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Hasenbergl:Zukunftsangst

Die Dawonia errichtet 250 neue Wohnungen und modernisiert das Quartier "Am Dülferanger". Dessen Bewohner befürchten, dass sie sich dann die Mieten nicht mehr leisten können

Von Jerzy Sobotta, Hasenbergl

Offizieller Baubeginn ist erst im Herbst, doch schon jetzt wird es entlang der Linkstraße laut. Erste Bäume sind schon gefällt und Bauzäune aufgestellt. So sehen die Vorbereitungen aus für eines der großen Bauvorhaben im Hasenbergl. Die Immobiliengesellschaft Dawonia erweitert in den kommenden fünf Jahren das Quartier zwischen Schleißheimer- und Linkstraße. Etwa 250 neue Wohnungen entstehen dort, 90 davon sind gefördert. Blickt man vom Mira-Einkaufszentrum in Richtung Nordwesten, dann sieht man zurzeit vier Wohnhochhäuser aus den Sechzigerjahren. Nach dem Ende der Bauarbeiten werden auf dem Gelände insgesamt 13 Hochhäuser stehen. Vier neue Punkthäuser werden nach den Plänen des Wiener Architektenbüros Querkraft an die bestehenden Hochhäuser drangebaut, was dann aussieht wie siamesische Zwillinge. Fünf weitere entstehen westlich davon, jeweils am Ende der fünf niedrigeren Häuserzeilen, zudem eine Tiefgarage mit 320 Stellplätzen. Die Baugenehmigung liegt dem Unternehmen seit Februar vor.

Seit die Erweiterungspläne vor etwa vier Jahren bekannt geworden waren, sind die Bewohner der fast 400 Bestandswohnungen verunsichert. Neben jahrelangem Baulärm und dem Wegfall von Parkplätzen befürchten viele empfindliche Mieterhöhungen. Am stärksten betroffen sind die Bewohner der etwa 130 Wohnungen in den bestehenden Hochhäusern an der Schleißheimer Straße 501-507. Ihre Wohnungen sollen modernisiert werden, und damit dürften auch ihre Mieten steigen.

"Modernisierungskosten dürfen nach dem Gesetz grundsätzlich auf die Mieten umgelegt werden. Wir halten uns dabei selbstverständlich an die jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben", teilt die Dawonia auf Anfrage mit. Die Formulierung lässt im Umkehrschluss vermuten, dass die rechtlichen Vorgaben auch voll ausgeschöpft werden: Acht Prozent der Modernisierungskosten dürfen Vermieter derzeit auf ihre Mieter umlegen, bei einer Grenze von meist drei Euro je Monat und Quadratmeter. Bei einer Wohnung von 50 Quadratmetern entspricht das bis zu 150 Euro im Monat, bestätigt der Mieterverein München. Genaue Summen will die Dawonia aber erst nach den Bauarbeiten bekanntgeben. Man wolle außerdem Lösungen für "soziale Härtefälle" finden.

"Viele Bewohner haben große Angst, dass sie sich nach der Modernisierung die Miete nicht mehr leisten können", sagt die SPD-Politikerin Manuela Massaquoi, die seit über 25 Jahren in einer der Wohnungen an der Linkstraße lebt. "Die Dawonia ist nicht gerade dafür bekannt, dass sie auf ihre Mieter achtgibt", sagt sie. Die Mieten am Dülferanger seien in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Frust ist auch vom ehemaligen Vorsitzenden der örtlichen Mietergemeinschaft, Dieter Huber, zu hören: "Ständig gibt es Mieterhöhungen, aber nichts davon wurde in die Häuser reinvestiert", kritisiert er. Und das sehe man den Gebäuden an: "Deswegen sind sie auch so runtergekommen."

Erst Mitte Juni hatten Dawonia-Mieter in Schwabing am Ackermannbogen gegen Mieterhöhungen protestiert, die trotz der Corona-Krise durchgesetzt worden seien. Organisiert wurde die Kundgebung von der Bürgerinitiative "Ausspekuliert", an der sich auch der Mietrechtsaktivist Christian Schwarzenberger von der Linken beteiligt. Er hatte vor einigen Jahren auch Kontakt zu den Mietern im Hasenbergl. Ähnliche Proteste wie in Schwabing erwartet er im hohen Münchner Norden allerdings nicht. Viele Mieter seien bereits sehr alt, andere verstünden kaum Deutsch. Das mache gemeinsame Antworten schwierig, sagt Schwarzenberger.

Die Dawonia übt sich indes in Imagepflege: "Neuer Name, neues Logo", hieß es im Winter auf einer Infobroschüre. Das Quartier zwischen Link- und Schleißheimer Straße, das ursprünglich den Namen "Hasenbergl" trug, nennt sich inzwischen "Am Dülferanger". Auch ihren Konzernnamen hat sich die Dawonia erst Anfang 2019 zugelegt, davor hieß sie "Gemeinnützige Bayerische Wohnungsgesellschaft" - kurz GBW. Das passe nicht mehr zur Unternehmensstrategie, hieß es damals zur Begründung. Seit die ehemals staatliche GBW privatisiert worden ist, schreibt sie regelmäßig Schlagzeilen mit umstrittenen Modernisierungen und Mieterhöhungen.

© SZ vom 29.07.2020

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