Museen müssen wie alle sparen. Deshalb werden die Sammlungen immer öfter nach unbekannteren Künstlerinnen und Künstlern, wenig beachteten Themen oder ungewöhnlichen Details durchforstet. Oder Altbekanntes wird mit anderen Augen gesehen und in neues Licht gerückt. Das spart Kosten: für Ausleihe, Versicherung, Transport. Und von Vorteil für die Klimabilanz ist es zudem. Denn wenn Kunstwerke nicht über weite Strecken transportiert werden müssen, fällt auch weniger CO₂ an. Gut also, wer eine Sammlung sein Eigen nennen kann.
Doch was machen Museen, die reine Ausstellungshäuser sind? Die keine eigene Sammlung besitzen? Wollen sie Ausstellungen bestücken, müssen sie Werke ausleihen. Oder sie überlegen sich andere Formate, die nichts mit klassischen Bildwerken, Skulpturen und Installationen zu tun haben. Formate, die nicht analog, sondern vor allem digital sind.
Andrea Lissoni, Direktor im Haus der Kunst, kann sich mangels Vorhandensein einer eigenen Sammlung nicht aus einer solchen Schatzkiste bedienen. Und er ist erfinderisch darin, eine reizvolle Mischung aus zugkräftigen Namen, interessanten, auch lokalen Neuentdeckungen und grenzüberschreitenden Formaten zu komponieren. Oft auch ansprechend für ein junges oder für ein generell digital-affines Publikum.
Blickt man auf die Starts in Münchner Museen in den nächsten Wochen, fällt auf, dass das Haus der Kunst nicht nur besonders aktiv ist, sondern auch alle diese Wege beschreitet: ein internationales, vor allem auf digitale Formen setzendes Format, eine aufstrebende lokale Künstlerin, eine etwas abseitige Entdeckung und ein bekannter Name. Fangen wir von hinten an.

Da wäre Tomás Saraceno mit einem Ausstellungstitel, der gleichsam programmatisch für sein Werk ist: Verwobene Welten (ab 17. Juli 2026 bis 7. Februar 2027). Denn nichts beschäftigt den 1973 in Argentinien geborenen, schon lange in Berlin lebenden Künstler so sehr wie die Zusammenhänge allen Seins. In seiner Ausstellung im Haus der Kunst werden Arbeiten aus seinen Forschungsprojekten „Aerocene“ zur emissionsfreien Fortbewegung und „Arachnophilia“, das komplexe Strukturen von Netzwerken anhand von Spinnennetzen erforscht, zu sehen sein. Zudem hat Saraceno zusammen mit Indigenen Gemeinschaften aus dem Norden Argentiniens mit „El Santuario del Agua“ (The Sanctuary of Water) ein Land-Art-Projekt entwickelt, das als immersive, multimediale Installation Teil der Ausstellung sein wird.

Doch schon davor, im Juni nämlich, hat das Haus der Kunst einiges zu bieten. Gerade eröffnet hat „Playback“ von Steina. Es ist die erste Retrospektive in Deutschland der 1940 im isländischen Reykjavík geborenen Künstlerin. Die ausgebildete Violinistin, die in New Mexico lebt, gilt als eine Wegbereiterin der Video- und Medienkunst, deren Werke international auf Aufmerksamkeit sorgen. Und doch hat sie hierzulande kaum einer auf dem Schirm. Das will die Ausstellung in München ändern. Von frühen dokumentarischen Experimenten bis hin zu raumgreifenden Mehrkanal-Installationen, in denen Steina die menschliche Wahrnehmung in Klang, Bild und Ton neu definiert, reicht die sensorische Reise (bis 7. Dezember).

Am 26. Juni starten zwei sehr unterschiedliche Präsentationen: Da ist zum einen die sehr haptische Sache mit den „Eisbach Treasures“ von Tao Schirrmacher. Seit 2008 taucht der Münchner, der schon mal Europameister im Flusssurfen war, im Eisbach und bringt verlorene Gegenstände ans Licht. Seine Sammlung von Fundstücken und Artefakten, die aus Schmuck, Autoschlüsseln, Uhren, Patronen und Luftpistolen aus dem Zweiten Weltkrieg, Devotionalien, Werkzeugen, Telefonen, Fotoapparaten und vielem mehr besteht, hat er schon einmal im Haus der Kunst ausgestellt. Nun ist er erneut in der Ausstellungshalle in unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem Lieblings-Spot in München zu Gast (bis 7. Februar 2027).

Parallel zu dieser Präsentation ist zudem die Ausstellung von Maria VMier „I follow the wind through the stone“ zu sehen. Auch die in Passau geborene in New York lebende Künstlerin sucht nach verborgenen Geschichten. Allerdings auf eine poetische Art und Weise. Aus Gesprächen mit Mitarbeitenden des Hauses der Kunst hat VMier eine dreiteilige Installation „als Reise in das Innenleben einer Kunstinstitution“, wie es heißt, geschaffen.

