Hauptbahnhof SPD plant Streetworker-Bus für Trinker

Die SPD will den sozialen Problem nicht nur mit der Peitsche der Ordnungspolitik begegnen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Das Alkoholverbot am Hauptbahnhof soll verschärft werden. Bisher war das Trinken lediglich zwischen 22 und 6 Uhr verboten, bald könnte das ganztägig gelten.
  • Die SPD-Fraktion will nun zusätzliche Hilfsangebote für die sogenannten Stammsteher initiieren. Es ist aber schwierig, passende Räume zu finden.
  • Laut Polizeistatistik hat das bisherige Verbot dazu beigetragen, die Kriminalität zu senken.
Von Dominik Hutter

Gut möglich, dass sich bald ein Bus mit Sozialarbeitern um die Alkoholkranken vom Hauptbahnhof bemüht. Entsprechende Pläne kursieren derzeit in der SPD-Stadtratsfraktion; sie tut sich schwer damit, ohne zusätzliche Hilfsangebote das derzeit nur in der Nacht geltende Alkoholverbot rund um Münchens zentrale Bahnstation zur 24-Stunden-Anordnung zu machen. Räume für eine feste Anlaufstelle sind in den umliegenden Straßen offenbar nur schwer zu finden, die Rathaus-SPD will dem sozialen Problem mit den sogenannten Stammstehern aber keinesfalls nur mit der Peitsche der Ordnungspolitik begegnen. Das Thema, das eigentlich schon am vergangenen Dienstag auf der Tagesordnung des Kreisverwaltungsausschusses des Stadtrats stand, soll nun im Dezember abgearbeitet werden.

Am Münchner Hauptbahnhof darf schon seit Januar 2017 kein Alkohol mehr getrunken oder zum sofortigen Verzehr mit herum getragen werden - allerdings nur zwischen 22 und 6 Uhr. Diese Regelung war einst der Gesetzeslage geschuldet. Inzwischen dürfen die Behörden bei einem Bier-Bann auf solche Zeitvorgaben verzichten. Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle jedenfalls sieht die Voraussetzungen dafür als erfüllt an, das Verbot auf 24 Stunden auszuweiten - obwohl die CSU-Stadtratsfraktion im Sommer lediglich angeregt hatte, es um einige Stunden zu verlängern. Der Behördenchef verweist jedoch auf die vielen Gewalttaten rund um den Hauptbahnhof, die ganz klar mit Alkohol in Verbindung stünden. Und auf die störenden Hinterlassenschaften der "Stammsteher".

Zwar hat das bestehende nächtliche Verbot laut Polizeistatistik dazu beigetragen, die Kriminalität abzusenken. Gab es 2016 noch 263 Straftaten, die auf Alkohol zurückzuführen waren, sank die Zahl 2017 um knapp ein Viertel auf 203. Im ersten Halbjahr 2018 belegen vorläufige Zahlen einen weiteren Rückgang. Noch deutlicher sieht es bei den sogenannten Rohheitsdelikten aus, die von 155 (2016) auf 92 (2017) zurückgegangen sind, ein Minus von gut 40 Prozent. Böhle findet trotzdem, dass die Lage am Bahnhof noch nicht zufriedenstellend sei. Denn die meisten Delikte würden tagsüber erfasst, also außerhalb der Zeiten des Alkoholverbots. Beschwerden belegten, dass sich Passanten und Geschäftsleute nach wie vor nicht wirklich sicher fühlen. So gebe es nach wie vor größere Gruppen von "Stammstehern", die Müll, Urin und Exkremente hinterlassen. Das Trinken von Alkohol, so steht es in Böhles Beschlussvorlage, sei mitursächlich für ein entsprechendes "Entleerungsbedürfnis".

Die bei solchen Verboten häufige Verlagerung der Szene hat am Hauptbahnhof offenbar nur in geringem Umfang stattgefunden. Laut Polizei ist ein kleiner Teil der Klientel in den Alten Botanischen Garten umgezogen, allerdings gebe es dort keine Alkoholexzesse. Andere träfen sich nun auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnhofplatzes, die jedoch auch zum Verbotsgebiet gehört.

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