bedeckt München

Haidhausen:Bewohner bangen um ihr Heim

Mieter an Kirchenstraße sind beunruhigt wegen Modernisierungs-Umlage

Von Johannes Korsche, Haidhausen

Lange tappten die Mieter an der Kirchenstraße 26 in Haidhausen im Dunkeln. Sie wussten, dass das rote Eckhaus verkauft werden wird. Sie haben auch mitbekommen, wie offensichtliche Kaufinteressenten durch das Haus geführt wurden. Sie hatten aber stets gehofft, dass die Stadt München ihr Haus kaufen werde. Sie hatten gehofft, dass sie vom Gröbsten, was der Münchner Immobilienmarkt so bietet, verschont bleiben. Aber nun ist doch das eingetreten, vor dem sie bewahrt werden wollten - und was doch unumgänglich war. "Das Gebäude an der Kirchenstraße 26 ist verkauft", bestätigt das Kommunalreferat. Über den Käufer könne man aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Angaben machen.

Die SZ berichtete über die Mietergemeinschaft an der Kirchenstraße, als der Verkauf sich anbahnte. Die Mieter im Haus befürchteten damals Modernisierungsarbeiten und steigende Mieten durch den Eigentümerwechsel. Denn Bauarbeiten stehen an, es gibt auf manchen Stockwerken beispielsweise noch Etagenklos. Von den acht Wohnungen sind erst drei saniert. Der Quadratmeterpreis liegt daher untypisch niedrig zwischen fünf und zwölf Euro - je nach Zustand der Wohnung. Schlussendlich, so die größte Sorge der Mieter, würden sich einige das Leben in ihrem Viertel, in dem sie jahre-, teils jahrzehntelang wohnen, nicht mehr leisten können.

Dabei liegt das Haus im Erhaltungssatzungsgebiet Haidhausen. Eigentlich soll das Mieter vor krassen Mietsteigerungen schützen, Milieuschutz heißt das dann. Um das Haus kaufen zu können, muss der neue Eigentümer eine Abwendungserklärung unterschreiben, mit der er zusichert, dass es keine Luxussanierungen in dem Haus geben wird. Modernisierungen auf einen "Münchner Standard" allerdings sind erlaubt und dürfen auch anteilig auf die Miete umgelegt werden. In der Kirchenstraße könnten die Mieten also merklich steigen, man denke an das Etagenklo.

Damals hoffte die Mietergemeinschaft auf neue Gesetze, eine Verschärfung der Erhaltungssatzung zum Beispiel. Und die kam auch, seit Juli gelten strengere Regeln für neue Eigentümer. Unter anderem gilt die Abwendungserklärung nun so lange wie die Erhaltungssatzung. Davor waren es maximal zehn Jahre. Doch so positiv diese Entwicklung für die Mietergemeinschaft in Haidhausen hätte sein können, sie kam - wie sie damals schon befürchteten - zu spät. Der Käufer verpflichtete sich noch nach den alten Vorschriften, die auch in der Stadtverwaltung kritisch gesehen wurden. Die Erhaltungssatzung sei ein Schwert, das durchaus schärfer sein dürfte, hieß es damals aus dem Kommunalreferat. Das Sozialreferat bezeichnete die Vorschriften gar als "unzureichend".

Die Mieter in der Kirchenstraße wollen nun zunächst abwarten, was auf sie zukommt. Denn noch wissen sie nicht, was der neue Eigentümer mit dem Haus vorhat, teilen sie mit.

© SZ vom 31.08.2018

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite