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Hasenbergl:Dicke Luft

An der Eduard-Spranger-Mittelschule sind Eltern und Lehrer wegen der PCB-Belastung nach wie vor in Sorge. Trotzdem sieht die Stadt keine Gefährdung und verneint die Notwendigkeit, den Unterricht einzuschränken

In der Eduard-Spranger-Mittelschule werden seit längerem erhöhte Werte der als giftig geltenden Chlorverbindung PCB gemessen - der chemische Stoff gelangt aus den Verfugungen des in den Siebzigerjahren erbauten Gebäudes in die Raumluft. Zwar liegen die Messwerte der Polychlorierten Biphenyle unter einem Interventionswert. Dennoch diskutieren die Lokalpolitiker immer wieder, ob die Werte eine Gefährdung darstellen.

Nachdem die Grünen im Bezirksausschuss (BA) das Thema erneut auf die Tagesordnung gesetzt hatten, besuchte der für Feldmoching-Hasenbergl verantwortliche Mitarbeiter aus dem Bildungsreferat, Thomas Gerbet, die jüngste Sitzung des Gremiums. Seine zentrale Nachricht: Das Bildungsreferat erkennt nach wie vor keine Gesundheitsgefährdung und sieht keine Notwendigkeit, den Unterricht einzuschränken. Endgültig steht fest, dass die Schule wegen der Belastung und weiterer Mängel 2019 abgerissen und neu gebaut wird. Der BA hat das Referat aufgefordert, zu untersuchen, ob der Unterricht bis zum Neubaubeginn ausgelagert wird.

Die PCB-Richtlinie legt fest, wie eine Belastung bewertet werden soll, und definiert einen langfristig tolerablen "Vorsorgewert" von 300 Nanogramm pro Kubikmeter Luft. Bei Werten zwischen 300 und 3000 Nanogramm soll die Quelle der Verunreinigung beseitigt oder die Konzentration vermindert werden; Zielwert sind weniger als 300 Nanogramm. Die Werte in der Spranger-Schule liegen zwischen 300 und 3000 Nanogramm, weshalb als Maßnahme die Räume regelmäßig gelüftet und gereinigt werden; so wird laut Bildungsreferat eine schädliche Wirkung ausgeschlossen. Oberhalb von 3000 Nanogramm soll mit unverzüglichen Sanierungsmaßnahmen reagiert werden. Die Grünen-Politiker beunruhigt, dass die Werte in der Spranger-Schule ein konstantes Niveau halten und sich nicht dem Zielwert nähern.

Warum keine Gefährdung gesehen wird, wenn sich die Messwerte in drei Räumen erhöht haben, fragt sich Christine Lissner (Grüne). Im Jahr 2011 zum Beispiel hat man in einem Klassenzimmer im Erdgeschoss etwa 970 Nanogramm festgestellt, im Jahr 2014 waren es 1195 Nanogramm: "Das ist eine Erhöhung um 225 Gramm." Die Antwort von Thomas Gerbet: Mit Blick auf die prozentuale Steigerung könne man von keinem signifikanten Anstieg sprechen. In zwei Räumen seien die Werte dagegen auch gesunken; in einem anderen Zimmer im Erdgeschoss etwa sind die Werte von 1510 Nanogramm auf 1180 Nanogramm gefallen.

Gerbet erklärte, dass die gemessenen Werte jene Belastung widerspiegelten, der man bei einer Aufenthaltsdauer von 24 Stunden am Tag im betroffenen Raum ausgesetzt sei; auch gingen die Messungen davon aus, dass Personen die Stoffe intensiv aufnähmen. Da die Werte zum Teil gestiegen sind, stellte Hans Kübler (Grüne) in Frage, ob die Gegenmaßnahmen wirkten. Zur genauen Beurteilung solle man vor und nach Anwendung der Maßnahmen sowie während des Schulbetriebes messen. Gerbet sagte zu, die Idee werde er mitnehmen, und: Neue Messungen sollen die Daten aktualisieren.

Da der Grad der Belastung in der Schule unter dem Gefährdungs-, aber über dem Zielwert liegt, fordern die Grünen, bis zum Neubau der Schule Unterrichtscontainer aufzustellen. Gerbet antwortete, dass die Beschaffung eineinhalb Jahre dauere. Markus Auerbach (SPD) brachte die Idee der Verlagerung des Unterrichts in Schulen im Umkreis ins Spiel, etwa in das neue Gymnasium München Nord. Ergebnis der Abstimmung: Das Bildungsreferat soll vorrangig prüfen, ob solche Kapazitäten vorhanden sind - falls nicht, ob die Aufstellung von Containern möglich sei. Auch den Vorschlag von Martin Obersojer (CSU), das Ausgasen der Stoffe durch Versiegelungen zu vermindern, werde man diskutieren, sagte Gerbet.

Ein Vertreter des Elternbeirates erklärte, dass man diese Entscheidung - den "feinen, politischen Weg" - noch mittrage. Je nach Ergebnis der neuen Messung werde man "andere Mittel" nutzen. Auch Lehrerinnen der Schule brachten zum Ausdruck, dass die Belastung sie verunsichere; und sie wiesen auf den Umstand hin, dass eine Mittelschule in Dachau wegen einer PCB-Belastung von 550 Nanogramm eine Auslagerung und Generalsanierung zum Schuljahr 2017 beschlossen habe. Der BA-Vorsitzender Markus Auerbach (SPD) bezog auch die jeweils unterschiedlichen Baulastträger ein, sprich: Der Landkreis hat andere Möglichkeiten zur Investition als die Stadt. Referatsmitarbeiter Gerbet ging in der Sitzung auf diesen Hinweis nicht ein.

Die Sanierung der Dachauer Schule ist auch aus anderen Gründen notwendig, etwa wegen des maroden Gebäudezustandes und zum Ausbau des Brandschutzes.