Mit dem ersten Schritt in die Hangman Bar überkommt einen das Gefühl von Gelassenheit. Über dem Fischgrätenparkett sitzen Gäste an hölzernen Hochtischen oder entlang der lachsfarbenen Wand auf gepolsterten Bänken. Lampen in Jugend- und Mid-Century-Stil decken den Raum in gemütliches Passivlicht.
Der modern-urban eingerichtete Tresenbereich rettet davor, dass die Stimmung in Richtung Gentleman-Lounge abrutscht. Die verzerrten Spiegel an der Bar reflektieren Säulen aus Mosaik. Vor der Rückwand aus weißen Fliesen legt ein DJ auf, im Schein eines pinkfarbenen Scheinwerfers. Wenn es am Wochenende spät wird, verwandelt sich der Parkettboden auch mal in einen Dancefloor. Jeden Mittwoch dürfen sich Newcomer-DJs am Mischpult ausprobieren, gegen Gratis-Drinks. An einem Donnerstagabend hat man die Bar aber eher für sich.
Dabei scheint die Hangman Bar ihren ganz eigenen Stil zu finden, in dieser Mischung aus Eleganz und Moderne. Die Betreiber der Bar, die Freunde Marco De Rosa und Tobias Schupfinger, wollten eine Abwechslung zu den Boazn und Kneipen in der Nachbarschaft schaffen, mit eigener Handschrift.
Das klappt, bis auf ein paar wenige Fremdkörper: Hinter der Bar reihen sich zu prominent zu viele teure Wodkaflaschen. Die Gäste unterhalten sich an diesem Abend ruhig, der DJ spielt trotzdem „Sex Bomb“ und andere Party-Hits. Das passt höchstens zu den gelben Leuchtschildern, die das Bier bewerben.
Und es wäre schade, Bier zu bestellen: Die Getränkekarte im Hangman bietet Abwechslung, hochwertige Drinks werden liebevoll von den Barkeepern gemixt. Da spürt man ihn, den Hangman-Stil. Neben makellos angerührten Sours (je 12,90 Euro) ist da etwa der Patron Paloma (11,90 Euro), eine blutorangene Tequila-Hommage, die nicht nur dem Auge Spaß macht. Der Hausdrink Hangman (11,90 Euro) ist seines Rangs würdig: rauchig-intensiver Whiskey wird auf Eis und Limette von frischem Pfirsich aufgefangen.


Hinzu kommen die sieben verschiedenen Spritz. Für je 7,90 Euro gibt es neben Klassikern wie Aperol oder Campari Spritz auch die Hangman-Version: Hier treffen sich weißer Martini, Granatapfel unter Minzblättern zum süßen Kick. Auch zwei alkoholfreie Varianten stehen auf der Karte, wie der Feini Spritz mit Orange und Lavendel. Was selbstverständlich sein sollte, aber nicht in jedem Lokal der Fall ist: Das Team ist freundlich, auf Nachfrage gibt es Leitungswasser, und auf den Toiletten liegen gratis Periodenprodukte. Auch das ist Stil.
Abgerundet wird das Konzept durch die Essenskarte. Die heißt hier „Snackeria“: Jeden Tag belegt das Küchenteam wechselnde „Scherzl“, also Weißbrotscheiben, mit Feinheiten. Zur Auswahl gehört immer eine Variante mit Fleisch, etwa Parmaschinken-Melone, und eine vegetarische Option, wie Hummus-Avocado. Aber aufgepasst: Die Scherzl gibt es nur unter der Woche und nur solange der Vorrat reicht. Wer zu spät oder am Wochenende kommt, muss bei Drinks bleiben.
Mehr Mut will man den Barbetreibern am Ende eines Abends noch zurufen: zum Hangman-Stil. Denn für den lohnt es sich wiederzukommen – für überteuerte Wodkaflaschen und „Sex Bomb“ nicht unbedingt.
Hangman, Reichenbachstraße 37, Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 18 bis 24 Uhr, Freitag und Samstag 18 bis 2 Uhr, Reservierungen nur für große Gruppen, nur Kartenzahlung

