Festival in PollingHarald Lesch verbindet Wissenschaft und Musik

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Klimawandel-Leugner nerven ihn: Harald Lesch setzt auf wissenschaftliche Erkenntnisse.
Klimawandel-Leugner nerven ihn: Harald Lesch setzt auf wissenschaftliche Erkenntnisse.
Claus Schunk

„Leschs Merlin Festival“ in Polling und Weilheim soll neue Sichtweisen ermöglichen und bringt Wissenschaft und Kunst zusammen.

Von Sabine Reithmaier

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Harald Lesch hält die Kombination von Musik und Wissenschaft für unschlagbar. Mit Musik komme er ans Herz, und nicht, wie sonst, nur in die Großhirnrinde der Menschen, sagte Deutschlands bekanntester Astrophysiker in einem SZ-Interview. Daher bringt er gemeinsam mit den Musikern des Merlin Ensemble Wien und Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ bereits seit einigen Jahren auf seine ganz besondere Art dem Publikum den Klimawandel näher. Gemeinsam entschied man auch im Vorjahr, ein Festival in Polling auf die Beine zu stellen. Nicht nur wegen der tollen Akustik im Pollinger Bibliotheksaal, sondern auch, um ein Programm zu bieten, das Wissenschaft, Musik und Spiritualität in einen Dialog bringt.

Die Premiere war ein Erfolg, jetzt folgt die zweite Auflage von „Leschs Merlin Festival“ (31. Juli bis 2. August). Dieses Mal sogar mit einem zusätzlichen Familienkonzert, einem weiteren Schauplatz in Weilheim und einem zusätzlichen Protagonisten, der mit den Örtlichkeiten bestens vertraut ist. Denn starre Strukturen ins Wanken zu bringen und neue Sichtweisen zu ermöglichen – das macht auch Philipp Geist gern, ein Meister federleichter, intensiver Momente.

Der Multimediakünstler, in Weilheim aufgewachsen und heute in Berlin lebend, bringt schon seit Jahren Gebäude und Plätze weltweit zum Leuchten. Seiner alten Heimatstadt blieb er eng verbunden, nicht nur wegen seiner allerersten Ausstellung vor 30 Jahren, als er seine großformatigen Bilder in einem Fichtenwald bei Polling installierte, schon damals das Licht- und Schattenspiel der Bäume nutzend. Regelmäßig organisiert er in Weilheim auch ein Lichtkunst-Festival, die vierte Auflage ist für Mitte Oktober geplant. Daher dürfte es ihm auch keine Probleme bereiten, die Weilheimer Stadthalle für „Umlaufbahnen – immersiv“, so der Titel der Veranstaltung, in ein „kosmisches Gesamtkunstwerk“ (Festivalflyer) zu verwandeln, passend zum Roman „Umlaufbahnen“ von Samantha Harvey, aus dem Lesch lesen wird.

In diesem Buch, ausgezeichnet mit dem Booker Prize 2024, beschreibt Harvey einen Tag im Leben von sechs Astronauten im All. Mit ihrer Raumstation umkreisen die zwei Frauen und vier Männer den Planeten Erde in 90 Minuten, sehen also 16-mal in 24 Stunden die Sonne aufgehen. Was das mit Körper und Geist macht, welche Erinnerungen an das Leben auf der Erde auftauchen, davon handelt der Abend. „Du darfst nur nicht anhalten. Du musst immer in Bewegung bleiben. Du hast diesen prächtigen Orbit, und während du deine Runden drehst, bist du sicher, nichts und niemand kann dir etwas anhaben. Wenn der Planet durch den Weltraum galoppiert und du ihm mit deinem von der Zeit berauschten Hirn ewig durch Licht und Finsternis hinterher galoppierst, kann nichts jemals enden. Als gäbe es gar kein Ende, nur Kreise.“ Die Klarinettistin Alexandra Gruber übernimmt den musikalischen Part mit Musik von Bach, Mozart, Beethoven und Armstrong.

Lesch liest aus dem Apostolischen Klimabrief von Papst Franziskus

Bereits im Vorjahr hat Lesch aus „Laudate Deum“ gelesen, dem Apostolischen Klimabrief von Papst Franziskus (1936–2025). In dieser Schrift, einer Art Update seiner 2015 erschienenen Enzyklika „Laudato si“, rief Franziskus zu einem konsequenteren Handeln in der Klimakrise auf: „… mit der Zeit wird mir klar, dass wir nicht genügend reagieren, während die Welt, die uns umgibt, zerbröckelt …“, schreibt er. Sein Text bleibt nicht im Allgemeinen stecken, der Papst referiert konkrete Zahlen, Messergebnisse und Bedrohungsszenarien aus den Berichten des Weltklimarats der Vereinten Nationen (IPCC). Er lässt keinen Zweifel daran, dass wir es nicht mit einem ökologischen Sonder- oder gar nur einem Randproblem zu tun haben, sondern mit einer für die Menschheit existenziellen Herausforderung.

Ein idealer Text für Astrophysiker Lesch, der noch nie verhehlt hat, wie sehr ihn Klimawandel-Leugner nerven oder wie sehr es ihn verdrießt, wenn auf wissenschaftliche Erkenntnisse überheblich und gleichgültig reagiert wird. Den musikalischen Part in der Matinee „Ist noch Zeit?“ mit Kompositionen von Bach, Bartók, Messiaen bis Pärt übernimmt Martin Walch, Violinist und Leiter des Merlin Ensemble.

Los geht das Festival im Pollinger Bibliotheksaal mit dem Konzert „Ein Sommernachtstraum“: Neben der Ouvertüre zu Felix Mendelssohn Bartholdy dazu erklingt sein berühmtes Streichoktett Es-Dur. Wenn das kein schöner Sommerabend wird.

Lesch Merlin Festival, 1. bis 3. August, Polling und Weilheim (Karten unter www.zuenftick.de).

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