"Heavens Gate":Die Halle wird attraktiver - aber erst in drei Jahren

"Im Herbst 2019 sollen wir dann wieder reindürfen." Im Frühjahr 2020 sei die Wiedereröffnung geplant. Bis dahin werde groß umgebaut. Eine neue Halle mit 400 Quadratmetern Boulderfläche soll entstehen, dazu über 1000 Quadratmeter an neuen Klettersteigen, ein Outdoorbereich, ein Raum für Yoga und Physiotherapie, dazu Büros und neue Sanitärräume.

"Heavens Gate": Die Kletterhalle von Geschäftsführer Benjamin Plahl muss erst mal schließen.

Die Kletterhalle von Geschäftsführer Benjamin Plahl muss erst mal schließen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Auch das Markenzeichen, die einzigartigen Klettertürme, sollen großteils bleiben. Die Klettersportler steigen nämlich in ehemaligen Kartoffelmehlsilos empor. Mit mehr als 30 Metern gehören sie angeblich zu den höchsten Kletteranlagen in Europa. Ein ganz besonderes Abenteuer für die Sportler.

Das alles zählt Plahl auf und macht damit klar: "Wir werden vergrößern, die Halle wird deutlich attraktiver." Es ist nicht so, als würde er sich nicht über die Veränderung im Haus und im ganzen Viertel freuen. Er betont das gute Verhältnis zum Vermieter. Und doch hadert er. "Wir haben 1100 Mitglieder. Wir werden sehr viele verlieren." Denn zur Halle gehört auch ein Verein, die IG Klettern München & Südbayern. Plahl rechnet mit einer hohen Austrittszahl.

Klar, ohne Halle keine Klettersportler. "Deswegen streben wir gerade Kooperationen mit anderen Hallen an." Die Mitglieder sollen im Verein bleiben, aber woanders trainieren dürfen. Genauso die 30 ehrenamtlichen Trainer. "Und wir suchen wenigstens eine kleine Ausweichmöglichkeit auf dem Gelände." Die Gemeinschaft, deren Bastion bislang stets die Halle war, soll nicht abreißen.

Mit Herzblut hängt der 40-Jährige an seinem "Baby", wie er es nennt. 1994 wurde der Verein von Kletterfreunden gegründet, vier Jahre später die Halle angemietet. Damals war Bouldern noch unbekanntes Neuland. "Das hat sich nach und nach erst als eigene Sportart entwickelt." Das Besondere am Team von "Heavens Gate" sei das soziale Engagement, zum Beispiel bei der Integration von Behinderten. Dass auch Blinde klettern können, hätten die vielen Teilnehmer mit Handicap eindrucksvoll bewiesen.

Daraus ist ein spendenfinanziertes Projekt entstanden: "Bayerns beste Gipfelstürmer". Dabei sporteln behinderte, bedürftige und schwerkranke Kinder und Jugendliche gemeinsam mit anderen Gästen. Dieses Projekt steht trotz dreijähriger Schließung nicht auf der Kippe, sagt Ulli Dietrich, eine von zwei hauptamtlichen Betreuerinnen. "Wir machen aus der Not eine Tugend und breiten unser Konzept auf andere Hallen aus."

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