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Grünwalder Stadion renoviert:Arena der Erinnerungen

Die legendäre Anzeigetafel ist noch da - und auch sonst sieht das Stadion an der Grünwalder Straße auf den ersten Blick fast unverändert aus. Die Sanierung ist nun abgeschlossen, es darf wieder gekickt werden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die legendäre Anzeigetafel ist noch da: Nach eineinhalbjähriger Sanierung ist das Grünwalder Stadion wieder bereit für den Spielbetrieb. Das Baudenkmal ist jetzt für 10.500 Zuschauer zugelassen aber nicht mehr bundesligatauglich, wie beim Rundgang deutlich wird.

Der Anstoßpunkt. Aus dieser Perspektive haben einst auch Gerd Müller, Franz Beckenbauer und Radi Radenkovic auf die Tribünen geschaut. Und auf die Häuserreihe an der Grünwalder Straße, deren Fenster so gerne als Zuschauerplätze verwendet wurden. Hier stiegen der FC Bayern und der TSV 1860 in die erste Bundesliga auf, hier tobten 30 000 bis 50 000 Fans auf den Rängen. Bis zu 58 500 sollen es gewesen sein - der Rekord stammt aus dem Jahr 1948, als die Löwen im teilweise noch kriegszerstörten Stadion gegen den 1. FC Nürnberg antraten. In der Westkurve hängt immer noch die legendäre Anzeigetafel mit grauer Holzfront und analoger Uhr.

Plötzlich Jubel im westlichen Strafraum: Rosemarie Hingerl hat gerade ein Tor geschossen. Münchens Baureferentin tollt zusammen mit Bürgermeisterin Christine Strobl über das Spielfeld - den Fotografen zuliebe, die zum ersten Presserundgang nach der Sanierung angerückt sind.

Das Grünwalder ist zurück. Nach knapp eineinhalbjähriger Sanierung sollen nun auf Giesings Höhen wieder Ligaspiele stattfinden. Freilich nicht so, wie sich das die meisten Löwen-Fans wünschen. Obwohl in dem Rund mit dem offiziellen Namen "Städtisches Stadion an der Grünwalder Straße" auch wieder erste Bundesliga stattfinden soll: die Profi-Frauen des FC Bayern München kicken künftig in Giesing. Bei den Männern aber bleiben die ersten Mannschaften in der Allianz-Arena, für das Grünwalder fallen "nur" die Regionalliga-Spiele von Bayern II und Sechzig II ab. Und die A-Junioren des TSV 1860. Los geht es am 24. Juli mit der Viertliga-Partie 1860 gegen Illertissen. Das Derby Bayern gegen Sechzig wurde sicherheitshalber auf den 6. August verlegt. Damit man vor der Hammer-Begegnung wenigstens schon ein paar Erfahrungen mit dem "neuen" Stadion hat, das vor wenigen Jahren noch als Abbruchkandidat galt.

Der 6. August könnte auch einer jener seltenen Tage sein, an denen das Stadion mal wieder ausverkauft ist. Nicht mit 50 000 Zuschauern natürlich, ja nicht einmal mit 20 000. Für bescheidene 10 500 Fans ist das Stadion nun zugelassen, in Ausnahmefällen dürfen noch 2000 mehr hinein. Das hat seinen Grund: In München steht schließlich schon eine Fußballarena leer - das Olympiastadion mit seinen rund 69 000 Plätzen. Da war die Motivation bei der Stadt gering, viel Geld in ein weiteres Stadion mit leeren Sitzreihen zu pumpen. Schon die Zahl 10 500 ist eher auf dritte Bundesliga als auf die Regionalliga zugeschnitten. Es dürfte nicht selten vorkommen, dass sich auf den Rängen nur 1000 bis 2000 Fans verlieren.

10,28 Millionen Euro hat die Sanierung gekostet. Mit dem Geld ist die Ostkurve komplett neu gebaut worden, das Spielfeld hat eine Bewässerungsanlage und eine Rasenheizung erhalten, die Flutlichtanlage wurde auf fernsehtaugliche 1600 Lux aufgemotzt. Dazu kommen neue graue Sitzschalen auf Haupttribüne und Gegengerade, moderne und größere Mannschaftsräume, ein auch als Gaststätte nutzbarer VIP-Bereich und das Nötigste bei Statik und Brandschutz. Das Grünwalder ist jetzt theoretisch drittligatauglich. Mehr allerdings auch nicht, betont Sportamts-Chef Thomas Urban und wischt damit Träume von Löwen-Fans über eine komplette Rückkehr vom Tisch. Zweite Bundesliga käme schon aus verkehrlichen Gründen nicht in Frage. Auch Strobl betont: Ein Stadion dieser Größenordnung wäre in Giesing nie mehr genehmigungsfähig. Was jetzt dort passiert, läuft unter Bestandsschutz.

Eröffnungsfeier am 14. September

Tatsächlich sieht das Stadion grundsätzlich nicht viel anders aus als vor der Sanierung, allenfalls die Osttribüne ist etwas niedriger. Die marode Westkurve wurde gar nicht saniert und sieht deshalb immer noch so aus, als könnten die Fans mit rhythmischem Trampeln freien Ausblick vom Spielfeld in Richtung Isarauen provozieren. Tatsächlich müssen in der Westkurve auch weiterhin einige Bröckel-Blöcke gesperrt bleiben. Das einstige Heiligtum der Löwen ist nun übrigens für Auswärtsgäste reserviert.

Die offizielle Eröffnungsfeier findet erst am 14. September statt - geplant sind Spiele mit den Damen des FC Bayern sowie einer Allstars-Löwen-Mannschaft. Ob sich dann auch Strobl und Hingerl wieder als Torjägerinnen profilieren, ist nicht bekannt.