Süddeutsche Zeitung

Hasan Abdullah Ismaik und 1860 München:33 Millionen für den Aufstieg

Lesezeit: 3 min

Der Boulevard schrieb vom Öl-Scheich, der 1860 retten sollte. Doch Hasan Abdullah Ismaik ist kein Scheich und sein Geld hat er mit Immobilien verdient. Dennoch: Er will bei den Löwen einsteigen. Doch wie kommt der Jordanier ausgerechnet auf die Sechziger?

A. Burkert u. K. Ott

Der TSV 1860 München ist wieder einmal denkbar knapp an der Pleite und am Zwangsabstieg aus der zweiten Liga vorbeigeschrammt. Wenigstens für ein paar Wochen langt das Geld, das die Klubchefs kurzfristig aufgetrieben haben. Dann soll "eine tragfähige Lösung für die Zukunft" stehen, haben Geschäftsführer Robert Schäfer und Präsident Dieter Schneider versprochen, der seine Zuversicht sogar "auf 99 Prozent" taxierte.

Man kann seinen Optimismus verstehen, denn es gibt ihn tatsächlich, jenen bislang geheimen Investor, der bei den Löwen einsteigen will. Zuletzt war mancherorts gezweifelt worden, ob es diesen großen Unbekannten aus Arabien gibt; der Boulevard titelte von einem angeblichen "Öl-Scheich", der den Traditionsverein auf Dauer retten soll.

Hasan Abdullah Ismaik ist zwar kein Scheich, aber die Sache ist ihm sehr ernst, das wird der 34-jährige jordanische Geschäftsmann nächsten Samstag allen Zweiflern erklären: Ismaik kommt zum Heimspiel gegen Cottbus in die Münchner Arena. Er fliegt, so ließ er es jedenfalls am Montag der Süddeutschen Zeitung ausrichten, vormittags mit seinem Privatflieger aus New York ein.

Wieso ausgerechnet zu den Sechzigern, kannte er die bislang überhaupt? "Gehört habe ich schon von 1860, aber sie nicht genau verfolgt", teilte Ismaik mit. Er sei aber "leidenschaftlicher Fußballfan". Er wäre der erste arabische Investor bei einem Bundesligisten.

Der Familienvater betreibt offenkunnig florierende Geschäfte bei Bauträgern, Öl-Firmen und Beteiligungsgeschäften in Abu Dhabi, Riyad, Dubai, New York, London, Amman und Damaskus. Er pendelt hauptsächlich zwischen diesen Orten, wo er Wohnsitze unterhält. Hasan Abdullah Mohamed, wie sich Ismaik als Chairman seiner Firmengruppe auch nennt, liebt München.

Der Kontakt kam hier über den Finanzmanager Hamada Iraki zustande, der für eine international agierende Großbank den Mittleren Osten betreut und über beste Kontakte in diese Region verfügt. Als der Mittelsmann, der sich auch in der Fußballbrache gut auskennt, am 18. März in der SZ von der Finanznot des TSV 1860 las, hörte er sich bei befreundeten Investoren um. Einem waren die Löwen zu klein. Ismaik findet sie genau passend für sein Ziel, endlich in einen Klub mit Perspektive zu investieren und Kontakte nach Deutschland zu knüpfen.

"In drei Wochen soll alles perfekt sein"

An diesem Dienstag erscheint bereits eine Abordnung von ihm aus Abu Dhabi, ein Anwalt und ein Wirtschaftsprüfer, zwei deutsche Anwälte gesellen sich hinzu. Sie prüfen die Geschäftsbücher von 1860. Ismaik ist zuversichtlich: "Wenn nichts Unvorhergesehenes auftaucht und alle Angaben, die der Verein genannt hat, stimmen, dann sollte dem Investment nichts im Wege stehen", teilte er der SZ mit. "Natürlich muss die DFL auch alle Verträge gutheißen.

Aber im Moment ist die Wahrscheinlichkeit (für mein Investment) sehr hoch." Wie viel wird es sein? "Abgesehen vom Kaufpreis" - vermutlich 13 Millionen Euro für 49 Prozent der 1860-Anteile - "rechnen wir, um die erste Liga zu erreichen, mit einer Investition von zehn bis 20 Millionen Euro bis 2014."

Dass noch unliebsame Überraschungen den Deal verhindern, gilt als unwahrscheinlich. Präsident Schneider und Geschäftsführer Schäfer haben sich in den vergangenen Monaten das Vertrauen aller Gesprächs- und Geschäftspartner erworben. Und wenn nun Ismaik seine Absichten in die Tat umsetzt, dürfte sich bei 1860 manches ändern.

Wobei ihm nach eigenen Angaben keineswegs daran gelegen sei, massiven Einfluss auf die sportliche Struktur zu nehmen - das wäre laut DFL-Statuten auch nicht zulässig. Er wolle "auf der "hervorragenden Jugendarbeit" aufbauen und 1860 mit der Klub-Führung sanieren und mittelfristig "in der ersten Liga etablieren". Und weiter: "Wir möchten realistisch bleiben und uns keine unerreichbaren Ziele vornehmen. Und wir möchten, dass die Fans stolz auf den Verein sind."

Sogar über die leidige Stadion-Frage hat sich der Jordanier schon Gedanken gemacht. In der Arena, die dem bei den Löwen-Fans ungeliebten Lokalrivalen FC Bayern gehört, sei der TSV im Moment "gut aufgehoben", findet Ismaik. "Sollten wir den Aufstieg schaffen und uns in der ersten Liga etablieren, werden wir über ein eigenes Stadion nachdenken." Aber im Moment sei das kein Thema. Das klingt ganz anders als bei einem früheren Löwen-Chef, der den Streit mit den Bayern gesucht und 1860 dabei beinahe in den Abgrund gestürzt hat.

Vereinschef Schneider und Investor Ismaik dürften auch aus anderen Gründen auf einer Wellenlänge liegen. Schneider, 63, hat mehrere Betriebe vor der Pleite gerettet und erfolgreich weitergeführt. Auch der mögliche neue Löwen-Partner hat in seiner Heimat im Nahen Osten schon mehrere Firmen saniert und seine Aktivitäten dann weltweit ausgebaut. Ein Milliardär sei er wohl nicht, aber "ein sehr erfolgreicher, wohlhabender Geschäftsmann", heißt es aus Branchenkreisen. Ismaik machte sein Vermögen hauptsächlich mit Immobilien während des Booms im Nahen Osten 2006 und 2007. Nun will er in Deutschland Fuß fassen. "In drei Wochen", heißt es dazu aus seinem Umfeld, "sollte alles perfekt sein."

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SZ vom 05.04.2011/tob
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