Haus der Kunst Experten sollen bei Neuaufstellung helfen

Das Haus der Kunst soll mit Hilfe von Expertenwissen neu aufgestellt werden.

(Foto: Lukas Barth)
  • Bayerns Kunstminister Sibler will beim Haus der Kunst neue Wege gehen und auf Transparenz und Hilfe von außen setzen.
  • Er hat einen Expertenrat berufen, der bei der Neuausrichtung der Institution helfen soll.
  • Der Rat soll auch dabei helfen, die fünf Personen zu benennen, die danach die Findungskommission für den oder die neue Leiter bilden.
Von Susanne Hermanski

"Nach aufgewühlten Zeiten", sagt Bernd Sibler, sei es wichtig, das Haus der Kunst jetzt "mit Ruhe und Besonnenheit als Weltmarke weiterzuentwickeln". Ruhe und Besonnenheit - das dürfte auch Siblers eigenes Mantra in der Causa "Haus der Kunst" sein. Denn er hat dessen Probleme nicht nur als neuer Minister für Kunst und Wissenschaft von seinen Vorgängern geerbt. Er steht in dieser Funktion auch dem Aufsichtsrat des Hauses der Kunst vor, und ist damit nun hautnah dran an allem was die Institution beschäftigt.

In der jüngeren Vergangenheit gehörten dazu: eine knapp verfehlte Insolvenz, maue Besucherzahlen, Mitarbeiter mit Scientology-Verbindungen inklusive des Einsatzes des Verfassungsschutzes. Und schließlich die einvernehmliche Trennung vom künstlerischen Direktor Okwui Enwezor,der sich danach dennoch öffentlich über die Umstände eben jener Trennung beklagte und von "Beleidigung" sprach. Das Haus hat derzeit noch keinen künstlerischen Leiter. Doch Sibler tut gut daran, sich davon nicht in Hektik bringen zu lassen, und auf neue Wege, Transparenz und Hilfe von außen zu setzen. Ein entscheidender Schritt ist die Berufung eines Expertenrats, den Sibler am Montagabend im Haus der Kunst vorgestellt hat. Er besteht aus der Direktorin der Fondation Vincent van Gogh in Arles, Bice Curiger, die den Vorsitz übernimmt, dem Direktor des Münchner Museums Brandhorst Achim Hochdörfer und der Kunstsammlerin Ingvild Goetz.

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Dieser Rat erfüllt nicht nur die Aufgaben, die ihm offiziell zugewiesen sind. Zu denen gehört etwa, Klarheit über die strategische Ausrichtung des Hauses in der Zukunft zu bekommen. Und er soll auch helfen, jene fünf Personen zu benennen, die danach die Findungskommission für den oder die neue Leiter bilden; ein Verfahren, das Zeit kostet. Doch ebenso wichtig ist eine indirekte Aufgabe dieses Rates: Seine Existenz signalisiert auch, wie offen und gewissenhaft die Verantwortlichen für das Haus der Kunst nun vorgehen wollen und wie viel Wert Sibler darauf legt, diese wichtige Entscheidung auf die Schultern von mehreren Personen und nicht etwa auf Verbindungen einzelner Beamter zu stützen - was in der Vergangenheit eine durchaus beliebte Gepflogenheit im Kunstministerium war.

Damit die Zeit ohne künstlerischen Direktor trotzdem gut zu überbrücken ist, wird der Expertenrat noch weitere Aufgaben erfüllen. Er wird etwa das junge Team von Kuratoren unterstützen, das bereits am Haus der Kunst arbeitet. Stellvertretend für dieses Team hatte beim Pressetermin am Montagabend Jana Baumann auf dem Podium Platz genommen, gleich neben Bice Curiger. Wie wichtig das enorme Engagement der Mitarbeiter im Haus der Kunst ist, betonte Sibler ebenfalls. Ihnen ist zu verdanken, dass es trotz aller Widrigkeiten immer noch einen interessanten, täglichen Ausstellungsbetrieb mit vielen Sonderveranstaltungen bietet. Wie sehr es weiterhin gefordert sein wird, auch eigenständig zu arbeiten und zu entscheiden, macht schon allein die Sanierungslage des Gebäudes deutlich. Denn während die Neue Pinakothek zum Jahreswechsel geschlossen werden musste, weil das Dach undicht und die technischen Anlagen veraltet sind, soll das kaum weniger marode Haus der Kunst durchhalten.

2018 wurde offenbar kein Verlust gemacht

"Auch wir haben bei Starkregen massive Probleme mit der Dichtigkeit des Daches" räumte Bernhard Spies, der kaufmännische Direktor ein. Der technische Leiter Anton Köttl flickt die Stellen unterdessen schon seit zwei Jahrzehnten mit seinen Leuten immer wieder erfolgreich - provisorisch. Und Positives gibt es mehr zu vermelden. Für das Jahr 2018 scheint es nach dem derzeitigen Stand gelungen zu sein, finanziell eine "schwarze Null" erreicht zu haben, wie Spies erklärte. Für 2019 sei es das Ziel, so zu haushalten, dass ein möglicher neuer künstlerischer Direktor, sein Konzept "ohne Altlasten" aufnehmen kann. Dass die Position voraussichtlich frühestens 2020 wieder besetzt sein wird, erscheint dabei realistisch.

Im Anforderungsprofil für den Chefsessel hat der Expertenrat bereits einige erwartete Qualitäten festgeschrieben. Man erwartet den "geschärften Blick auf das Avancierte", viel Erfahrung in der Konzeption von groß angelegten Ausstellungsprojekten, Erfahrung im Management und die Bereitschaft, "ohne feste Ausstellungsfläche" in München und Bayern präsent zu bleiben. Letzteres würde dann zum Tragen kommen, wenn die Sanierung unbedingt eine Komplettschließung des Hauses des Kunst erfordert. Wie Bernhard Spies erneut betonte, solle diese aber nach Kräften vermieden werden. Entsprechende Kostenberechnungen laufen noch. Doch auch wenn niemand derzeit das Haus der Kunst für Jahre ganz schließen will, es spricht für den Realitätssinn des Expertenrats, die Möglichkeit zu thematisieren.

Dass der Expertenrat eingesetzt worden ist, stößt auf vielerlei Zuspruch im Kunstbetrieb. Zum Vorstellungstermin waren nicht nur Aufsichtsratsmitglieder des Hauses der Kunst gekommen wie Angelika Nollert. Sie ist die Direktorin der Neuen Sammlung in der Pinakothek der Moderne. Auch die Kommunikationschefin der Staatlichen Gemäldesammlungen Tine Nehler informierte sich an Ort und Stelle. Lange war darüber gerätselt worden, ob eine Eingliederung des Hauses der Kunst in die Staatsgemäldesammlung sinnvoll sein könnte. Ein wichtiges Signal gab am Dienstag auch der wichtigste private Sponsor: Die Tutsek-Stiftung, die das Haus der Kunst bislang jedes Jahr mit einer halben Million Euro unterstützt hat, wird weiterhin Sponsor bleiben.

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