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Grundsteinlegung für neue Konzernzentrale:Siemens bekennt sich zu München

Die Grafik zeigt die geplante neue Siemenszentrale am Wittelsbacher Platz in München.

Die Grafik zeigt die geplante neue Siemenszentrale am Wittelsbacher Platz in München.

(Foto: dpa)

Der Aufwand hat sich gelohnt: München hat viel dafür getan, dass Siemens mit seiner Zentrale in der Stadt bleibt. Nun wurde der Grundstein für den Neubau gelegt. Was die anwesenden Politiker besonders freute: Das Erdgeschoss ist öffentlich zugänglich und bietet einige Attraktionen für Passanten.

Von Christian Mayer

Es ist ein Festakt mit Symbolkraft: Siemens-Chef Peter Löscher und Oberbürgermeister Christian Ude haben am Montagmorgen den Grundstein für die neue Konzernzentrale am Wittelsbacherplatz gelegt. Nach dem Ende der neunmonatigen Abbrucharbeiten beginnt nun der Bau des neuen Innenstadtquartiers, das Ende 2015 fertig sein und Platz für 1200 Mitarbeiter bieten soll. Löscher pries die Architektur als "modern, transparent und energieeffizient". Die wichtigste Botschaft sei aber, so Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, dass "das Weltunternehmen Siemens der Weltstadt München verbunden bleibe. Dies lässt sich der Konzern auch einiges kosten, wobei man sich mit genauen Zahlen zurückhält: Für den Bau sei ein "niedriger dreistelliger Millionenbetrag" vorgesehen, heißt es vage.

Für Ude zählt vor allem das Bekenntnis zu München. Bei der Veranstaltung am Montag wurde deutlich, dass die Stadt viel dafür getan hat, dem Konzern bei dem ehrgeizigen Bauvorhaben entgegenzukommen. "Das Herzstück von Siemens gehört ins Zentrum von München", sagte der OB. Im Juni 2010 wurde das Projekt erstmals der Öffentlichkeit bekannt, im Februar 2011 fand die Ausschreibung des Wettbewerbs statt, im Juni 2011 standen mit den dänischen Architekten Henning Larsen die Gewinner fest, auch der Bebauungsplan stand "in Rekordzeit". Im Oktober 2012 gingen die Abbrucharbeiten der alten Gebäude am Oskar-von-Miller-Ring los, die laut Löscher eher einem "Labyrinth" als einer kommunikativen Zentrale glichen. Für ein Projekt dieser Dimension sei das Tempo beachtlich, sagte Ude. "Es ist ja keineswegs selbstverständlich in Deutschland, dass solche Großprojekte im Zeitplan bleiben." Um die Lärmbelästigung für die Nachbarn erträglich zu machen, hatte Siemens auch eine zehn Meter hohe und 300 Meter lange Schallschutzwand eingesetzt.

Aus Sicht der Stadt München ist die neue Konzernzentrale vor allem deshalb ein Gewinn, weil sie "keinen hermetischen Riegel" darstelle, sondern durchlässig sei. Künftig können Besucher direkt von der Altstadt durch das öffentlich zugängliche Erdgeschoss des Siemens-Hauptsitzes zum Kunstareal spazieren; auf dem Weg dorthin kann man dann in begrünten Innenhöfen und Cafés Station machen. "Dass wir Siemens auf diese Weise künftig unterwandern können, ist eine herrliche Perspektive", sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Genau diese Offenheit sei auch der Grund, ergänzte Ude, warum sich vielleicht sogar jene Münchner mit dem Bauvorhaben anfreunden könnten, die sonst immer gerne granteln würden, wenn sich irgendetwas in der Innenstadt verändere.

Für den Termin am Montag hatte Oberbürgermeister Ude eigens seinen unbezahlten Urlaub unterbrochen, den er während des Landtagswahlkampfs nimmt. Er verwies auf die lange Geschichte der Firma Siemens in München. Zwar sei das Unternehmen einst eine Berliner Gründung gewesen, besaß aber bereits 1890 eine erste Niederlassung in München und seit 1927 einen wichtigen Produktionsstandort in der Hofmannstraße in Obersendling. Erst 1949 zog die Siemens-Zentrale dann nach München - die vom Westen abgeschnittene Frontstadt Berlin war den Eigentümern damals zu unsicher. Mit der neuen Zentrale sei die Zukunft in München gesichert, sagte Ude. Damit liege Siemens durchaus im Trend, schließlich hätten sich auch andere große Unternehmen zuletzt zu München bekannt: der ADAC etwa mit seiner "spektakulären Zentrale" in der Hansastraße, die Fraunhofer Gesellschaft mit einem Verwaltungsgebäude, die Linde AG, die sogar den Firmensitz an den Oberanger verlegt habe und nicht zuletzt BMW, das mit der BMW Welt einen eigenen Akzent im Münchner Norden gesetzt habe und nun sein Forschungs- und Innovationszentrum in Milbertshofen deutlich ausbaue.

An guten Wünschen mangelte es am Montag nicht - der Siemens-Chor sang bei der Grundsteinlegung vor dem denkmalgeschützten Palais Ludwig Ferdinand Beethovens "Ode an die Freude". Für die Zeitkapsel, die mit dem Grundstein in den Boden versenkt wurde, hatte Stadtbaurätin Elisabeth Merk auch die aktuelle Ausgabe der Süddeutschen Zeitung dabei: "Die steht für Aktualität", sagte Merk. "Und ich hoffe, dass die Süddeutsche im Jahr 2050 aktuell darüber berichten wird, was gerade bei Siemens passiert."

© SZ vom 16.07.2013/bela
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