Haidhausen:Zwischen Handwerkern und Lumpensammlern

Mann mit reichem Wissensschatz: Hermann Wilhelm gilt als ein intimer Kenner Haidhausens.

Mann mit reichem Wissensschatz: Hermann Wilhelm gilt als ein intimer Kenner Haidhausens.

(Foto: Robert Haas)

Heimatforscher Hermann Wilhelm befasst sich bei einer Lesung mit Geschichte und Geschichten aus der Kuglerstraße

Interview von Patrik Stäbler, Haidhausen

Die unscheinbare Kuglerstraße - aktuell eine der zehn Sommerstraßen in München - dürfte selbst vielen Menschen aus Haidhausen unbekannt sein. Dabei schlummern dort viel Geschichte und noch mehr Geschichten, weiß Heimatforscher Hermann Wilhelm. In seiner Lesung über die Kuglerstraße am Dienstag wird es unter anderem um die historische Salzstraße, den Brauereigründer Joseph Schülein und die Kleinkunstbühne "Song Parnass" gehen.

Herr Wilhelm, die Kuglerstraße ist kaum 175 Meter lang. Und trotzdem birgt sie genug Stoff für eine Lesung?

Hermann Wilhelm: Ich war selbst erstaunt, wie viel es rund um den Kuglerberg zu erzählen gibt. Und vor allem: Wie diese Geschichten im Zusammenhang stehen mit der Geschichte und Entwicklung Haidhausens.

Sie werden in Ihrer Lesung auf eine Zeitreise gehen?

Wir fangen im späten Mittelalter an, als nahe dem Kuglerberg die bekannte Salzstraße verlief - früher die Äußere Wiener Straße, heute die Einsteinstraße. Das war ein wichtiger Handelsweg, was dazu führte, dass sich entlang dieser Route Gaststätten, Zulieferer und Reparaturbetriebe ansiedelten.

So auch am Kuglerberg, wo später eine Siedlung mit Herbergshäuschen entstand ...

Dort lebten einfache Leute, von Handwerkern und Tagelöhnern bis zu Lumpensammlern. Eine besondere Rolle spielten dabei die Frauen, die oft wesentlich zum Lebenseinkommen der Familien beitrugen - auch darauf werde ich in der Lesung eingehen. Und dann komme ich noch zu Joseph Schülein.

Dem Gründer der Unionsbrauerei?

Er war vor dem Krieg eine sehr bekannte und beliebte Figur im Viertel. Und er hatte eine besondere Beziehung zu den Kindern vom Kuglerberg, die er als Wohltäter unterstützt und denen er alljährlich beispielsweise zur Firmung eine Uhr geschenkt hat.

Um die Gaststätte der Unionsbrauerei wird es in Ihrer Lesung auch noch gehen?

Ja, denn dort befand sich in den 1970er-Jahren die legendäre Kleinkunstbühne "Song Parnass". Da standen viele Künstler auf der Bühne, die später Karriere gemacht haben - von Peter Maffay über Reinhard Mey, Otto Waalkes, Konstantin Wecker bis zu Karl Dall. Sie alle sind im "Song Parnass" aufgetreten - für zehn Mark Gage oder ein paar Halbe Bier.

Am kommenden Dienstag liest Hermann Wilhelm an der Ecke von Kuglerstraße und Schneckenburgerstraße zur Geschichte rund um das ehemalige Herbergsviertel am Kuglerberg. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr, sie wird begleitet von Musik und dauert circa eine Stunde. Der Eintritt ist kostenlos; Sitzgelegenheiten dürfen mitgebracht werden.

© SZ vom 11.09.2021
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