Haidhausen Platt machen oder umhauen

Wird im dicht bebauten Haidhausen nach Ansicht der Stadtteilvertreter dringend gebraucht: der Skatepark im Hypopark.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Erzdiözese präsentiert zwei Alternativen für die Baustellenzufahrt zum Kirchlichen Zentrum. Weichen soll der Skatepark oder eine Baumgruppe. Lokalpolitiker dringen darauf, eine dritte Variante zu prüfen

Von Johannes Korsche, Haidhausen

Monatelang hatten sie darauf gewartet, dann fiel das Fazit unter den Haidhauser Lokalpolitikern recht ernüchternd aus: "Enttäuschend" sei der Auftritt gewesen, "überhaupt nicht geeignet" der Vortrag und überhaupt: Es herrsche "kein konstruktives Miteinander". So lauteten nur einige der verbalen Spitzen, ausgeteilt bei der Juni-Sitzung des Bezirksausschusses (BA). Anstoß der ungewöhnlich deutlichen Meinungsbekundungen war ein Vortrag von Vertretern der Erzdiözese München und Freising zum neuen Schulcampus, der auf dem Gelände des Kirchlichen Zentrums errichtet werden soll. Für den Bau einer neuen Grundschule muss nun die Baustellenzufahrt anders verlaufen - wobei das Bistum die Stadtteilpolitiker vor eine unangenehme Wahl stellt: Baumschutz oder Skatepark. Doch die BA-Mitglieder schlagen noch eine weitere Alternative vor.

Weil die Grundschule in zwei Jahren dort stehen soll, wo momentan noch ein Teil der Baustellenzufahrt verläuft, muss ein neuer Weg her. Und da liegen die Vorstellungen des Bauherren, also der Erzdiözese, und der Bürgervertreter meilenweit auseinander. Für die Kirche ist die Sache klar: Die neue Zufahrt sollte dort verlaufen, wo derzeit Jugendliche über so genannte Kicker oder Rails im Hypopark fahren oder springen, im Skatepark also. Auf diese Weise würde keine zusätzliche Fläche versiegelt, der Eingriff in den Baumbestand sei minimal - drei Bäume sind dafür bereits gefällt - und die Lastwagen könnten am besten über die Elsässer und Orleansstraße ein- und abfahren.

Die Alternativen seien "fürs Quartier nicht zuträglich", argumentierte einer der Bistumsvertreter in der Sitzung. Die Preysingstraße sei mit ihrem nahezu dörflichen Charakter kaum für den Lkw-Verkehr geeignet, zudem müsste dann eine Lösung für das zu niedrige, denkmalgeschützte Tor an der Preysingstraße, durch das man in das Kirchliche Zentrum einfährt, gefunden werden. Auch die Route über die Leonhardstraße sei zu eng. Ähnliches gelte für die Metzstraße.

Da stimmen auch die Lokalpolitiker zu: All diese Transportwege durchs Viertel lehnen sie ab. Allerdings stemmen sie sich ebenso dagegen, dass der Skatepark, eine der wenigen öffentlichen Flächen für Jugendliche in Haidhausen, einer Baustellenzufahrt geopfert werden soll. Auch nicht vorübergehend: Die Baustraße werde bis mindestens 2024 gebraucht, stellt die Erzdiözese in Aussicht. Während dieser Zeit könnte man die Skateanlage auf dem benachbarten, öffentlichen Bolzplatz unterbringen. Aber: "Wir brauchen beide Flächen", sagte Ulrike Goldstein (Grüne), also die Skateanlage und den Bolzplatz im Hypopark. Mit diesem Vorschlag signalisiere die Kirche "klipp und klar: Es gibt keine Ausgleichsfläche", sagte Nikolaus Haeusgen (CSU). Die hatten sich die Stadtteilpolitiker aber gewünscht - und zwar auf dem Grundstück des Kirchlichen Zentrums. Sollte es ein Entgegenkommen geben, seien sie, so der Tenor unter den BA-Mitgliedern, bereit, den vorübergehenden Wegfall der Skateanlage zu akzeptieren.

Allerdings kann eine solche Ausgleichsfläche laut Bistumssprecher Christoph Kappes nicht realisiert werden. Unter anderem sprächen der Schutz der Schulkinder und die Biotopflächen gegen einen öffentlichen Bereich.

Bliebe noch die Möglichkeit, die Baustraße auf dem Gelände des Kirchlichen Zentrums unterzubringen, es ist die unter den Stadtteilpolitikern bevorzugte Variante. Doch dabei müssten mindestens sechs Bäume an der Grundstücksgrenze zum Hypopark gefällt werden. Weil die Bäume an dieser Stelle so dicht gewachsen sind, könnte das auch negative Auswirkungen auf die Bäume in zweiter Reihe haben, erklärt Ulrich Uehlein von der Unteren Naturschutzbehörde. Das "widerspräche der Selbstverpflichtung der Erzdiözese zur Bewahrung der Schöpfung", sagt Kappes.

Würde man allerdings, so argumentierte Heinz-Peter Meyer (SPD), die Zufahrt direkt an die Baugrube für die Grundschule legen, wären diese Baumfällungen gar nicht nötig. In der untersuchten Variante sind etwa zwei Meter Abstand zwischen Baugrube und Lkw-Straße gelassen. Das "kann aus unserer Sicht aus technischen Gründen nicht erfolgen", widerspricht Kappes. Politiker Meyer sieht das anders. Er selbst habe schon Baustellen betreut, bei denen man genau so vorgegangen sei. Das ist ein "Experiment mit einem möglichen guten Ausgang", bemerkte Uehlein dazu.

Die Mitglieder des Bezirksausschusses forderten daher die Erzdiözese zum wiederholten Mal auf, ihre Zufahrtsvariante sowie eine Ausgleichsfläche auf Kirchengrund eingehend zu untersuchen und das Ergebnis auf einer der kommenden Sitzungen vorzustellen. Man sei "weiterhin zu einer aktiven Kommunikation und einem konstruktiven Austausch mit dem Bezirksausschuss bereit", sagt Bistumssprecher Kappes. Zunächst werde man schriftlich Stellung nehmen. Ob das die Stadtteilvertreter zufrieden stellt, ist unwahrscheinlich. Denn ohne die geforderte Untersuchung wollen sie keine Entscheidung treffen. "Wir befinden uns im Glaubensbereich", wie Johannes Reetz (Grüne) sichtlich sauer monierte.