Grundsatzfragen:Rot ist alle Theorie

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Jusos (SPD Jugendorganisation) München, 2021

Seija Knorr-Köning, Benedict Lang und Paula Gundi stellen das Programm der Münchner Jusos vor.

(Foto: Robert Haas)

Die Jusos haben ein Programm zur Wahl erstellt - ganz bewusst ohne konkrete Forderungen

Von Anna Hoben

Die Stimmung ist gut bei den Münchner Jusos, und das hat natürlich damit zu tun, wie ihre Partei in Umfragen von den Wählerinnen und Wählern wenige Wochen vor der Bundestagswahl wahrgenommen wird. "Seit wir dabei sind, erleben wir zum ersten Mal Rückenwind für die SPD", sagt Seija Knorr-Köning, die im Wahlkreis West/Mitte für den Bundestag kandidiert. Der Juso-Vorsitzende Benedict Lang ist trotzdem vorsichtig: "Es sind nur Umfragen", sagt er. Einig sind sich alle in einem: Es wird noch richtig spannend.

Als sie vor gut einem Jahr begannen, sich grundsätzlich mit ihren Inhalten und Überzeugungen zu beschäftigen, sah es noch anders aus - damals lag die SPD in Umfragen bei 16 Prozent. Die Idee sei gewesen, "einen Schritt zurück zu gehen aus der tagtäglichen Arbeit", sagt die Vize-Vorsitzende Paula Gundi. Um gemeinsam zu überlegen: Wofür machen wir das? Und wohin wollen wir? Schon zur Kommunalwahl 2020 hatten die Jusos ein Zukunftsprogramm mit konkreten Forderungen für München ausgearbeitet und damit gute Erfahrungen gemacht. Drei Jusos zogen in den Stadtrat ein. "Redvision - Jungsozialistische Zukünfte erkämpfen" heißt ihr neues Programm, das sie nun zur Bundestagswahl vorstellen. Es beschäftigt sich mit großen Entwicklungen in Deutschland und soll der Partei Antworten anbieten auf die Frage, warum es die SPD noch braucht.

Das Programm ist in drei Blöcke untergliedert: Individualisierung und Solidarität; Materialismus und Identität; Mensch, Produktion und Natur. In zehn Thesen bringen die Jusos vermeintliche Widersprüche und Spannungsfelder zusammen, die zuletzt auch die Debatte in der SPD geprägt haben. Etwa in These fünf: "Wir verknüpfen Identitätsfragen und materielle Fragen und liefern die Antwort auf beide durch die Überwindung des Kapitalismus." Der Kampf gegen Diskriminierung und für freie Entfaltung sei zugleich ein Kampf um materielle Teilhabe, heißt es zur Erläuterung. Oder These drei: "Wir schaffen Berührungspunkte zwischen unterschiedlichen Lebensrealitäten. Solidarität ist möglich, wenn Menschen miteinander prägende Erfahrungen machen."

Im Gespräch haben die drei Jusos viele Beispiele parat. Im Programm finden diese sich nicht, auch keine konkreten Forderungen, etwa nach einem bestimmten Mindestlohn. Es bietet stattdessen eine Art theoretischen Überbau. Als Kompass und Motivation für ihre politische Arbeit in den kommenden Jahren sehen die Jusos ihre neue "Redvision": "Es hilft uns, in tagespolitischen Fragen eine Position zu finden", sagt Lang. Gut ein Jahr haben sie daran gearbeitet, beteiligt waren um die 100 Mitglieder. Los ging es mit einem mehrtägigen Seminar, es folgten Veranstaltungen zu verschiedenen Themen. Dass die Thesen so abstrakt blieben, dafür hätten sie immer wieder kämpfen müssen, sagt Gundi - die Verlockung sei groß gewesen, die Themen auf die konkrete Ebene zu heben, etwa beim Thema Gemeinwohlökonomie oder bei der Gesundheitspolitik. Demnächst wollen die Jusos das Programm an ihre Mitglieder verschicken, etwa 1100 sind es zurzeit. Kurz nach der Wahl soll die Broschüre ankommen, "der Kampf ist nicht am 26. September vorbei", sagt Lang, "und auch nicht nach den Koalitionsverhandlungen". Geplant ist außerdem eine Kampagne, um neue Mitglieder zu werben - die aktuell herrschende positive Stimmung gegenüber der SPD wollen die Jusos nutzen.

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