Eine zweite Hantavirus-Kontaktperson aus Bayern wird auf der Infektiologie der München Klinik Schwabing versorgt. Wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und die München Klinik (Mük) mitteilen, wird die Frau im Laufe des Mittwochs in der Klinik eintreffen. Das Hantavirus war auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius ausgebrochen, das am 1. April in Südargentinien gestartet war. Drei Passagiere starben, darunter eine Person aus Deutschland.
Die zweite Kontaktperson wurde, wie das LGL mitteilt, bereits vor einer Woche an die Uni-Klinik Düsseldorf gebracht. Laut Klinik zeigt die Frau nach wie vor „keine klinischen Zeichen einer Infektion“. Auch würden die Ergebnisse umfangreicher virologischer Untersuchungen bisher nicht auf eine Infektion hindeuten. „Der Erreger konnte in den Laboruntersuchungen nicht nachgewiesen werden.“
Seit Montagnachmittag liegt bereits eine Kontaktperson aus Bayern auf der Infektiologie der München Klinik Schwabing in Quarantäne. Auch sie zeigt keinerlei Symptome wie Fieber, Kopf-, Bauch- und Muskelschmerzen. Wie das LGL schon am Montag mitteilte, müssen beide Kontaktpersonen zur Sicherheit in der Klinik bleiben, „weil die Inkubationszeit eine Woche bis mehrere Wochen betragen kann“.
Das LGL beruft sich mit dieser Entscheidung auch auf die Handreichung des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu Hantavirus-Fällen. So sollen Kontaktpersonen laut RKI „für sechs Wochen nach letzter möglicher Exposition in Quarantäne bleiben“. Eine häusliche Quarantäne sei „grundsätzlich möglich“. Dazu müsste allerdings die persönliche Lebenssituation der betroffenen Person passen, die Anbindung an eine „adäquate klinische Versorgung“ sowie ein tägliches Monitoring sichergestellt sein. Das RKI betont, dass ein negatives Testergebnis bei asymptomatischen Personen die Quarantäne nicht aufhebe.
Auf der Infektiologie und in einem speziellen Schleusenzimmer der München Klinik Schwabing lagen auch die ersten Patienten, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert hatten. Nach dem gleichen Prozedere wie zu Zeiten der Corona-Pandemie müssen Ärzte und Pflegefachkräfte steril, in Schutzkleidung und mit Atemschutzmaske in das Zimmer. Durch den Unterdruck darin gelangt keine kontaminierte Luft nach außen. Das RKI und die Weltgesundheitsorganisation schätzen das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in Europa durch das auf einem Kreuzfahrtschiff ausgebrochene Hantavirus als „sehr gering“ ein.
Menschen infizieren sich mit dem Hantavirus, wenn sie mit Speichel, Urin oder Kot von Nagetieren in Berührung kommen. Etwa über das Einatmen von kontaminiertem Staub oder durch Bisse. Auch könnte laut LGL eine Übertragung über Lebensmittel, die mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere kontaminiert wurden, möglich sein. In Bayern gilt vorwiegend die Rötelmaus als Überträger.
Im Jahr 2024 gab es laut LGL in Bayern 56 Fälle, 2025 waren es 90. Tatsächlich geht die Fachbehörde davon aus, dass es alle zwei bis drei Jahre sogenannte Hantavirus-Jahre geben kann. Wie 2017 mit 317 gemeldeten Fällen oder zuletzt in Bayern 2021 mit 310 Fällen. Wenn die Nagetiere also nahrungsreiche Jahre haben, vergrößert sich die Population deutlich. Damit steigt auch die Anzahl der Infektionen. Die Region um Aschaffenburg-Würzburg, Teile des Bayerischen Waldes, aber auch die Schwäbische Alb sind laut LGL bekannte Endemiegebiete.

