Arbeitslosigkeit:Mann für schwere Fälle

Arbeitslosigkeit: Fallmanager Götz hat sich seine Tätigkeit in einem Münchner Jobcenter ganz bewusst ausgesucht, aus "Interesse an Menschen und Lebensläufen".

Fallmanager Götz hat sich seine Tätigkeit in einem Münchner Jobcenter ganz bewusst ausgesucht, aus "Interesse an Menschen und Lebensläufen".

(Foto: Robert Haas)

In der Debatte um Hartz IV geht häufig unter, dass Betroffene im Jobcenter tatkräftige Hilfe für den Alltag bekommen können. Ein Besuch bei einem engagierten Berufsberater.

Von Annette Zoch

"Ich ruf mal eben da an", sagt Herr Götz, stößt sich mit einer raschen Bewegung von der Tischkante ab und rollt mit seinem Bürostuhl zum Telefon. Götz wird diesen Satz heute noch sehr oft sagen. Einfach mal so zum Hörer greifen, eine Nummer eintippen, eine Frage stellen - für Menschen wie Thomas Bach* ist das eine unvorstellbar große Aufgabe. Wie soll ich da reden? Werden die mich verstehen? Vor allem: Wen rufe ich überhaupt an? Thomas Bach sitzt in einem kleinen Zimmer im Jobcenter München-Pasing, hört Götz beim Telefonieren zu und krallt seine schmalen Finger in einen schwarzen Rucksack. "Soll ich auch gleich einen Termin vereinbaren?", fragt Götz. Bach nickt unter seiner schwarzen Wollmütze. "Ich will nur keinen Ärger kriegen. Ich fass das nicht an." Gemeint ist das bisschen Geld, das seine Mutter ihm hinterlassen hat. Der zerknitterte Bankbrief liegt vor ihm auf dem Tisch. Bach ist Hartz-IV-Empfänger und Götz sein Fallmanager. "Passt es nächste Woche Mittwoch?" Bach lacht bitter, so wie einer lacht, der es schon lange gewohnt ist, dabei die Zahnlücken zu verstecken: "Also ich hab Zeit."

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