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Haus der Kunst:Streit unter Freunden

Haus der Kunst in München

Ein Prachtbau mit Rissen im Fundament: Das Haus der Kunst an der Prinzregentenstraße.

(Foto: dpa/Sven Hoppe)

Der Streit bei den Unterstützern des Hauses der Kunst in München dürfte sich bis in den Herbst hinein ziehen. Die Gründe dafür sind nicht nur Animositäten, sie liegen auch in der Historie - und in einer veränderten Wahrnehmung von Kunst.

In den zurückliegenden Wochen schreckten immer wieder irritierende Meldungen aus dem Haus der Kunst die Öffentlichkeit auf. In der Gesellschaft der Freunde der Stiftung Haus der Kunst e.V. haben sich allem Anschein nach zwei unversöhnliche Fronten aufgebaut. Die Anfang Juli abgehaltene Mitgliederversammlung wurde spät abends nach hitzigen Diskussionen abgebrochen und auf kommenden Oktober vertagt.

Anschließend traten 13 Kuratoriumsvertreter zurück; neben einflussreichen Privatleuten auch die Firmenvertreter von BMW und Schörghuber, letzterer hatte sich ja schon als Großsponsor zurückgezogen. Und auch die Allianz hatte sich schon früher von den Freunden verabschiedet.

Ja, auch vereinzelte Austritte habe es gegeben, räumt Andreas Langenscheidt, Vorsitzender des aus dem 29-köpfigen Kuratorium gewählten Vorstandes, ein. Nichts Besorgnis erregendes. Alles mehr oder weniger im Rahmen der gewohnten Fluktuation. Bleibt gleichwohl festzuhalten, dass jeder Austritt auch einen finanziellen Verlust bedeutet. Bei 800 Euro jährlichem Mitgliedsbeitrag für Private und 1500 Euro für Firmen ein einfaches Rechenexempel. Weit schlimmer jedoch: Anfang Juni schon hatte die Schörghuber Gruppe ihre seit mehr als zwei Jahrzehnten geleistete jährliche Unterstützung in Höhe von 500 000 Euro für das Haus der Kunst zurückgezogen.

Schon 2011 fuhr das Haus der Kunst 350.000 Euro Defizit ein

Dazu muss man wissen, dass das Haus der Kunst bei einem Jahresetat von rund sieben Millionen Euro laut einem Landtagsbericht 2011 schon 350 000 Euro Defizit einfuhr. 2012 (neuere Zahlen liegen nicht vor) waren es bereits mehr als 500 000 Euro. Für 2014 verspricht der für das Haus als Stiftungsratsvorsitzender verantwortliche Kultusminister Ludwig Spaenle in einem Begleitschreiben an den Landtag gleichwohl wieder ein ausgeglichenes Gesamtergebnis. Das Schreiben stammt allerdings aus dem Januar dieses Jahres. Da war der Komplettrückzug von Schörghuber noch kein Thema. Komplettrückzug heißt hier übrigens: Ausscheiden als Gesellschafter der Stiftung.

Da waren es nur noch drei: neben dem Freistaat Bayern der mittlerweile zerstrittene Verein der Freunde und dann noch die Ausstellungsleitung Große Kunstausstellung im Haus der Kunst. Hinter Letzterer verbergen sich übrigens die eigentlichen, mittlerweile aber weitgehend entmachteten Besitzer des Hauses. Was spätestens jetzt dringlich eines Exkurses in die Historie bedarf. Denn die derzeitigen Verwerfungen haben ihren Urgrund zumindest in Teilen auch in der Geschichte des Hauses.

Adolf Hitler hatte seinerzeit das Haus der Deutschen Kunst mit der Eröffnung 1937 großspurig der deutschen Künstlerschaft gewidmet. Nach dem Zweiten Weltkrieg formierten sich deshalb drei in München ansässige Künstlerverbände - die Secession, die Neue Gruppe und die Neue Münchner Künstlergenossenschaft - zur sogenannten Ausstellungsleitung Haus der Kunst e. V. unter Geschäftsführung eines gewissen Peter A. Ade, der zuvor das von den Amerikanern requirierte und im Haus der Kunst eingerichtete Offiziers-Casino geleitet hatte. Die Immobilie wurde damals als Sondervermögen an den Freistaat Bayern übergeben. Woraus sich erklärt, dass bis heute neben dem Kultusministerium auch das Finanzministerium im Haus der Kunst Mitspracherecht genießt.

Die Künstlerverbände bespielten das Haus einmal im Jahr mit der deutschlandweit beachteten "Großen Kunstausstellung" und organisierten unter der Leitung von Peter A. Ade bis in die Achtzigerjahre des 20. Jahrhunderts hinein überaus erfolgreiche Wechselausstellungen mit einer thematischen Bandbreite vom Alten Ägypten bis zu damals noch avantgardistischen Großausstellungen mit Picasso, Klee oder Max Ernst. Das Programm war so erfolgreich, dass das Haus der Kunst als unabhängig geführte Kunsthalle jahrzehntelang ohne jeglichen öffentlichen Zuschuss auskam.