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Handel:"Da können wir nicht mithalten"

Der Traditionsbetrieb Sport Lang in Schwabing steht vor der Schließung. Früher hätten kleine, mittelständische Läden den Sport geprägt, sagt der Filialleiter. Heute forderten die Kunden Erlebnis-Geschäfte mit Kältekammern

Manche, die heute schon erwachsen sind, haben dort ihren ersten Fußball gekauft, ihre ersten Skier. In Schwabing war, lange bevor es auch im Karstadt an der Münchner Freiheit Sportartikel zu kaufen gab, "der Sport Lang" und späterer Intersport Lang das Aushängeschild für eine gute, individuelle Beratung. Man nahm sich viel Zeit für seine Kunden und wer kein Bairisch verstand - nun, dann wurde eben auch mal Hochdeutsch gesprochen. Bald 61 Jahre lang. Nun macht der Traditionsbetrieb der Familie Lang zu.

"Ja", sagt Filialleiter Manfred Hofmann, der seit 2001 jeden Tag von Rosenheim nach Schwabing fährt, "das tut schon weh". So viele nette Stammkunden habe es gegeben und irgendwie habe man gefühlt "halb Schwabing gekannt". Er sagt es, grüßt einen Kunden, der durch die Tür kommt und "schnell noch einmal nach Winteranoraks" schauen möchte.

Seit Wochen prangen über Eingangstür und Schaufenstern Plakate mit der Aufschrift "Total-Räumungsverkauf". Alles, was die Lager noch zu bieten haben und sogar das, was vor einem Jahr schon für den Winter bestellt worden ist, hängt nun an langen Kleiderstangen. Und die Kunden fragen immer wieder: "Warum hört ihr auf?"

Auch Filialleiter Manfred Hofmann hört auf.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der 59-jährige Filialleiter erklärt es. Immer und immer wieder. Die Zeiten hätten sich einfach geändert. Die kleinen, mittelständischen Geschäfte seien früher das Prägende im Sport gewesen. Doch die Ansprüche der Kunden hätten sich stark geändert. "Die meisten Käufer", sagt Hofmann, "bestellen online". Zumindest das, was nicht anprobiert werden müsse. Und: Erwartet werde mittlerweile von den Kunden, wie Hofmann sie nennt, Erlebnis-Geschäfte auf mindestens 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche mit Kletterwänden oder Kältekammern.

Einmal, erinnert sich Hofmann, kam ein Kunde ins Geschäft. Mitte 20. Lange habe er beraten, Schuhe angepasst. "Dann zückte der Mann sein Smartphone und wollte genau diesen Preis. Da können wir nicht mithalten." In Süddeutschland machten aus diesem Grund, so Hofmann, an die 300 kleinere Sportgeschäfte zu.

Das erste Geschäft der Familie Lang gab es an der Siegfriedstraße - mit Zubehör für den Kajak- und Bootssport. Später vergrößerte man sich, das Geschäft an der Ecke Herzog-/Leopoldstraße wurde bezogen. Wer es kennt, weiß wie verwinkelt das Geschäft ist. "Wir haben keinen Aufzug und der Laden ist nicht behindertengerecht", sagt Hofmann. Alles Gründe, die es schwer machen, konkurrenzfähig zu bleiben. Dazu kommt, dass es in der Ecke sehr schwierig ist, Parkplätze zu finden. Die Folge: Die Umsätze gingen stark zurück. Alle sieben Mitarbeiter würden, so der Filialleiter, auf andere Inter-Sport-Geschäfte verteilt.

Nach 60 Jahren in Schwabing verkauft Intersport Lang aus.

(Foto: Stephan Rumpf)

Offiziell bis zum 30. Oktober läuft der Räumungsverkauf. Doch noch gibt es keinen Nachmieter und wann endgültig "Schluss sei", sagt Hofmann, "ist noch offen". Doch eines ist gewiss. Hofmann bleibt bis zum letzten Tag. "Das habe ich meinem Chef versprochen."

Dann geht der 59-Jährige in den Ruhestand und zurück nach Rosenheim. Dort will er sich dann wieder mehr seinem Hobby, dem Bergsteigen, widmen. Aber eines werde er bestimmt vermissen: Seine zweite Heimat Schwabing. "Und die Leut hier!", sagt er.

© SZ vom 12.10.2017

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