenten? Ein Kurs kostet 129 Euro.
Unsere Videos haben Kinoqualität. Die Produktion ist aufwendig, und jeder Kurs ist individuell auf die jeweiligen Master und deren Themen zugeschnitten. In der Regel werden die Master prozentual am Verkauf beteiligt. Auf Wunsch gibt es auch einen sogenannten Buy-out-Vertrag mit einer einmaligen Zahlung.
Vom 10. bis 12. Oktober bringen Sie das Online-Format erstmals live auf die Bühne. Warum?
Uns erreichen sehr viele Anfragen von Menschen, die die Master einmal live erleben möchten - mit Raum für echte Fragen. Genau diese Begegnungen wollen wir ermöglichen. Denn bei den Kursaufnahmen haben wir gespürt: Wenn Master und Publikum zusammenkommen, entstehen magische Momente. Und mal ehrlich – kennen Sie ein Event, bei dem dreißig prominente Menschen auf einmal erlebbar sind? Ich nicht.
Der Showpalast fasst 2700 Besucher - kann man da noch interaktiv sein?
Es wird deutlich weniger Teilnehmer geben – und neben der Hauptbühne auch kleinere Nebenbühnen. Dort planen wir gemeinsam mit den Mastern Workshops. Den Bereich Kreativität vertreten zum Beispiel Anke Engelke, Sebastian Fitzek, Jean-Remy von Matt, Jonas Kaufmann – und auch ich. Aber auch Oli Kahn und Doktor Müller-Wohlfahrt sind dabei.
Haben Sie bereits ein Thema für Ihren Workshop?
Die Bekämpfung von Lampenfieber unter anderem. Das beschäftigt sehr viele Menschen. Ich ziehe dann ein Pulsmessgerät an, denn auch ich bin nicht frei davon. Ich werde aber beweisen, dass es unmöglich ist, den Puls über eine längere Zeit so hoch zu halten. Er fährt nämlich von ganz alleine wieder runter.

