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Haus der Kunst:Monumentalbau mit Mängeln

Wissenschaftsminister Heubisch will die Sanierung des Hauses der Kunst angehen - das könnte 58 Millionen Euro kosten. Eine komplette Schließung des Museums soll jedoch unbedingt vermieden werden.

Dominik Hutter

Für die überfällige Sanierung des Hauses der Kunst sollen nun zumindest die Planungen beginnen. Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) will sich noch vor der Sommerpause im Ministerrat ein Ja zur detaillierten Untersuchung des 1937 eröffneten Ausstellungsgebäudes abholen.

Ausstellung "Geschichten im Konflikt" im Haus der Kunst in München, 2012

Das Gebäude ist nicht so massiv wie es wirkt: das Haus der Kunst.

(Foto: Robert Haas)

Ende 2013 könnte dann der Landtag über die Freigabe der Gelder diskutieren - nach jetzigem Stand kostet das Aufmöbeln des Troost-Baus 58 Millionen Euro. Eine komplette Schließung des Hauses der Kunst will Heubisch unbedingt vermeiden. Die zweijährige Sanierung soll bei laufendem Ausstellungsbetrieb abschnittsweise erfolgen.

Das Gebäude ist nicht so massiv wie es wirkt, hinter den Natursteinen verbirgt sich eine Stahlskelett-Konstruktion. Dennoch gilt der tempelähnliche Bau, der den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt überstanden hat, aber nicht als ernsthaft gefährdet. Bei der Sanierung geht es um Probleme wie undichte Dächer, Mängel beim Brandschutz und veraltete technische Anlagen - etwa in puncto Klima oder Sicherheit. Was genau gemacht werden muss, wird erst nach den Begehungen durch die Oberste Baubehörde feststehen.

Geradezu zwangsläufig stellt sich beim Haus der Kunst die Frage nach dem Umgang mit der Nazi-Architektur. Heubisch will unbedingt die seit 2003 verfolgte Idee des "kritischen Rückbaus" beibehalten: Anders als in der Nachkriegszeit soll die Vergangenheit des einstigen "Hauses der Deutschen Kunst" nicht kaschiert werden, sondern sichtbar sein und so zur Auseinandersetzung mit der Geschichte ermuntern - ohne glorifizierend zu wirken. Ein Beispiel für diesen Kurs liefert die mit rotem Marmor geschmückte frühere "Ehrenhalle", die einst reinen Repräsentationszwecken diente und in den 50er Jahren durch Einbauten und eine neue Farbgebung ihrer Monumentalität beraubt wurde.

Inzwischen ist der Raum wieder im Originalzustand zu sehen, wird aber anders als früher als Ausstellungsort für moderne Kunst genutzt. Dort war im Jahr 2009 beispielsweise die Installation "Template" des regimekritischen chinesischen Künstlers Ai Weiwei zu sehen. Öffentlich zugänglich ist inzwischen auch der Luftschutzkeller des Hauses der Kunst, in dem regelmäßig Teile der Sammlung Goetz präsentiert werden.

Das Haus der Kunst, geplant als Nachfolger des 1931 abgebrannten Glaspalastes im Alten Botanischen Garten, wurde von Paul Ludwig Troost entworfen, dem stilbildenden Hitler-Architekten der 30er Jahre, der auch die NS-Parteibauten am Königsplatz entworfen hat. Das Ausstellungsgebäude wurde im Juli 1937 mit der "Großen Deutschen Kunstausstellung" eröffnet.

Parallel dazu fand in den Hofgarten-Galerien die Ausstellung "Entartete Kunst" statt, mit der moderne Künstler ganz bewusst diffamiert werden sollten. Insofern gilt es als symbolträchtig und zukunftsweisend, dass die einstigen Präsentationsräume monumentaler NS-Kunst nun für die einst verfemte Moderne genutzt werden.

Das Haus der Kunst ist nicht der einzige Kulturtempel, in den der Freistaat viel Geld investieren muss. Aktuell wird für 71 Millionen Euro das Gärtnerplatz-Theater saniert, die Modernisierung der erst 30 Jahre alten Neuen Pinakothek wird auf 60 Millionen geschätzt. Bei dem Branca-Bau an der Barer/Theresienstraße gilt auch eine Komplettschließung als möglich - samt Auslagerung des Depots.

© SZ vom 21.06.2012/sonn

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