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Andechser am Dom:Magentratzerl für Flaneure

Eines der letzten Refugien für Raucher: Die Arkaden des Andechser am Dom.

(Foto: Stephan Rumpf)

Flotte Kellner und lauschige Arkaden: Im Vorbau des Andechser Dom herrscht eine ganz andere Atmosphäre als im Wirtshaus selbst. Hier finden selbst Wildfremde zueinander.

Der Andechser am Dom hat in der jüngeren Vergangenheit wahrlich für Gesprächsstoff gesorgt. Sepp Krätz, unter dem sich das Wirtshaus zu einem Hotspot für Touristen wie Münchner und Umlandbewohner gleichermaßen entwickelt hat, darf es bekanntlich nicht mehr führen, seit er wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde. Geschäftsführerin ist nun seine Tochter Stefanie Krätz. Und den Gästen ist es offenbar egal, wer Wirt oder Wirtin ist. Wenn man schaut, wie viele Menschen tagtäglich darin sitzen, dann haben die negativen Schlagzeilen der Vergangenheit dem Lokal offenbar nicht geschadet.

Gerade in den Arkaden an der Filserbräugasse geht es das ganze Jahr ziemlich zu. 40 Steh- und Sitzplätze hat der kleine Vorbau - und hier herrscht ein ganz anderes Treiben als in den Räumen des Wirtshauses selbst. Schon am Nachmittag trinken hier Flaneure und Touristen an den kleinen Hochtischen ihr Bier (3,80 Euro für die Halbe Helles), einen Prosecco (Valdo, 0,1 Liter für 4,50 Euro) oder einen Aperol Sprizz (6,50 Euro für 0,2 Liter). Einige Schnäpse kommen aus dem Kloster Andechs (je 2,90 Euro). Abstinenzlern empfiehlt sich die Auswahl an Saftschorlen (vier Euro je 0,4 Liter).

Meist kommt man auch mit Wildfremden ins Gespräch

Abends drücken sich hier die Besucher (vornehmlich Ü-30) eng aneinander. Man stellt sich einfach zu jemandem dazu und kommt dabei meistens mit Wildfremden ins Gespräch, wie im Biergarten. Die Kellner sind meistens flott, man muss fast nie lange auf seine Bestellung warten. Und die Preise sind im Vergleich zu anderen touristischen Anlaufstellen im Herzen der Innenstadt nachgerade günstig. Andernorts nähern sich die Bierpreise allmählich der Fünf-Euro-Marke, was Besuchern etwa aus Italien nicht auffallen dürfte (dort ist Bier fast überall sauteuer), aber bei Einheimischen immer wieder für Unmut sorgt.

Aber der Bierpreis ist vermutlich nicht der Grund, warum es hier allabendlich eng wird. Gerade bei schlechtem Wetter sind die Arkaden des Andechser am Dom eines der letzten Refugien für Raucher, die dort zwar irgendwie im Freien stehen und sitzen, aber doch zumindest trocken bleiben und es auch im Winter halbwegs warm haben, dank der Heizstrahler an der Decke. Und wer dachte, die Tabak-Promotion-Teams, die mit ihren Werbefeuerzeugen durch die Lande ziehen, gebe es nicht mehr, trifft sie hier noch, zumindest ab und an.

Leute, die Tabakrauch nicht ausstehen können, fühlen sich vermutlich nicht so ganz wohl in den Arkaden. Erst recht würden sie vermutlich nichts essen. Wen es aber nicht stört, weil er es von früher noch kennt, der bekommt hier auch ganz normales bayerisches Essen. Wobei sich viele Besucher mit den Gratis-Minisalamis am Tisch als Magentratzerl begnügen oder mal einen abgebräunten Leberkäs mit Spiegelei und Rahmpüree bestellen (8,50 Euro), zwei Kalbsfleischpflanzl mit Wirsing und Kartoffel-Rucolasalat (9,50 Euro) oder eine Gulaschsuppe (7,50 Euro). Die Speisekarte hat noch mehr zu bieten, zum gemütlichen Essengehen empfiehlt es sich dann aber doch, entweder die Freisitze am Frauenplatz zu nutzen - oder doch ins Lokal rein zu gehen.

© SZ vom 05.06.2015/lime

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