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Harthof:Marsch für die Münchner Juden

Gedenkveranstaltung erinnert an Deportationen im Jahr 1941

Fast ein Vierteljahrhundert ist es her, dass sich Milbertshofen schon einmal aufmachte zu einem großen Gedenkmarsch: Im Mai 1995 waren es die drei großen Kirchengemeinden St. Georg, St. Lantpert und die Dankeskirche, die sich aus Anlass des Kriegsendes 50 Jahre zuvor zu ihrer Geschichte bekannten und jeder Gewalt, Ausgrenzung und Diskriminierung entgegentraten. 250 Menschen aller Altersstufen nahmen damals an einem ökumenischen Gottesdienst an mehreren Orten unter freiem Himmel und in mehreren Kirchen teil, besuchten Schauplätze des Luftkriegs und des Grauens gegen die jüdische Bevölkerung.

"Die Glocken läuteten, Kerzen brannten, Lieder erklangen in deutscher und in hebräischer Sprache", begann die Süddeutsche Zeitung damals ihren Bericht über einen denkwürdigen Abend, an dem der Zeitzeuge Ernst Grube, im April 1945 gerade 13 Jahre alt, seine eigenen Erinnerungen an das Zwischenlager der eingekerkerten und später deportierten jüdischen Mitbürger und an die Zeit im Konzentrationslager Theresienstadt wachrief. Und an dem Frantisek Roch aus Prag von seinen Erlebnissen als Zwangsarbeiter der Firma BMW berichtete.

An diesem Donnerstag, 21. November, erinnern nun die katholische Laiengemeinde Sant'Egidio und die Israelitische Kultusgemeinde München bei einer Gedenkveranstaltung im Stadtbezirk erneut an die Deportation der Münchner Juden. Denn vor genau 78 Jahren, am 20 November 1941, verschleppten die Nazis die erste größere Gruppe von Juden aus der Stadt. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr auf dem Vorplatz von St. Gertrud, Weyprechtstraße 75. Als erste Rednerin wird Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, ans Mikrofon treten. Zudem sollen laut Ankündigung Vertreter von Sant'Egidio, der Stadt München sowie von katholischer und evangelischer Kirche Ansprachen halten.

Sodann werden die Teilnehmer schweigend zu der Stelle ziehen, an der das NS-Regime das Zwischenlager eingerichtet hatte, von wo aus die jüdischen Münchner weiter in Konzentrationslager deportiert wurden. An der Ecke Knorr-/Troppauer Straße befindet sich seit 1982 zum Gedenken eine Bronzeplastik.