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Haidhausen:Straßen für Radler, Radwege für Fußgänger

Haidhausens Grüne wollen an Stein- und Balanstraße mit einem neuen Antrag den öffentlichen Raum umverteilen

Von Patrik Stäbler, Haidhausen

Verkehrte Fahrrad-Welt in Haidhausen: Ausgerechnet die Grünen machen sich dort stark für die Abschaffung zweier Radwege. Auf ihre Initiative hin hat der Bezirksausschuss (BA) Au-Haidhausen einen Dringlichkeitsantrag formuliert, wonach an der Stein- und der Balanstraße sogenannte Pop-Up-Gehwege entstehen sollen. Bedeutet: Die bestehenden Radwege würden aufgelöst und - zumindest vorübergehend - in Gehwege umgewandelt.

Dabei wollen die Grünen nicht etwa dem Verkehrsmittel Fahrrad den Kampf ansagen - im Gegenteil. Sie monieren seit Langem, dass die schmalen "Handtuch-Radwege", so nennt sie der BA-Vorsitzende Jörg Spengler (Grüne), für Radlerinnen und Fußgänger an Balan- und Steinstraße gefährlich seien. Mittels mehrerer Anträge habe man versucht, eine Lösung zu finden, sagte Spengler. "Aber es ist nichts passiert, und ich verliere langsam die Geduld." Daher wolle seine Fraktion einen neuen Anlauf nehmen und die Radwege in Gehsteige umwandeln - mit der Begründung, dass der Fußverkehr in Corona-Zeiten mehr Platz brauche, um Abstand zu halten.

"Das ist wenig Aufwand und kostet nichts, noch nicht mal Parkplätze", warb der BA-Vorsitzende. Wobei er einräumte: "Mir ist schon klar, dass dem einen oder anderen das Pop-Up-Gewese langsam aber sicher auf den Zeiger geht." Tatsächlich stimmten mehrere BA-Mitglieder aus CSU und FDP sowie in Ulrike Goldstein auch eine Grüne gegen den Vorstoß. So wollte Barbara Schaumberger (CSU) zunächst eine Antwort aus dem Rathaus auf den jüngsten BA-Antrag abwarten, in dem das Gremium eine Sperrung der Radwege an der Balan- und Steinstraße gefordert hatte. "Müssen wir jetzt wirklich noch mal einen Antrag nachschießen, der 1000 Euro kostet und die Verwaltung beschäftigt?", fragte sie. Derweil betonte Goldstein: "Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass Fuß- und Radwege zur Bekämpfung der Pandemie nicht geeignet sind." Statt "einem Stapel Anträge" plädierte sie für ein "gescheites Verkehrskonzept".

Die übrigen Mitglieder ihrer Fraktion unterstützten jedoch den Antrag, sodass er letztlich angenommen wurde. Nach den Vorstellungen der Grünen sollen an der Stein- und Balanstraße nicht nur die Rad- in Gehwege umgewandelt werden, sondern auch beide Straßen zu Fahrradstraßen werden. Sollte dies kurzfristig nicht möglich sein, heißt es in dem Antrag, könne der Radverkehr auch die Straße benutzen, da dort ohnehin nur Tempo 30 erlaubt sei.

© SZ vom 12.01.2021
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