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Haidhausen:Selber machen liegt im Trend

Es läuft rund: Etwa 1200 Kursteilnehmer im Jahr schaffen im Haus der Eigenarbeit in Haidhausen Neues oder peppen Altes auf.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Haus der Eigenarbeit hätte gerne größere Räume und schielt ins Werksviertel

"Gemeinsam selber machen", so lautet der Titel des Sommerprogramms im Haus der Eigenarbeit (Hei), das Kurse, Ausstellungen und Veranstaltungen ankündigt. Es könnte auch das Motto der Einrichtung an der Wörthstraße 42 selbst sein. Geht es Hei-Leiter Rainer Wirth doch vor allem darum, seine Nutzerinnen und Nutzer im Sinne der Nachhaltigkeit beim Selbstreparieren statt beim Neukauf zu unterstützen. Am Tag der offenen Tür am Samstag, 16. März, zwischen 12 und 18 Uhr wird das neue Programm für April bis September vorgestellt. Wirths Ideen, wie es künftig mit dem Hei weitergehen könnte, gehen dabei weit über den September hinaus. Auf der Suche nach künftigen Räumen schielt er auch in Richtung Werksviertel.

Erst vergangene Woche gab das Kulturreferat bekannt, das Hei von diesem Jahr an deutlich höher zu bezuschussen. Dadurch sei dieses Jahr ein "solider Haushalt" möglich, sagt Wirth. Noch 2018 musste das Hei ein Defizit von etwa 40 000 Euro ausgleichen, was die "Anstiftung" - eine Stiftung für die Erforschung nachhaltiger Lebensstile - übernahm.

Doch so gesichert die mittelfristige Zukunft des Hei auch scheint, so offen ist die langfristigere Planung. Der Mietvertrag für die Haidhauser Räume läuft 2022 aus. Zwar sei dem Hei vom Vermieter signalisiert worden, dass eine Verlängerung des Vertrags möglich sei. Doch was passieren wird, "steht in den Sternen", sagt Wirth. Auch weil er festgestellt hat, dass er für einen optimalen Hei-Betrieb schlicht nicht genügend Platz hat. Auf 560 Quadratmetern sind in den Haidhauser Räumen die Werkstätten, Büros, das Café und Foyer untergebracht. Eigentlich bräuchte er aber etwa 1000 Quadratmeter. Um zum Beispiel auch Skulpturen ausstellen zu können und ein richtiges Materiallager einzurichten.

Nur: Größere Räume in der Innenstadt oder direkt in Haidhausen zu finden, ist schwer - nicht nur der Miete wegen. Ein Umzug in das günstigere Münchner Umland widerspreche allerdings dem urbanen Konzept. Und würde die Hauptkunden des Hei missachten. Denn die kommen zum überwiegenden Großteil aus dem Stadtgebiet, viele aus Haidhausen selbst. Und es kommen immer mehr. Zwischen 2006 und 2017 stieg beispielsweise die Zahl der Kursbesucher um mehr als 230 Prozent auf etwa 1200 Teilnehmer.

Für Wirth bedeutet dieser Anstieg vor allem: Nachhaltigkeit und Selbstreparieren sind immer mehr in der Gesellschaft angekommen. Und aus den Themen ließe sich ein noch viel größeres Angebot für die Münchner entwickeln, findet Wirth. Zum Beispiel eine "library of things". Ein Konzept, das aus dem englischen Kulturraum kommt. Wie in einer Bücherei könnte das Hei zum Verleiher werden - nur eben für Alltagsgegenstände aller Art: Werkzeuge, Sportausrüstung, Haushaltsgeräte oder Lastenräder. Wichtig ist Wirth bei seinen Plänen: "Wir wollen nicht wachsen, nur um zu wachsen." Vielmehr greife er mit seien Ideen den Bedarf der Münchner auf.

Eine Ideallösung sieht Wirth darin, möglicherweise ins Werksviertel zu ziehen. Es habe deswegen erste Gespräche gegeben, sagt Wirth. Martin Schütz, Vorstand der Otto-Eckart-Stiftung, bestätigt zwar ein Gespräch und seine persönliche Sympathie für das Hei. Aber er betont, dass es vor allem darum ging, das Hei durch das Soziale Netzwerk München, bei dem die Otto-Eckart-Stiftung Mitglied ist, mit Kontakten und Beratung zu unterstützen.

Doch das sind ohnehin Gedankenspiele. Beim Sommerprogramm setzt das Hei auf Bewährtes. So sind wieder zwei Termine für das Repair-Café angesetzt, bei dem jeder seinen Alltagsgegenstand zur Reparatur mitbringen kann. Unter anderem bieten Holz- und Metallwerkstatt wieder die beliebten Einführungskurse an. Außerdem sind im Hei vier Ausstellungen zu sehen - noch "nur" aus dem Bereich der Bildenden Kunst.