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Handwerk:Erfolgsmodell

In den acht Gewerbehöfen finden Betriebe Räume

Von Dominik Hutter

Die wohl bekannteste Hinterhof-Werkstatt Münchens steht leider nicht mehr: 1985 wurde das kleine Häuschen an der Widenmayerstraße abgerissen, in dem - in der Fernsehserie zumindest - Meister Eder und sein Pumuckl wohnten. Schreinereien und andere Handwerksbetriebe sind seltener geworden in den Münchner Wohnquartieren, Lärm und Emissionen zählen zu den unerwünschten Nebenwirkungen innerstädtischer Gewerbebetriebe. Dennoch gibt es noch jede Menge Glasereien, Instrumentenbauer und Feinmechaniker in der Innenstadt - gestapelt in riesigen Werkstattbauten mit verstärkten Böden und geräumigen Aufzügen: Die Münchner Gewerbehöfe gelten als Erfolgsmodell.

Zugeschnitten sind die Werkstatt-Agglomerationen vor allem auf kleine und mittelgroße Handwerksbetriebe, die ansonsten in den zentralen Stadtvierteln nur noch mit Mühe Räume auftreiben würden. 1983 wurde der erste Münchner Gewerbehof am Frankfurter Ring fertiggestellt, er ist heute nur noch einer von acht und zählt mit 4200 Quadratmetern Fläche und 24 Betrieben zu den kleineren seiner Art. Die beiden mit Abstand größten Münchner Gewerbehöfe befinden sich an der Trappentreustraße im Westend (28 000 Quadratmeter, 143 Betriebe) sowie am Ostbahnhof (25 900 Quadratmeter, 62 Betriebe). Demnächst soll an der Wilhelmine-Reichard-Straße in der Lerchenau der Gewerbehof Nord entstehen, Nummer neun sozusagen. Er wird rund 10 000 Quadratmeter groß.

Der Ausbau dieses Angebots soll auch in den kommenden Jahren weitergehen, das Wirtschaftsreferat hat sich vom Stadtrat ein Gewerbehofprogramm absegnen lassen. Vorrang haben innenstadtnahe Standorte, als besonders interessant gilt das inzwischen weitgehend abgeräumte Areal des Viehhofs. Ob neben dem Volkstheater und Wohnungen auch Handwerker in die Nähe des alten Südbahnhofs ziehen dürfen, ist allerdings unklar. Die Planungen sind noch nicht so weit. Als weitere Adressen sind Pasing, die Maxvorstadt und Zamdorf im Gespräch. Aktuell sind in den Münchner Gewerbehöfen rund 450 Betriebe untergekommen.

© SZ vom 07.02.2019
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