Giesing Eine Studie bedeutet nicht das Ende der Diskussionen um das Grünwalder Stadion

Zuletzt wurde das Grünwalder Stadion im Sommer 2018 modernisiert.

(Foto: Robert Haas)

Die Stadt will mit ihrer Untersuchung, wie viele Zuschauer in das Giesinger Stadion passen, Sachlichkeit in eine emotionale Debatte bringen. Die Resultate könnten aber das Gegenteil bewirken.

Kommentar von Kassian Stroh

Verworren? Die Debatte, wo der TSV 1860 München seine Fußballspiele austrägt, so zu beschreiben, wäre klar untertrieben. Was wurde da in all den Jahren nicht alles diskutiert und teils auch ausprobiert: die Fröttmaninger Arena des Erzfeinds FC Bayern, das Olympiastadion, das Grünwalder Stadion oder vielleicht doch ein eigenes, in Riem, mit angeschlossenem Löwen-Gehege? Jeder Vorschlag, und sei er noch so absurd, hat das Potenzial, die interessierten Gemüter in dieser Stadt zu erhitzen. Die sind zwar nicht die Mehrheit, aber Löwen-Fans gibt es nicht wenige. Das macht die Stadionfrage politisch bedeutsam - und brisant und heikel ist sie, weil es für die Fans weniger eine Sachfrage denn ein höchst emotionales Thema ist.

Da klingt es vernünftig, wenn die Stadt die Debatte nun auf eine sachliche Basis stellen und per Machbarkeitsstudie klären lassen will, was denn nun wirklich geht im Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße. Das als Spielort ist ja ohne Frage die Herzensheimat der Sechzger - wäre es nur nicht so klein, so alt, so unvermarktbar nach den Maßstäben des kommerziellen Profifußballs. Im zweiten Jahr nun sind die Löwen zurück in ihrer alten Heimstatt - und bislang läuft das dort auch einigermaßen leidlich ab. Zumindest weit weniger problematisch, als zuvor von Anwohnern und Sicherheitsexperten befürchtet.

Warum also nun nicht auch einen Ausbau prüfen lassen? Bislang ist die Stadt den widerstreitenden Interessen mit einer Salamitaktik begegnet: Erst kehrten die Löwen an die Grünwalder Straße zurück, weil sie ja in der vierten Liga spielten, wo weniger Auflagen beachtet werden müssen als in höheren Ligen. Dann wurde ein Ausbau auf 15 000 Plätze als unmöglich deklariert, um schließlich doch zu erfolgen. Bevor das so in Tippelschritten weitergeht, scheint es sinnvoller zu sein, alle Möglichkeiten unabhängig prüfen zu lassen.

Das Problem für die Stadt ist aber: Kommt bei der Studie heraus, dass ein Ausbau nicht möglich ist, werden das die Giesing-Fanatiker nicht akzeptieren und von einer politischen Auftragsarbeit reden. Denn allein, dass die Stadt 30 000 Zuschauer für untersuchenswert hält, weckt Begehrlichkeiten, die die Debatte nicht enden lassen werden. Attestiert die Studie jedoch mehr Potenzial in Giesing, geht die Debatte erst recht los, sie wird zu wütenden Anwohner-Protesten führen und vermutlich nicht einmal durch einen Bürgerentscheid zu befrieden sein, der dann womöglich käme. Die Stadt will Sachlichkeit in die Debatte bringen - vermutlich öffnet sie aber gerade die Büchse der Pandora und bewirkt das Gegenteil.

Politik in München Ein Stadion für bis zu 30 000 Löwen

Machbarkeitsstudie

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