Haidhausen:Münchens erste Werkzeug-Bibliothek

Werkzeugbibliothek des Erfindergartens

Liebe zur Technik und zum Tüfteln: Andreas Kopp betreibt auch den "Erfindergarten" für Jugendliche, den er gerne zum "Maker-Jugendzentrum" ausbauen würde.

(Foto: Florian Peljak)

Gegen eine Gebühr von einigen Euro kann man sich in Andreas Kopps Werkzeug-Container am Gasteig nicht nur Hochdruckreiniger, Schleifmaschinen oder Schraubstöcke leihen, sondern auch Tipps vom Fachmann und "Do-it- yourself"-Bücher.

Von Patrik Stäbler

Elvira Zich hat soeben die Bibliothek betreten - in der Hand ihren Ausweis, im Kopf das kommende Wochenende. Da will sie sich die heimische Terrasse vornehmen, und genau deshalb ist sie heute hierher gekommen, in die vermutlich kleinste Bibliothek der Stadt. Dort - in einem Bürocontainer vor dem Gasteig - deckt sich Zich nicht etwa mit Lesestoff ein, um am Wochenende im Garten zu schmökern. Vielmehr will die Münchnerin einen Hochdruckreiniger ausleihen, um damit die Bodenfliesen ihrer Terrasse auf Hochglanz zu bringen. "Die sind jetzt gute zehn Jahre alt", sagt Elvira Zich. "Da wird es Zeit, dass ich die mal sauber mache."

Die dafür nötige Ausrüstung besitzt sie freilich nicht. Und genau hier kommt der Bürocontainer ins Spiel. Denn darin befindet sich die erste Werkzeug-Bibliothek der Stadt: Noch bis Ende September können dort gegen eine geringe Gebühr von ein bis drei Euro pro Tag mehr als 50 Geräte ausgeliehen werden - von der Stichsäge bis zur Schleifmaschine, aber auch Biertische, ein Fahrradanhänger, eine Leiter und sogar ein 3-D-Drucker. Die Werkzeug-Bibliothek ist ein Kooperationsprojekt der Stadtbibliothek mit dem "Erfindergarten"; finanziert wird das Angebot vom Kulturreferat und dem Bezirksausschuss Au-Haidhausen. Die Idee zum Projekt stammt von Andreas Kopp, dem Gründer des Erfindergartens, er selbst hat ihn auf gut Denglisch "Erfindergarden" getauft. Er hat Elvira Zich soeben erläutert, wie sie ihren Terrassenfliesen mithilfe des Hochdruckreinigers zu Leibe rücken soll - und ihr das Gerät danach in die Hand gedrückt.

Werkzeugbibliothek des Erfindergartens

Werkzeuge zum Verleihen aus Kopps Bibliothek.

(Foto: Florian Peljak)

"Ich kenne solche Bibliotheken der Dinge aus vielen anderen Städten", sagt der 38-Jährige, auf der Nase eine leuchtend orange Brille, darunter ein feiner Schnauzer. "Und da ich selbst so viele Geräte besitze, bin ich auf die Idee gekommen, die Sachen zu verleihen." Seine Werkzeug-Bibliothek, die dienstags und donnerstags geöffnet ist, sehe er derzeit noch als Testlauf an, sagt Kopp. "Ich bin gerade dabei herauszufinden, was die Leute überhaupt brauchen." Für heute etwa habe eine Frau eine Nähmaschine angefragt, während ein Mann ihn wegen einer Rohrreinigungsspirale kontaktiert habe. Beides hat Kopp an diesem Tag mit dem Lastenfahrrad herangekarrt; nun liegen die Geräte zum Ausleihen bereit in den Regalen des Containers.

Schon abgeholt worden ist unterdessen ein Bohrhammer, und zwar von Michaela Gemkow. Sie und ihr Ehemann renovieren gerade ihr Haus. Und auch wenn sie allerlei Werkzeug daheim haben, sagt Gemkow: "Einige Geräte haben wir nicht und wollen sie auch nicht kaufen, weil sich das für uns nicht lohnt." Für derlei Fälle sei die Werkzeug-Bibliothek "einfach super", findet Michaela Gemkow. Zumal dadurch Ressourcen geschont würden. Und: "Ich kriege die Geräte hier in einer Qualität, die ich mir sonst nicht leisten würde. Und dazu bekomme ich auch noch eine Beratung." Für diese ist Andreas Kopp zuständig, dem man sogar bei seinem Kurzreferat über den Bohrhammer die Begeisterung fürs Schrauben, Basteln und Heimwerken deutlich anmerkt.

Werkzeugbibliothek des Erfindergartens

Mit der Werkzeug-Bibliothek hat der Haidhauser ebenso große Pläne.

(Foto: Florian Peljak)

"Ich bin jemand, der sich für alles interessiert - Holz, Metall, Elektronik, Programmieren, egal was", sagt der Haidhauser, der sich selbst einen "Nerd" nennt. Seine Liebe zur Technik und zum Tüfteln veranlasste ihn 2016 dazu, den Erfindergarten zu gründen, eine offene Werkstatt in der Oefelestraße, als Anlaufpunkt für Hobbyheimwerker. Drei Jahre später zog Kopp mitsamt seinen Geräten in eine ausrangierte Tram auf dem Viehhof-Gelände um. Dort bietet er seither Kurse vor allem für Kinder und Jugendliche an, denen er einen Raum zum Basteln, Schrauben und kreativen Ausprobieren bieten will.

"Ich sehe mich eher als eine Art Community-Manager"

Mindestens ebenso wichtig seien ihm aber auch der Austausch untereinander sowie die Gemeinschaft, betont Kopp. "Ich sehe mich nicht als Maschinen-Verleiher sondern eher als eine Art Community-Manager." Sein langfristiges Ziel sei es dabei, den Erfindergarten zu einem "Maker-Jugendzentrum" auszubauen - "als dritten Lernort neben Schule und Zuhause".

Doch nicht nur junge Menschen will Andreas Kopp vernetzen und für Technik begeistern. Dasselbe Ziel verfolgt er bei Erwachsenen, etwa mithilfe der Werkzeug-Bibliothek vor dem Gasteig. Nebst den Gerätschaften stehen dort auch die passenden "Do-it- yourself"-Bücher aus dem Fundus der Stadtbibliothek zum Ausleihen bereit. Darüber hinaus finden samstags spezielle Workshops im und vor dem Container statt: zu den Themen Nähen (18. September) und Fahrradreparatur (25. September). Geht es nach Andreas Kopp, dann wird das Konzept der Werkzeug-Bibliothek auch nach der Pilotphase seine Fortsetzung finden. "Mein Ziel ist es, dass wir vor dem Gasteig noch etwas länger bleiben können", sagt er. "Und dass wir die Werkzeug-Bibliothek mittelfristig auch in andere Stadtteile bringen."

© SZ vom 14.09.2021/mba
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