Handball:Gestörte Statik

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Pechvogel: Erst verletzte sich Severin Henrich (re., im Spiel gegen Helmlingen) im Auswärtsspiel bei den Rhein-Neckar Löwen, dann stellte sich heraus, dass er auch im Rückspiel passen muss. (Foto: Claus Schunk)

Die A-Junioren-Handballer des TSV Allach halten gegen den Nachwuchs der Rhein-Neckar Löwen eine Halbzeit lang mit, dann gehen die Kräfte und das Spiel deutlich 25:36 verloren. Das Halbfinale ist nur noch theoretisch zu erreichen.

Von Johannes Müller, Östringen

Natürlich ließen die Spieler die Köpfe hängen, als sie sich nach dem Schlusspfiff auf der Platte zusammenfanden. Gerade hatten Allachs Handball-A-Junioren das Viertelfinal-Hinspiel um die deutsche Meisterschaft beim Nachwuchs der Rhein-Neckar Löwen verloren - sehr deutlich verloren. Doch der 25:36 (14:13)- Endstand erzählte, wie so häufig, nur die halbe Geschichte. Und so sah man den Allachern nach der ersten Enttäuschung mehr noch ihre Erschöpfung an, hatten sie sich doch zuvor völlig verausgabt, um dem Favoriten einen großen Kampf zu bieten. "Ich bin sehr stolz auf meine Jungs", betonte Allachs Trainer Andreas Krauß, "wir sind lediglich über das Ergebnis etwas enttäuscht, nicht aber über die Leistung."

Denn eine Halbzeit lang hatten die Allacher mit den Junglöwen auf Augenhöhe gespielt. Erneut verteidigten sie mit einer extrem offensiven 3:3-Deckung, um das Offensivspiel der Gastgeber früh zu stören und vom eigenen Kreis fernzuhalten. Dadurch forcierten sie technische Ungenauigkeiten, Fehlpässe und schlecht vorbereitete Abschlüsse auf Seiten des Löwen-Ausbildungsteams. Doch auch im eigenen Angriffsspiel überzeugten die Allacher mit viel Bewegung bei höchstem Tempo und fanden immer wieder Lücken in der körperlich sehr robusten Deckung der Löwen. Insbesondere die Anspiele an Kreisläufer Florian Scheerer waren ein probates Mittel, der insgesamt sechs Treffer erzielte und damit Allachs bester Werfer war. So ging es mit einem Rückstand von nur einem Tor in die Kabine.

Allach gehen die Kräfte aus. Dann verletzt sich auch noch Severin Henrich

Dass die Löwen in der zweiten Halbzeit davonzogen, erklärte sich vor allem dadurch, dass beim TSV rapide die Kräfte schwanden. Besonders die laufintensive Defensivarbeit, die Allach im Spiel gehalten hatte, forderte schnell ihren Tribut. Krauß räumte ein: "Wir konnten dieses Tempo und diesen Aufwand nicht aufrechterhalten, um den Löwen noch länger Paroli zu bieten." Dass dies nicht gelang, hat natürlich auch damit zu tun, dass Allachs Kader bei weitem nicht so breit besetzt ist wie der der Junglöwen, die auf die Infrastruktur eines beispielhaften Nachwuchsleistungszentrums bauen können. Krauß konnte seinen ausgelaugten Schlüsselspielern keine Pausen gönnen, ohne einen merklichen Qualitätsverlust auf dem Parkett in Kauf zu nehmen.

Besonders bitter war daher aus Allacher Sicht, dass sich die Personallage nach zehn Minuten nochmals verschärfte. Rückraumakteur Severin Henrich, eine der tragenden Säulen in der Statik des Allacher Defensiv- wie Offensivspiels, musste verletzt raus, er war umgeknickt. Der ersten Diagnose nach seien die Bänder im linken Sprunggelenk mindestens sehr stark überdehnt, so Krauß. "Es tut mir sehr leid um ihn. Er konnte nicht auftreten und wird auch am Sonntag nicht dabei sein können."

In diesem anstehenden Rückspiel geht es für die Allacher nur noch theoretisch darum, das Halbfinale zu erreichen, da macht sich auch der Trainer keine Illusionen: "Es ist jedem klar, dass wir dieses Spiel nicht mehr drehen können, der Abstand war zu deutlich", erklärte Krauß. Auch einen Heimsieg wollte er nicht ankündigen, das wäre "eine Dummheit", wie er wörtlich befand. Von besonderem Wert ist der Saisonabschluss dennoch. Schließlich wechseln einige der Spieler in den Seniorenbereich, beispielsweise Torwart Louis Oberosler oder Stephan Seitz, die beide in der kommenden Saison auch nicht mehr in Allach, sondern fest für den Zweiligisten TuS Fürstenfeldbruck aktiv sein werden. "Die wollen und sollen sich natürlich mit einer ordentlichen Leistung verabschieden", sagte Krauß. Es wäre der würdige Abschluss, einer außergewöhnlichen und äußerst erfolgreichen Saison.

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