Marianne'n'Hof Wo Weißbier mit Curaçao, Ananassaft und Kokossirup getrunken wird

Die bunt zusammengewürfelte Dekoration im Marianne'n'Hof hat der Wirt, der auch Handwerker ist, selbst gebaut.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Nur Bier gibt es überall", findet der Betreiber des Marianne'n'Hofs im Lehel - und testet ausgefallene Drink-Kombinationen.

Von Theresa Parstorfer

Zieht eine Frau im Marianne'n'Hof ihr T-Shirt aus, bekommt sie Drinks umsonst. Das behauptet zumindest die erste Seite der Speisekarte des ehemals traditionellen Augustiner Wirtshauses im Lehel. "Boys: No Shirt No Service; Girls: No Shirt Free Drinks" steht da in roten Buchstaben. Ist das nicht sexistisch? Für Alexander Feller, 43, den Bareigentümer, ist das in erster Linie "nur ein Spruch", der für ihn persönlich Bedeutung hat. Auf Hawaii hat er ihn zum ersten Mal auf T-Shirts gedruckt gesehen. Dort sei das witzig, "weil ja sowieso jeder in Badeklamotten rumläuft", findet er. Seine Frau Kathrin und er sind Hawaii-Fans, haben dort geheiratet und ihre Tochter dort taufen lassen.

Witzig soll der Spruch also sein. Vielleicht auch ein überraschendes Moment schaffen. Denn in gewisser Hinsicht ist Fellers Bestreben seit neun Jahren, anders, überraschend zu sein. Der Marianne'n'Hof ist weder nur Wirtshaus noch nur Bar. An einem Abend unter der Woche wirkt das Lokal wie eine gemütliche, bodenständige, aber doch irgendwie hippe Kneipe, in der große Stammtischrunden zusammenkommen und Burger und "Löffelpommes" von großen Tellern gegessen werden. Dabei handelt es sich um eine Eigenkreation: extra krumme Pommes, mit denen man den Dipp löffeln kann.

Happy Hour

So sieht es im Marianne'n'Hof aus

Einen Tisch weiter trinken zwei Musiker nach der Cello-Probe neben ihren Instrumentenkoffern ein Bier, während auf einer der gemütlichen Eckbänke zwei Freundinnen an bunten Cocktails nippen. An den Wochenenden jedoch wird um halb elf das DJ-Pult verkabelt, die Nebelmaschine ausgepackt und dann "tanzen die Leute auch schon mal auf dem Tresen", sagt Feller. Wer also vor allem im Winter keine Lust hat, frierend von Bar zu Bar und Club zu Club zu ziehen, kann im Marianne'n'Hof problemlos einen ganzen Abend und eine lange Nacht verbringen.

Sein Lokal soll ein Ort sein, an dem sich jedermann wohlfühlt

Der Raum hinter den beiden schweren Eingangstüren bietet einiges an bunt zusammengewürfelten Eindrücken. Der Betreiber ist Handwerker und hat alles im Lokal irgendwie selbst gebaut: die alten Fernsehgeräte in den Ecken, auf die in bunten Neonfarben die Angebote des Tages geschrieben stehen, die Lampen an der Decke und die Skibretter über der Bar. Die dunkle Holzvertäfelung verströmt Gemütlichkeit, stammt aber aus der Zeit, da der vorherige Wirt so unbeliebt war, dass ein Nachbar zwei Jahre nach der Übernahme nicht glauben wollte, dass da ein neuer Eigentümer versuchte, alles besser zu machen. Über diesen Holzdielen hängen heute ausgebleichte Fotografien aus den Siebzigern. Für dieses Jahrzehnt hat Feller ein Faible. Deshalb auch der Name. Da das Lokal Augustiner gehört und der ursprüngliche Name beibehalten werden musste, erinnert wenigstens das "'n'" an Rock'n'Roll.

Selbstverständlich zapfen die Kellner Augustinerbier, wie auch der monströse Schriftzug aus roten Plastikbuchstaben an der Wand des Hauptraumes verkündet. Aber "nur Bier gibt es überall", sagt Feller. Deshalb bietet er noch zusätzlich überraschend ausgefallene Bier-Kombinationen an. Bestellt man beispielsweise einen "Bayer im Himmel", kommt ein Maßkrug an den Tisch, gefüllt mit blauer Flüssigkeit, Eiswürfeln und weißer Schaumkrone. Wodka, Rum, Ananassaft, Kokossirup, Curaçao, so weit ein "Swimming-Pool" - die letzte Zutat ist allerdings: Weißbier.

Derzeit denkt Feller darüber nach, den No-Shirts-Spruch aus den Karten zu nehmen, denn auf die hin und wieder vorkommenden Anfeindungen hat er keine Lust mehr. Sein Lokal soll ein Ort sein, an dem sich jedermann wohlfühlt. Ob beim Abendessen, einem gemütlichen Biercocktail oder beim Tanzen im Nebel der Nebelmaschine.

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