bedeckt München

Hadern:Aus der Fischperspektive betrachtet

"München durch seine Brunnen" nennt sich die Ausstellung mit Fotografien von Andrea Pfau, die am Freitag im Augustinum eröffnet wird

Von Elena Eggert, Hadern

Andrea Pfau beugt sich weit über den Fischbrunnen auf dem Marienplatz und hält einen kleinen roten Gegenstand ins Wasser. Eine Passantin kommt näher und betrachtet die Szene interessiert. Als Andrea Pfau bemerkt, dass sie beobachtet wird, sagt sie: "Ich messe die Feuchtigkeit des Wassers." Die Fußgängerin ist irritiert, bleibt noch einen Moment stehen und geht dann weiter.

Natürlich misst Andrea Pfau nicht die Wasserfeuchte. Die 59-jährige Fotografin macht Bilder mit einer kleinen, wasserdichten Kamera. Ihr Spezialgebiet sind Brunnen. Sie hält die Kamera zur Hälfte ins Wasser, fotografiert Spiegelungen auf der Wasseroberfläche oder fotografiert durch Fontänen hindurch. Den Fischbrunnen, einen der bekanntesten in München, nennt Pfau den "Instagram-Brunnen", denn er taucht auf unzähligen Bildern in den sozialen Netzwerken auf. Die Fotografin nerven diese Bilder, weil sie sich so sehr ähneln. Pfau bemängelt, dass die meisten ihre Smartphones nur gerade nach vorn halten und so Fotos aufnehmen. "Das ist doch langweilig", sagt sie. Ihre Motivation ist es, bekannte Plätze und Orte in München anders abzulichten.

Vor vier Jahren hat die gelernte Bildredakteurin die "Brunnen-Fotografie" für sich entdeckt. Um zu erklären, wie es dazu kam, muss Pfau weit ausholen. 26 Jahre lang ist die gebürtige Hadernerin zwischen Griechenland und München hin und her gependelt. Sie spricht fließend Griechisch und entdeckte das Wasser als ihr Element. Doch irgendwann musste sie sich zwischen dem warmen Süden und der deutschen Großstadt entscheiden - und zog wieder nach München. Andrea Pfau liebt ihre Stadt, aber eins fehlt: das Meer. Ihre Wasseraffinität ist neben der Liebe für außergewöhnliche Fotos der Hauptgrund für ihre "Brunnen-Fotografie".

Münchens Brunnen

Selbst gebürtige Münchner müssen länger überlegen, wo genau eine Aufnahme entstanden ist: Pfau visiert mit ihrer wasserdichten Kamera das Rathaus an.

(Foto: Andrea Pfau)

In München gibt es mehr als 700 Brunnen, und die Hadernerin kennt längst nicht alle. Zudem eignet sich nicht jeder für Fotos. Das Wasser darf nicht zu bewegt sein, die Wasserqualität unterscheidet sich sehr und auch die Umgebung ist wichtig. Manche Brunnen sind zugewachsen und bieten keinen guten Blick auf die Umgebung. Bei anderen Brunnen sind keine interessanten Gebäude in der Nähe. Pfau hat viel Zeit investiert, um herauszufinden, welcher Brunnen sich besonders für Fotos eignet und zu welcher Tageszeit es die besten Lichtverhältnisse gibt.

Besonders fotogen ist der kleine und unscheinbare Kräutlmarktbrunnen, am Turm des Alten Rathauses. Vom Fischbrunnen aus spaziert die Fotografin gemütlich zu ihm hinüber. Die Wasseroberfläche ist relativ still, und von oben fließt frisches Trinkwasser nach, das unter der Oberfläche für Verwirbelungen sorgt. Hält Andrea Pfau hier ihre Kamera hinein, sieht es so aus, als würden das Neue Rathaus und dahinter die Frauenkirche in einem Meer schwimmen. An diesem Brunnen zeigt sich auch, warum Pfau ihre kleine rote Unterwasserkamera "Dramaqueen" nennt. Denn mit ihr kann die Fotografin "dramatisch" belichtete Fotos aufnehmen, auf denen der dünne Wasserstrahl bedrohlich und das Wasser düster und geheimnisvoll wirken. Die unscheinbare Digitalkamera ist nur ein Teil ihrer großen Fotoausrüstung und gleichzeitig die einzige Kamera, die sie immer dabei hat und jederzeit aus der Tasche ziehen kann.

Münchens Brunnen

Überraschende Ein- und Ausblicke - im Gegensatz etwa zur Instagram-Knipserei - schenken dieFotografien Andrea Pfaus (rechts) dem Betrachter.

(Foto: Andrea Pfau)

Neben ihrer roten Digitalkamera ist eine weiße Vespa ihr ständiger Begleiter. Die Vespa schiebt sie vom Kräutlmarktbrunnen Richtung Viktualienmarkt. Die acht Brunnen auf dem Marktplatz hat sie bereits vielseitig in Szene gesetzt: Während das Wasser aus dem Honigbrunnen plätschert, feilscht im Hintergrund an einem Marktstand eine Frau mit einer Verkäuferin um den Preis, und rund um den Weiß-Ferdl-Brunnen fängt sie im Sommer die heitere Stimmung im voll besetzten Biergarten ein. Diese Fotografien sind zeitlos, findet Pfau.

Mit der Zeit experimentiert die Hadernerin auch immer mehr. Kürzlich kam ihr die Idee, eine Glasplatte mit Wasser zu bespritzen und durch sie hindurch zu fotografieren. So entstanden Fotos, die aussahen, als würde sie im Regen stehen. Auch auf dem Viktualienmarkt hat sie noch längst nicht all ihre Ideen verwirklicht. Bilder bei Nacht fehlen ihr noch,wenn der Marktplatz leer ist und sich der Schein der Laternen in den Brunnen reflektiert.

Münchens Brunnen

Wo und wie könnte die Fotografin hier ans Werk gegangen sein?

(Foto: Andrea Pfau)

Selbst Münchnerinnen und Münchner müssen sich die Fotos von Andrea Pfau oft mehrmals ansehen und rätseln, wo diese aufgenommen wurden. Die Gelegenheit dazu bekommen sie in der Ausstellung "München durch seine Brunnen".

Am Freitag, 7. Februar, eröffnet Andrea Pfau um 17 Uhr ihre erste Einzelausstellung im Theaterfoyer des Augustinums, Stiftsbogen 74. Zu sehen sind ihre Brunnen-Fotografien dann bis 18. März. Der Eintritt ist frei.

© SZ vom 06.02.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema