Hausbesetzung in der Westendstraße:Am Ende fliegen Pflastersteine

Weil Polizei und Behörden nicht frühzeitig eingreifen, werden bei einer Räumung drei Beamte verletzt: Das Protokoll einer Eskalation.

Bernd Kastner

Es hätte schrecklich enden können an jenem Juniabend, für die Polizisten und für die Jugendlichen. Drei Punks hatten sich in einem Haus verschanzt, und als Beamte das Gebäude stürmten, bombardierten die Besetzer sie mit Pflastersteinen.

westendstraße München, Hausbesetzung

Das besetzte Haus in der Westendstraße 196 in München.

(Foto: Foto: Stephan Rumpf)

Tote hätte es geben können, sagt die Polizei. Am Ende dieses seltenen Falls einer Hausbesetzung in München sind drei Polizisten verletzt, drei Besetzer in Haft, versuchter Totschlag lautet der Vorwurf.

Doch was war zuvor unternommen worden, um diesen fatalen Gewaltexzess zu verhindern? Mehrere Behörden waren involviert, allen voran Polizei, Kommunalreferat sowie Wohnungs- und Jugendamt, beide Teil des Sozialreferats. Versucht man, deren Handeln zu rekonstruieren, stößt man auf zahlreiche Widersprüche in der offiziellen Lesart und auf Lücken. Fragen bleiben ohne Antwort.

"Die Polizei hätte die Möglichkeit gehabt, die Eskalation zu verhindern", sagt Siegfried Benker, Fraktionschef der Grünen im Rathaus. Er vermutet politische Gründe hinter dem Vorgehen: "Man hat es bewusst treiben lassen, wollte eine martialische Räumung."

Ein Zeichen habe man setzen wollen: In München haben Hausbesetzer keine Chance. Benker kritisiert auch das Sozialreferat: Das habe "soziale Probleme mit Ordnungsmaßnahmen zu regeln" versucht.

Ort des Geschehens ist das Anwesen Westendstraße 192 bis 198. Der rote Block mit den vier Aufgängen und 24 Wohnungen liegt neben dem ehemaligen Tramdepot, gehört der Stadt und wird bald abgerissen. Seit längerem steht das Haus weitgehend leer, der Putz blättert von den Wänden. Verwaltet wird es vom Kommunalreferat, das zwölf Wohnungen ans Sozialreferat vermietet hat.

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