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Heimkino:Des Königs neue Neider

Neu auf DVD oder als Stream: Ob im Filmdrama "Schwesterlein" als schwerkranker Schauspieler oder als Hauptsturmführer im Zweiten Weltkrieg in "Persischstunden" - Lars Eidinger ist in seiner Rollenauswahl angstfrei.

Von Josef Grübl

Schwesterlein-PetitSoeur

Lars Eidinger im aufwühlenden Schweizer Kinodrama "Schwesterlein".

(Foto: Jonas Friedrich/Vega Film)

357 Mal hat er den Hamlet schon gespielt, doch jetzt ist der Star der Berliner Schaubühne krank. Es gibt keine Heilung, er aber will weiterspielen. Sein Regisseur lehnt das ab: "Einen Schauspieler auf der Bühne sterben zu lassen, finde ich obszön." Das Schweizer Kinodrama Schwesterlein ist intensiv und aufwühlend; das liegt am großartigen Spiel der Hauptdarsteller Lars Eidinger und Nina Hoss, sowie am ständigen Verwischen der Grenzen zwischen Realität und Fiktion.

Vergleiche sind hier Absicht, Eidinger ist ja auch im wahren Leben Berliner Theaterstar und umjubelter Hamlet-Darsteller. Sogar sein Schaubühnen-Regisseur Thomas Ostermeier spielt sich selbst. Er habe eine Figur darstellen wollen, die große Angst vor dem Tod habe, die im Sterben schrumpfe, sagte Eidinger bei einem Treffen im vergangenen Sommer. "Und so etwas zu zeigen, ist viel stärker als jemanden, der heroisch wirkt."

In seiner Rollenauswahl ist der 45-Jährige angstfrei, das sieht man auch an einem weiteren Film mit ihm, der neu auf DVD und als Stream erschienen ist: In Persischstunden spielt er einen Hauptsturmführer im Zweiten Weltkrieg. Dieser will den titelgebenden Unterricht nehmen, um nach Kriegsende in Teheran ein Restaurant zu eröffnen. Ein junger Jude erfährt das und behauptet verzweifelt, er sei Perser und könne ihm die Sprache beibringen. Das rettet ihm sein Leben, doch fortan muss er ständig neue Phantasie-Wörter auf Farsi erfinden, die der Herr Hauptsturmführer eifrig auswendig lernt. Es ist eine wahnwitzige und tragikomische Geschichte, die der Regisseur Vadim Perelman hier erzählt, glaubwürdig wird sie aufgrund des überzeugenden Spiels der Hauptdarsteller Lars Eidinger und Nahuel Pérez Biscayart.

Noch mehr Eidinger gibt es in der ARD Mediathek: Dort sind alle drei Staffeln der Serie Babylon Berlin abrufbar, der Schauspieler gibt darin den undurchschaubaren Alfred Nyssen, die Figur basiert auf dem realen Industriellensohn Fritz Thyssen. Bei Amazon Prime kann man sich dagegen vom komischen Talent Eidingers überzeugen: In der Buddy-Komödie 25 km/h spielen er und Bjarne Mädel zwei Brüder, die auf Mofas durch die Republik kurven.

© SZ vom 03.03.2021
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