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Hackerzelt auf dem Oktoberfest:Wechsel am Zapfhahn

Toni Roiderer feiert 70. Geburtstag auf dem Oktoberfest in München, 2014

Zum 70. Geburtstag bekam Toni Roiderer - hier mit Frau, Schwiegertochter und Sohn Thomas - ein Bild geschenkt, das ihn in seiner Paraderolle zeigt.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Toni Roiderer, der Sprecher der Wiesnwirte, übergibt die Verantwortung für das Hackerzelt an seinen Sohn Thomas.
  • Dass Wiesnzelte innerhalb der Familie vom Nachwuchs übernommen werden, beziehungsweise die Kinder in der Geschäftsleitung mitmischen, ist gang und gäbe.

Von Andreas Schubert

Im Hackerzelt steht eine Wachablösung bevor: Toni Roiderer, der Sprecher der Wiesnwirte, übergibt die Verantwortung an seinen Sohn Thomas. Der 36-Jährige wird von nächstem Jahr an als Hauptgeschäftsführer den Betrieb leiten. Viel ändern wird sich aber nicht im Familienunternehmen, das das Ehepaar Toni und Christl Roiderer bereits jetzt zusammen mit dem Sohn leitet.

Einziger Unterschied: Bei der nächsten Vertragsverlängerung mit der Hacker-Pschorr-Brauerei wird Thomas Roiderer der Unterzeichner sein. Keine große Sache für den ausgebildeten Koch, der sein Handwerk beim Augustiner gelernt hat und - wie er sagt - im heimischen Betrieb verfeinert: "Ich bin ja schon seit fünf Jahren Wiesnwirt." Nun werde er eben der Ansprechpartner auf dem Oktoberfest.

Das Hacker-Festzelt ist mit insgesamt 9420 Sitzplätzen - 6958 direkt im Zelt, der Rest draußen im Biergarten - eines der größten auf der Wiesn. Toni Roiderer hat es 1989 übernommen. Das Zelt steht seit 1907 auf der Wiesn, 2004 erhielt es seine heutige Form und Ausstattung. Berühmt ist der "Himmel der Bayern" an der Decke des Zeltes, den der Oscar-prämierte Filmbühnenbildner Rolf Zehetbauer entworfen und der Maler Rudolf Reinstadler illustriert hat.

Nun gehe es darum, den Sohn "mehr aufzubauen"

Toni Roiderer will sich vorerst nicht aus dem Geschäft zurückziehen, dennoch müsse man an die Zukunft des Familienbetriebs denken. Nun gehe es darum, den Sohn "mehr aufzubauen", wie er sagt. "Ich sehe vielleicht aus wie 69, weiß aber, dass ich bald 71 werde", scherzt Roiderer, der im September Geburtstag feiert. Der Sohn betont indessen, dass der Senior weiterhin genauso Wiesnwirt bleibe, und somit auch Wirtesprecher bleiben könne.

Die Hacker-Brauerei begrüßt den Generationenwechsel: "Wir freuen uns, dass wir die erfolgreiche Zusammenarbeit fortsetzen können und sind überzeugt, dass Thomas Roiderer die Arbeit mit dem gleichen Enthusiasmus und genauso erfolgreich machen wird", sagt Sprecherin Birgit Zacher - was man halt so sagt. Zu Details wie der Laufzeit des künftigen Vertrages werde man sich nicht äußern.

Dass die Kinder übernehmen, ist gang und gäbe

Dass Wiesnzelte innerhalb der Familie vom Nachwuchs übernommen werden respektive die Kinder in der Geschäftsleitung mitmischen, ist gang und gäbe. So leitet zum Beispiel Thomas Vollmer die Augustiner-Festhalle zusammen mit Vater Manfred. Ludwig und Christa Hagn führen zusammen mit Tochter Stephanie und ihrem Mann Michael Spendler das Löwenbräuzelt. Das Schützen-Festzelt haben Ludwig und Matthias Reinbold von Vater Eduard übernommen, die Bräurosl-Wirte Georg und Renate Heide werden von Tochter Daniela unterstützt.

Erbhöfe sind die Wiesnzelte offiziell aber nicht. Wirte, denen das Zelt selbst gehört, etwa das der Familie Schottenhamel, müssen jedes Jahr eine neue Bewerbung direkt bei der Stadt abgeben. Die großen Zelte, die den Brauereien (zum Beispiel das Hacker-Zelt) oder den Schützengilden (Armbrustschützenzelt, Schützen-Festzelt) gehören, sind für die Wiesn zwar gesetzt. Dennoch müssen sie der Stadt einen Wirt vorschlagen, der in der Regel aber akzeptiert wird.

© SZ vom 21.08.2015/lime
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