Hadern Leben im Denkmal

Der Stürzerhof, einer der ältesten Bauernhöfe Kleinhaderns, soll saniert und neu genutzt werden. Die Eigentümer planen 20 Mietwohnungen samt Gemeinschaftsräumen im Stadel und eine Brauerei im Stall

Von Berthold Neff, Hadern

Bauen an historischem Ort und hinter alten Mauern: Der Stürzerhof, einer der ältesten Bauernhöfe Kleinhaderns, soll unter Wahrung seiner denkmalgeschützten Substanz für gleich mehrere Nutzungen radikal ausgebaut werden. Maria Anna Stadler, geborene Stürzer und Ehefrau des CSU-Stadtrats und Haderner Bezirksausschuss-Chefs Johann Stadler, will auf dem etwa 7000 Quadratmeter großen Areal eine Brauerei, Büros und 20 Wohnungen samt Tiefgarage mit 30 Stellplätzen unterbringen. Sie hat das Anwesen von ihren Eltern geerbt und wohnt mit ihrer Familie in einem Teil des Dreiseithofs. Den Antrag auf Vorbescheid hat sie beim städtischen Planungsreferat bereits eingereicht, erste Gespräche bezüglich des Denkmalschutzes wurden bereits geführt.

Geplant ist, die 20 Wohnungen auf vier Etagen im Stadel zu errichten, dem südlichen Flügelbau des Bauernhofes, während die Brauerei - voraussichtlich die kleine Bio-Brauerei "Haderner Bräu" der Familie Girg - im früheren Stall unterkommen soll. Die bis zu sechs Meter hohen Braukessel werden teilweise ins Untergeschoss abgesenkt, damit sie in den historischen Gemäuern Platz finden. In diesem nördlichen Trakt soll auch ein Hofladen eröffnen, wiewohl auf dem Gut schon seit Langem keine Landwirtschaft mehr betrieben wird.

Der Stürzerhof soll verändert werden, im Stadel (rechts im Bild) entstehen Wohnungen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ähnlich kompliziert dürfte der Wohnungsbau im Stadel werden. Denn der Denkmalschutz verlangt, dass die Mauern stehen bleiben. Die Wohnungen sind vor allem in Nord-Süd-Ausrichtung geplant und sollen durch zusätzliche Glasflächen gut belichtet werden. Die beiden großen, charakteristischen Tore müssen ebenfalls erhalten werden. Erschlossen werden die großteils behindertengerechten Wohnungen durch zwei Aufzüge. In die Mietwohnungen sollen sowohl Studenten als auch Familien einziehen. Ihnen stehen im früheren Stadel auch zwei Gemeinschaftsräume zur Verfügung; vor dem Stadel sollen sie in Mietergärten selbst ihr Grünzeug anbauen können. Die Grünfläche vor dem Stadel, die an die Großhaderner Straße angrenzt, wird für einen Spielplatz genutzt, außerdem werden dort zahlreiche Obstbäume gepflanzt.

Für die Ökologie in diesem Teil des Viertels könnte das Vorhaben durchaus positiv sein, denn es muss - außer einer etwas kränkelnden Zwetschge - kein einziger Baum gefällt werden. Die prägende Esche an der bisherigen Einfahrt des Dreiseithofs, die wahrscheinlich schon 100 Jahre alt ist, wird erhalten, der Asphalt des Innenhofs wird entfernt. Die Zufahrt zur Brauerei und zur Tiefgarage wird nicht über den derzeitigen Innenhof, sondern an der Nordseite des Grundstücks, Richtung Lindauer Autobahn, angelegt.

Der alte Stürzerhof sah um 1930 noch etwas anders aus als heute.

(Foto: Geschichtsverein Hadern)

Am Montagabend, in der Sitzung des Unterausschusses Bau, wurden die Pläne erstmals dem Bezirksausschuss präsentiert. Stadlers Sohn Matthias, auch er für die CSU Mitglied im Bezirksausschuss, erläuterte dem Gremium die Pläne, die quer durch die Fraktionen auf Zustimmung stießen. Stadler zufolge ist es höchste Zeit, die Gebäude zu restaurieren, zu sanieren und neu zu nutzen.

Seine Mutter hat für das Projekt einen mit solchen Vorhaben vertrauten Architekten engagiert, Ludwig Wallnöfer. Der 69-jährige gebürtige Münchner mit Büro an der Schwanthalerstraße hat in seiner Heimatstadt schon zahlreiche Umbauten in historischer Substanz geplant und betreut, darunter das Hildebrandhaus, in dem die Monacensia untergebracht ist, und die Villa Stuck. Für das Rathaus hat er die Erneuerung und Instandsetzung der Dacheindeckung einschließlich Brandschutz geplant. Er führte sein Büro anfangs mit dem renommierten Architekten Enno Burmeister, der von 1988 bis 2000 Stadtheimatpfleger war. Seit 2001 ist Wallnöfer alleiniger Inhaber des Architekturbüros. Er ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Restaurierung und Sanierung historischer Bauwerke.

Der heutige Bauernhof entstand Mitte des 19. Jahrhunderts, nachdem der alte Spitzweghof niedergebrannt war. Auf jenem Hof war einst, 1770, der spätere Brauereigründer Joseph Pschorr geboren worden. Seine Enkelin Josephine Pschorr heiratete 1863 den Hornisten Franz Joseph Strauss - sie waren die Eltern des berühmten Komponisten Richard Strauss. Vier Jahre nach dessen Geburt wurde der wiederaufgebaute Bauernhof 1868 von Mathias Stürzer aus Rottenried übernommen. Seitdem blieb der Gutshof im Besitz der Familie Stürzer, die 1895 auch die benachbarte Leonhardskapelle stiftete.

Der Umbau des Stürzerhofs wurde auch im Bezirksausschuss-Plenum befürwortet, wobei die beiden Stadlers wegen Befangenheit nicht abstimmten.