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Haidhausen:Schöner flanieren

Beliebt, aber nicht unbedingt attraktiv: die Weißenburger Straße.

(Foto: Gino Dambrowski)

Ob die Ausweisung zur Fußgängerzone oder kleinräumigere Maßnahmen: Die Stadtteilpolitiker beharren auf Verkehrsberuhigung der Weißenburger Straße - und setzen auf Ideen der Bürger

Von Patrik Stäbler, Haidhausen

Die Weißenburger Straße, die den pittoresken Weißenburger Platz mit dem ungleich weniger pittoresken Orleansplatz verbindet, gehört zu den beliebtesten Einkaufsmeilen in Haidhausen. Ungestört flanieren können Spaziergänger dort aber nur bedingt, da auf der von Parkplätzen gesäumten Fahrbahn durchaus reger Autoverkehr herrscht. Aus diesem Grund will eine Mehrheit im Bezirksausschuss (BA) Au-Haidhausen die Weißenburger Straße fußgängerfreundlich umgestalten. Auf einen entsprechenden Antrag hin hat das Referat für Stadtplanung und Bauordnung nun drei Varianten dargelegt, wie dies erreicht werden könnte. Auf dieser Basis sollen nun die Fraktionen im BA beratschlagen, ehe das Gremium voraussichtlich noch im Februar über das weitere Vorgehen entscheidet.

Die erste Variante ist eine Ausweisung der gesamten Weißenburger Straße als Fußgängerzone. Dies hätte laut Planungsreferat jedoch "starke Verlagerungseffekte" des Verkehrs auf die umliegenden Straßen zur Folge, "was zu einer unverhältnismäßigen Belastung der Anwohner und Anwohnerinnen führen würde". Überdies würden der Radverkehr "stark eingeschränkt" und 80 Parkplätze wegfallen, weshalb die Behörde diese Variante als "derzeit nicht umsetzbar" ablehnt. Die zweite Möglichkeit ist das Einrichten einer Fußgängerzone zwischen Weißenburger Platz und Pariser Platz, die beide für den Verkehr offen bleiben würden. Auch hier käme es dem Planungsreferat zufolge zu einer Verkehrsverlagerung, wenngleich in geringerem Ausmaß. Etwa 50 Parkplätze würden bei dieser Variante wegfallen. "Weiterhin", so die Behörde, "müsste ein Konzept für den Liefer- und Ladeverkehr - gewerblich wie privat - erarbeitet werden."

Die dritte Variante sind schließlich "kleinräumliche Teilmaßnahmen" wie eine Temporeduzierung, das Ausweisen eines verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs, zusätzliche Fußgängerübergänge und das Einrichten einer Lieferzone. "Aus Sicht der Verkehrsplanung", heißt es aus dem Planungsreferat, wäre diese Lösung "als am verträglichsten einzustufen und daher zu empfehlen". In seinem Antrag, der auf Initiative der SPD zurückging, hatte der BA zudem eine Fahrradstraße sowie die Verbreiterung der Gehwege ins Spiel gebracht. Beides lehnt das Planungsreferat jedoch ab. Die Begründung: Eine Fahrradstraße würde Fußgängern nicht mehr Platz verschaffen; und ein Ausbau der Gehwege wäre wegen des "hohen finanziellen Aufwands" nicht verhältnismäßig.

Nun ist also der BA am Zug. Liege dessen Einschätzung vor, könne man "tief greifendere Untersuchungen zur gewählten Variante veranlassen", teilt das Referat mit. Wobei der Bezirksausschuss bereits klar gemacht hat, dass er bei einer möglichen Umgestaltung der Weißenburger Straße die Bürger beteiligen möchte. "Wir würden das nicht über die Köpfe der Menschen, die dort leben, hinweg entscheiden wollen", bekräftigte Nina Reitz (SPD).

© SZ vom 11.02.2021
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