Gymnasien:Die Einwohnerzahlen werden weiter steigen

Etwa 220 000 sozialversicherungspflichtige Jobs gibt es von Unterschleißheim über Ottobrunn bis Grünwald, und diese Zahl nimmt bei seit Jahren anhaltender Vollbeschäftigung weiter zu. Dies, sagt Landrat Göbel, spreche vor allem junge Familien an. Und Kinder und Jugendliche benötigen Schulen. Hinzu kommt, das besagt der Schulbedarfsplan, eine wieder steigende Fertilität. Die Sauerlacherinnen und Sauerlacher etwa haben einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran, dass der Landkreis eine weiterführende Schule aufs Land setzen wird. In den Jahren 2013 bis 2015 brachten die Frauen in Sauerlach im Schnitt 1,8 Kinder zur Welt - bayernweit waren es im gleichen Zeitraum nur 1,45 Kinder.

Immer mehr Zuzüge in den Landkreis München, dazu steigende Geburtenraten - das führt zu mehr Gymnasiasten. Doch auch die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums wird die Schullandschaft im Landkreis nachhaltig verändern. Und sie wird Geld kosten. Mit dem "neuen bayerischen Gymnasium", wie es von der Staatsregierung getauft worden ist, werden die Schülerzahlen deutlich zunehmen; dieser "Nettoeffekt", wie er im Schulbedarfsplan bezeichnet wird, hat einen grundsätzlichen Anstieg um zehn Prozent zur Folge.

Konkret bedeutet dies, dass im Jahr 2035 mehr als 20 000 Schüler im Landkreis aufs Gymnasium gehen werden - heute sind es etwa 13 800. "Wir werden das nur bewältigen können, wenn wir weiter bauen", sagt die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche (SPD), die sich für die neue Schule in Unterföhring stark gemacht hat - und mit ihrer Fraktion im Kreistag immer wieder für kleinere Schulen und Klassen gekämpft hat. Als Kompromiss hat sich das Gremium im vergangenen Jahr darauf geeinigt, dass die Gymnasien grundsätzlich nicht mehr als 1300 Schüler aufnehmen sollen.

Auf das Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching gehen in diesem Schuljahr 1103 Schüler, 2035 könnten es mehr als 1600 sein. In Kirchheim sind es 1300 - prognostiziert werden mehr als 1900. Ähnlich ist es in Unterschleißheim, wo ein Sprung von 1256 auf mehr als 1800 Schüler bevorstehen könnte. Wenn nichts passiert.

Der Landkreis aber wird weiter bauen. Die Kosten, die durch die Rückkehr zum G 9 entstehen werden, will er sich vom Freistaat zurückholen. "Wer bestellt, der zahlt", lautet das einheitliche Credo der Kreispolitiker, die von Mehrkosten in einem hohen zweistelligen Millionenbereich ausgehen. Die Staatsregierung habe das G 9 angeordnet, also müsse sie auch für die Kosten aufkommen. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen den Landkreisen, Kommunen und der Staatsregierung. Ausgang: eher ungewiss.

Im Kreis wird zügig weitergebaut

Die Anziehungskraft der Gymnasien im Landkreis, die übrigens auch viele Kinder und Jugendliche aus den Nachbarlandkreisen Ebersberg, Freising, Starnberg und sogar Rosenheim gepackt hat, hängt freilich auch an ihrer Ausstattung, an modernen Lernkonzepten und -landschaften. Im Neubau des Ottobrunner Gymnasiums, der vor zwei Jahren eingeweiht worden ist, gibt es Türen nur noch der Sicherheitsbestimmungen wegen. Doch diese stehen immer offen. Direktor Achim Lebert hatte vor der Eröffnung gesagt: "Wir wollen die Welt in die Schule reinholen." Die Welt ist gekommen - und mit ihr auch zahlreiche Gastschüler.

Göbel spricht beim Ausbau der Schullandschaft oft von einer "Last", er meint damit aber nicht die Schüler aus der Stadt, sondern die "Verzögerungen", die es in München bei der Errichtung neuer Schulen gibt. Der Kreis, sagt Göbel immer wieder, werde an seinen Plänen und am bestehenden Tempo festhalten; es gehe ja um die Schüler. Für die künftigen Gymnasiasten wird sich Anfang Mai entscheiden, auf welche Schule sie gehen wollen. Dann laufen an allen Schulen in der Stadt und im Landkreis die Einschreibungen.

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