Handwerk Hier trifft sich ein Querschnitt der Münchner Bevölkerung

Nun wäre eine Möglichkeit, die Lücke zwischen Ein- und Ausgaben über erhöhte Gebühren an die Besucher des Hei weiterzugeben. Doch das will Stegmann weitestgehend vermeiden. Schließlich sollen sich alle Münchner einen Arbeitsplatz in den offenen Werkstätten leisten können. Die Einrichtung ist "keine Bastelwerkstatt für Besserverdienende, die sich mal ihren Stuhl selbst bauen wollen", versichert Stegmann.

Im Hei treffe sich "ein Querschnitt der gesamten Münchner Bevölkerung". Der BMW-Ingenieur werkelt an einem Solarpanel neben dem Arbeitssuchenden, der sein Fahrrad herrichtet, während sich eine 70-jährige Rentnerin einen Traum erfüllt und den Schweißkurs besucht. Gerade auf dieses Miteinander ist Stegmann stolz, das soll sich auch nicht ändern. Das Hei sei ein Ort, an dem Vorurteile und Berührungsängste abgebaut werden. "Diese Offenheit wollen wir auf gar keinen Fall verlieren." So kostet die Werkstattbenutzung mit Fachberatung pro Stunde 8,80 Euro, ohne Beratung 6,40 Euro. Schüler, Studenten, Auszubildende, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger zahlen die Hälfte.

Arbeit und Soziales Werdet Handwerker!
Fachkräftemangel

Werdet Handwerker!

Viele Jugendliche streben nach Abitur und Studium. An eine Ausbildung im Handwerk denken sie trotz guter Aufstiegschancen nicht. Höchste Zeit, etwas gegen den Akademisierungswahn zu tun.   Essay von Janis Beenen

Außerdem glaubt Stegmann, dass dieses Selbermachen, dieses "Ins-Tun-Kommen", wie sie es nennt, weit über die bloße Tätigkeit hinaus wirkt. Von dem Konsumzwang, der heutzutage herrsche, sei jeder in die Passivität des ewigen Kaufens und Wegwerfens gedrängt, findet sie. Mit dem Selbermachen und Reparieren im Hei könne man diesen Kreislauf durchbrechen.

Bei den Jugendlichen, die in einem Schulprojekt das Hei besuchen, fällt ihr auf, dass der Gedanke, etwas auszubessern, nicht mehr selbstverständlich ist. Auf die Frage, wer denn schon einmal etwas instandgesetzt habe, folgt dann oft Schweigen. "Die Jugendlichen kennen das eben nicht mehr."

Sie wolle mit dem Hei "verklickern, dass sich das Reparieren lohnt". Für jeden Einzelnen, der durch das Werkeln Erfolgserlebnisse bekomme. Aber auch allgemein, im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens. So entstehe bei den Besuchern ein Bewusstsein, das sie letztlich zu aktiven Mitgliedern in der Gesellschaft werden lässt. Dazu beizutragen, ist Stegmann sehr wichtig: "Eine Stadt braucht eine aktive Bürgerschaft - und die braucht einen aktiven Ort in der Stadt."

Weil dieser Ort nun gefährdet ist, will Stegmann auf allen möglichen Wegen zusätzliche Mittel anzapfen. Fundraising, Wettbewerbsgelder und zusätzliche Förderung durch die Stadt. "Wir möchten mit der Stadt in einen Dialog kommen, um uns auch inhaltlich besser zu erklären und zu zeigen, was das Hei für die Stadt eigentlich bedeutet." Zwar ist sie dankbar für die Unterstützung als sozialer Betrieb, mit dem sie Langzeitarbeitslosen den Weg in eine dauerhafte Beschäftigung erleichtern kann. Doch eigentlich hoffe sie auf eine zusätzliche Förderung "aus einem geeigneten Topf". Am besten eine Förderung "für das Hei an sich", das ja mehr als ein sozialer Betrieb sei.

Der Haidhauser Bezirksausschuss will diesen Dialog auch voranbringen. Auf einen SPD-Antrag hin forderten die Stadtteilpolitiker einstimmig, "die ungekürzte Fortsetzung der Förderung" durch das Referat für Arbeit und Wirtschaft sowie "die Anpassung der Förderung der städtischen Förderung an die gestiegenen Kosten und Bedarfe" der Einrichtung.

Stegmann hofft da zum Beispiel auf das Sozialreferat. Doch weil dort noch kein konkreter Antrag vorliegt, ist es "schwierig, seriös einzuschätzen", ob eine Förderung möglich sei, sagt Referatssprecherin Hedwig Thomalla. Nur so viel: Auf den ersten Blick sei das Hei keine Einrichtung, die "klassisch beim Sozialreferat verortet ist". Allerdings sei das Angebot in ihrem Referat nicht im vollen Umfang bekannt, eine Unterstützung daher nicht ausgeschlossen. Stegmann wird es versuchen. Im Hei wurden schließlich schon ganz andere Sachen repariert.