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Haidhausen:"Existenzbedrohende Situation"

Der Corona-Abstand hat sinkende Besucherzahlen und damit ein Minus bei den Einnahmen zur Folge.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Sinkende Einnahmen, steigende Mieten: Im Haus der Eigenarbeit steht das Grundkonzept auf dem Prüfstand

Von Patrik Stäbler, Haidhausen

"Wenn es was zu machen gibt: Hei!" Das ist der Slogan des Hauses der Eigenarbeit (Hei), der sich auf die verschiedenen Werkstätten der Einrichtung bezieht, wo Münchner - gegen eine geringe Gebühr - mit professionellen Geräten und unterstützt durch Experten werkeln können. Aktuell aber hat der Trägerverein vor allem eines zu machen: nämlich sparen und neue Geldquellen auftreiben. Denn die Corona-Krise hat das Haus nahe dem Orleansplatz in eine "existenzbedrohende Situation" gebracht, sagt Leiter Rainer Wirth. Die Folge: "Neben den laufenden Feuerwehrmaßnahmen werden wir auch unser grundsätzliches Konzept überdenken müssen."

Hinter den kurzfristigen Schritten steckt zweierlei: Zum einen hat das Hei all seine sechs Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, dazu bleibt eine Stelle derzeit unbesetzt - und das, obwohl die Einrichtung ihre Werkstätten nach der viermonatigen Corona-Zwangspause inzwischen wieder geöffnet hat. Auf diesem Wege ist es Wirth zufolge gelungen, das Defizit im diesjährigen Haushalt von einem niedrigen sechsstelligen auf einen höheren fünfstelligen Betrag zu drücken. Um diesen zu decken, versucht das Hei zum anderen, an zusätzliches Geld zu kommen. Eine Spendenkampagne hat bisher circa 10 000 Euro eingebracht; in etwa den gleichen Betrag hat der Bezirksausschuss Au/Haidhausen als Unterstützung bewilligt. Überdies sei er zuversichtlich, sagt Wirth, dass sein Verein bei einem Förderprogramm der Deutschen Postcode Lotterie bedacht wird, was weitere 30 000 Euro in die Kasse spülen würde.

"Für 2020 bin ich nicht vollkommen pessimistisch", sagt der Leiter des 1987 gegründete Hei, das jährlich circa 300 Kurse sowie etliche Schulprojekte anbietet, die zuletzt wegen der Corona-Krise allesamt gestrichen wurden. "Aber der Blick auf 2021", ergänzt Wirth, "macht mir große Sorgen". Denn dann müsse seine Einrichtung nicht nur mit einer Kürzung der Fördermittel vonseiten der Stadt rechnen, sondern auch die Miete für das Haus in der Wörthstraße werde steigen - ganz zu schweigen von der Frage, wie sich die Pandemie weiter auf die Arbeit des Hei auswirkt. Aktuell können zwar Kurse stattfinden, jedoch wegen des Abstandsgebots mit einer reduzierten Teilnehmerzahl - was deutlich geringere Einnahmen bedeutet. Auch vor diesem Hintergrund werde man sich Gedanken über die künftige Struktur machen, kündigt Wirth an. Aktuell arbeiten im Hei ein kleines Kernteam sowie circa 40 Honorarkräfte; künftig wird die Einrichtung womöglich stärker auf Ehrenamtliche setzen. Ob auch der Standort infrage gestellt wird? "Das ist ein ganz schwieriges Thema", sagt der Leiter. Einerseits laufe der Mietvertrag Ende 2022 aus. Andererseits sei die Einrichtung "ein urbanes Phänomen", betont Rainer Wirth. "Wir brauchen die öffentliche Erreichbarkeit, und die könnte nicht besser sein als direkt am Ostbahnhof.

© SZ vom 04.08.2020

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