Haustiere Tierklinik rettet schwer verletzte Katze - und bleibt wohl auf Kosten sitzen

Es ist noch schwach auf den Beinen, hat aber überlebt. Jetzt wird das Kätzchen in der Kleintierklinik aufgepäppelt.

(Foto: LMU)
  • Die Kleintierklinik der LMU hat ein kleines Kätzchen, das vor zwei Wochen in Garching nach einem Brand unter einem Holzstapel entdeckt wurde, versorgt und aufgepäppelt.
  • Da das Junge wahrscheinlich ein herrenloses Wildtier war, muss das Krankenhaus die Kosten selbst tragen.
  • In anderen Fällen zahlen Stadt oder Gemeinde die Tierarztrechnungen.
Von Camilla Kohrs

Die Wunden des Kätzchens, das vor zwei Wochen in Garching fast verbrannt wäre, verheilen nach und nach, mittlerweile trinkt es schon selbständig Milchersatz und Fencheltee. Noch reicht seine Kraft nicht ganz aus, die Pfleger der chirurgischen und gynäkologischen Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) füttern noch zu.

Die Klinik hat dem Kätzchen das Leben gerettet, es verarztet und aufgepäppelt. Die Kosten für die Behandlung müsse das Haus wohl selbst tragen, sagt die Leiterin der Klinik, Andrea Meyer-Lindenberg. Sie lägen bei etwa 1000 bis 1500 Euro, ganz genau lasse sich das noch nicht sagen. Die kleine Katze war nach einem Brand auf einer Wiese unter einem Holzstapel gefunden worden. Ihre beiden Geschwister starben in den Flammen, das Muttertier oder ein möglicher Besitzer wurden nicht ausfindig gemacht.

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Wer die Kosten tierärztlicher Behandlungen für Tiere, die ohne Besitzer gefunden werden, trägt, beschäftigt in Deutschland immer wieder Gerichte. Denn allein schon die Frage, ob es sich bei dem gefundenen Tier auch um ein Fundtier handelt, ist manchmal nicht leicht zu beantworten. Bei Fundtieren ist anzunehmen, dass sie noch einen Besitzer und sich nur verirrt haben. Ein Beleg dafür wäre zum Beispiel ein Chip, eine Tätowierung oder ein vertrautes Verhalten zu Menschen. Laut dem Deutschen Tierschutzbund gilt diese Annahme dann auch für Jungtiere: "Verirrt sich eine trächtige Katze und bringt dann später ihre Jungen zur Welt, sind auch diese Fundtiere", teilt der Bund mit.

Es gibt aber auch Indizien, wie den Fundort oder den Zustand, die dagegen sprechen, dass ein Tier jemandem gehört. Dann gilt es als ein Wildtier, als herrenlos. Für solche Tiere gelten andere Regeln. Für Fundtiere nämlich ist die Stadt oder Kommune zuständig. Die zahlt entweder, wie die Stadt München es tut, eine Kostenpauschale von einigen Cent pro Einwohner an die Tierheime. In München liegt die Pauschale seit 2013 bei 60 Cent. Oder die Gemeinde übernimmt, wie die Stadt Garching, zumindest anteilig die Kosten für die Unterbringung und Behandlung der Tiere. Die Bundestierärztekammer (BTK) bezeichnet die Rechtslage als sehr unbefriedigend.

Grundsätzliche Fragestellungen zur Kostenübernahme und welche Behandlungen eingeschlossen sind, könnten nicht einheitlich beantwortet werden und seien letztlich immer in der Handhabe der Kommunen. Nach Auffassung der Kammer sei die Teilung zwischen Fundtier und herrenlosem Tier zwar theoretisch sinnvoll, "praktisch ist es aber kaum möglich, nachzuweisen, ob ein Tier tatsächlich herrenlos ist", erklärt eine Sprecherin. Die BTK fordert deswegen eine deutschlandweite Kennzeichnungs- oder Registrierungspflicht für Haustiere.

Siegmar Trier ist in Garching Ansprechpartner für Fundtierangelegenheiten. Er zähle etwa zehn Fälle pro Jahr, in denen die Kommune die Behandlungskosten übernehme. Oft handele es sich um Katzen, die angefahren worden seien, aber auch eine verletzte Schildkröte sei unlängst gefunden worden, berichtet er. Laut Trier arbeitet seine Behörde mit den Tierämtern eng zusammen. "Wenn bei einer Fundkatze wirklich kein Besitzer ermittelt werden kann, übernehmen wir die Kosten. Für Wildtiere sind wir aber nicht zuständig." Der Unterschied zeige sich zum Beispiel darin, wie sich die Katze gegenüber Menschen verhalte, so Trier.

Bei einem winzigen Kätzchen von nicht einmal vier Wochen ist das natürlich nur schwer zu beurteilen. "Das Kätzchen ist ja wahrscheinlich in Freiheit geboren und es wurde keine Mutter und kein Besitzer gefunden", erklärt Klinikleiterin Meyer-Lindenberg. "Da ist es in diesem Fall so, dass die Gemeinde nichts zahlen wird." Die Klinik versuche daher, die Behandlungskosten über Spenden hereinzuholen.

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