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Haus der Kunst in München:Da tut ein fulminanter Neustart not

Rasch sanieren, rasch neu öffnen mit gutem Programm

"Rettungseinsatz" vom 22. Januar über das Münchner Haus der Kunst:

Im Feuilleton vom 22. Januar geht es um die Berufung von drei sehr guten, ehrenamtlichen Experten, die den Kunstminister und Aufsichtsratsvorsitzenden Bernd Sibler in Sachen Zukunft des Münchner Hauses der Kunst unterstützend beraten. Gut so. Die Politik hingegen mischt sich ein und sucht ein Alibi, um sich diese Einmischung jederzeit auch weiter vorbehalten zu können. Sie unterläuft die Autonomie eines international ausgerichteten, vitalen und risikobereiten Hauses wegen Missmanagements. Das hätte ja wohl vorausschauend verhindert werden können - dafür gibt es doch einen Aufsichtsrat?

Stattdessen sagt der Sanierer und kaufmännische Direktor Dr. Spies die geplanten Ausstellungen von Adrian Piper und Joan Jonas ab und zieht mithilfe der fragwürdigen, privaten Stiftung für Kunst und Kultur e.V. aus Bonn den kommoden Malerfürsten Lüpertz aus dem politisch opportunen Ärmel. Nichts gegen Lüpertz, aber hier ist Vorsicht angebracht. Statt nach vorne zu schauen, wird ein Status quo eingeführt - als hätte es die sehr erfolgreiche Programmgestaltung des Hauses mit den einzigartigen Profilen, die ihm Vitali, Dercon und Enwezor verliehen, nie gegeben.

Das Haus der Kunst braucht jetzt einen Neustart unter optimalen Bedingungen. Macht den Tempel dicht, zieht die Renovierung so schnell wie möglich durch, sucht Leute, die Zukunft gestalten - dann Grand Opening! Enwezor, Ulrich Wilmes und Team haben eine sehr konkrete Planung mit dem Architekten Chipperfield vorgelegt: Es ging darum, einen offenen Ort der Produktion und Präsentation zu schaffen, der ein Modell sein könnte über München und Bayern hinaus - und für Europa und die Welt etwas auf die Beine stellt, das neu und zukunftsorientiert ist. So wie mit dem Haus der Kulturen der Welt in Berlin ein Ort entstanden ist, der belebt. München ist der ideale Ort der Präsentation - was fehlt, ist ein offener Schuppen am Rande des großartigen Englischen Gartens. Gewiss mit pfiffigem Management, jedoch nicht gleichberechtigt mit der künstlerischen Leitung, sondern unterstützend und mit klaren Spielregeln und Planungssicherheit. Aber autonom! Die Politik sollte den Tempel so autark machen wie möglich und durch Rettungsversuche die Sache nicht verschlimmbessern. Sonst ist und bleibt die Luft raus, die eine selbsternannte "Weltstadt mit Herz" dringend benötigt.

Kasper König, Berlin

© SZ vom 05.02.2019
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