Harald Schmidt Der Superstar

Harald Schmidt verabschiedet sich im Hinterhoftheater mit einem brillanten Totentanz.

Von Egbert Tholl

Auch Harald Schmidt wird nicht verhindern können, dass in der Zukunft, die irgendwann nach dem 31. März beginnt, nicht mehr die von Günter Knoll liebevoll ausgewählten Größen der Kabarettszene im Hinterhoftheater auftreten, sondern dort aller Voraussicht nach das ,,Laimer Brett'l'' einzieht.

Harald Schmidt in "Vom Suchen und Finden der Liebe".

(Foto: Foto: Constantin)

In dessen aktuellem Stück ,,Leberkäs und Schampus'' geht es um ein paar Gauner, die mit der Rente eines offenbar längst Verstorbenen ein Lokal eröffnen wollen.

Aber noch lebt das Knollsche Hinterhoftheater. Und zum Totentanz treffen sich in der Harthofer Peripherie, die fürderhin endlich das Theater bekommt, das sie dem Klischee nach verdient, noch einmal Weltstars der Kabarettszene: Die Biermösl Blosn war da, der Hube kommt noch, der Hader auch - aber jetzt geht's hier erst einmal um Harald Schmidt.

Der verabschiedet sich von der Bühne, auf der vor vielen Jahren alles für ihn begann - er meint, es sei vor 16 Jahre gewesen, aber da täuscht er sich, es muss viel länger her sein.

Damals also vertraute Knoll dem kleinen Wurschterl Schmidt, und der große Schmidt dankt es ihm, indem er nun wieder auftritt, zu den selben Konditionen wie in der Jungsteinzeit der eigenen Karriere, also mit Beteiligung am Eintrittserlös; Anreise und Unterkunft sind vom Künstler selbst zu bezahlen.

Gut, das kann ihm nun natürlich wurscht sein, aber die Geste ist so sympathisch wie grandios. So grandios wie der ganze Auftritt.

Nicht dass Harald Schmidt irgendetwas anders machen würde, als man es aus dem Fernsehen von ihm gewohnt ist - sieht man davon ab, dass er keine Gäste dabei hat, aber deren Aufgabe übernimmt er, was ohnehin viel besser ist, gleich selbst; es gibt auch keinen Kompagnon, der in den Computer starrt und Weißbier trinkt.

Aber wie er das macht, was er immer macht, wie er das Publikum an der langen Leine der zynischen Arroganz verhungern lässt, ohne dass dieses es merkt, wie er seine eigene mediale Superstarrolle dazu nutzt, sich selbst hinreichend schräg zu beleuchten, wie er im Schlagschatten der von ihm selbst zersplitterten Kunstidentität auch noch die allerblödesten Witze wie Weisheiten aus dem Dunst der Pythia orakeln kann, das ist brillant.

Dazu singt er (gut), spielt Bach auf dem Klavier (schlecht), ist eineinhalb Stunden lang infernalisch aufgedreht, im politischen Analysevermögen stupend, in der Geschwindigkeit des Denkens erfreulich atemberaubend.

Was einem bei diesem Auftritt dämmert, ist die Erkenntnis, dass es eben solche Bühnen wie die von Günter Knoll sind, auf denen die Leute reifen, die uns vor der medialen Verblödung schützen. Sind sie weg, bleibt nur noch das Saufen.

König Harald

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