Der japanische Terminator ist zurück. So wurde Tanaka im letzten, mit „Die weiße Flut“ betitelten Band der preisgekrönten Comic-Serie „Gung Ho“ genannt. Und es passt ja auch gut zu dem ehemaligen Actionfilmstar und Elitesoldaten, der sein Leben dem Kampf verschrieben hat. Auch seine Tochter Yuki hat er weniger erzogen als militärisch gedrillt. Damit sie überlebt in der postapokalyptischen Welt, von der der Münchner Autor Benjamin von Eckartsberg und der Dachauer Zeichner Thomas von Kummant in „Gung Ho“ erzählen. Einer Welt, in der die „Reißer“, eine Art Mischung aus Eisbär und Gibbonaffe, die Herrschaft übernommen haben. Während sich die verbliebenen Menschen in befestigten Städten und Siedlungen verschanzen.
Zu diesen Menschen gehören Tanaka und Yuki, die in den zwischen 2014 und 2021 beim Verlag Cross Cult erschienenen Bänden eins bis fünf aber nur episodisch auftauchen. Denn im Zentrum stehen dort die Teenager-Brüder Zack und Archer Goodwoody. Im Mitte Juli erschienen Band „Gung Ho – Tanaka“ ist das anders. Hier sind Tanaka und Yuki die Protagonisten. Und zwar ist es so, dass wir von deren Leben in der Zeit vor Band eins bis fünf erfahren. Das heißt: „Gung Ho – Tanaka“ ist ein Prequel zur 2021 abgeschlossenen Serie. Und es sollen noch andere Prequels folgen, mit weiteren Nebenfiguren aus „Gung Ho“ im Mittelpunkt.
Die Vorgeschichte(n) zu einer erfolgreichen Serie zu erzählen: Wir kennen diesen Dreh aus Film und Fernsehen. Nun hatte eben Benjamin von Eckartsberg das Gefühl, dass in dem Coming-of-Age-Abenteuer-Comic, der „Gung Ho“ im Wesentlichen ist, noch weitere Geschichten schlummern. Bei Thomas von Kummant war dagegen klar: Nach Band fünf ist für ihn Schluss. Denn während der Plot bereits 2012 fertig war, kostete Kummant dessen zeichnerische Umsetzung zehn Jahre. Und auch wenn diese Zeit toll war, wie er mehrfach sagte: Als Künstler wollte er mal wieder etwas anderes machen.
Deswegen musste ein neuer Zeichner her. Und geworden ist es Tsai Chaiko aus Shanghai, mit dem Eckartsberg bereits bei den Adaptionen von Wolfgang Hohlbeins „Chronik der Unsterblichen“ und Agatha Christies „Mord im Orient-Express“ zusammengearbeitet hat. Dadurch ließ sich schon erahnen: Es wird düsterer und „linearer“ als bei Kummant, dessen besonderer, digitaler Collagen-Stil sich durch poppige Farben und den auffälligen Verzicht auf Umrisslinien ausgezeichnet hat. Für eine Dystopie wirkte das ungewöhnlich. Aber tatsächlich ging es in Band eins bis fünf gar nicht so sehr um Horror, sondern um die Konflikte und Gefühle von Teenagern.

Mit Tanaka hat man nun eher einen Actionheld alter Schule vor sich, eine Art Mischung aus Toshiro Mifune und Charles Bronson. Das gibt dem Ganzen bereits einen anderen Ton. Wir lernen Tanaka als Schauspieler in einem Samurai-Film kennen. Wir sehen, wie die Reißer plötzlich überall auftauchen. Woher und warum, erfahren wir nicht, aber dafür, warum Tanaka so verbittert ist: weil die Reißer seine Frau Kumiko getötet haben. Und wir lernen ebenfalls sehr schnell, dass auch die Menschen wahre Monster sein können.
Das alles wird sehr stimmig, blutig und schnörkellos erzählt. Man hätte sich vielleicht nur noch ein paar mehr Farb- und Stimmungstöne, mehr Humor gewünscht. Denn abgesehen von ein paar coolen Actionheldsprüchen: Viel zu lachen gibt es nicht. Dafür werden alle, die diese noch nicht kennen, perfekt auf die eigentliche Survival-Saga eingestimmt, die es ebenfalls seit Mitte Juli nun auch als Gesamtausgabe gibt.
Gung Ho - Tanaka, von Benjamin von Eckartsberg und Tsai Chaiko, Cross Cult Verlag, 80 S., 25 Euro. Buchvorstellung der Gesamtausgabe mit Eckartsberg/Kummant: Donnerstag, 23. Juli, 18 Uhr, München, Splendid Comics (Marienplatz 8)

