Grünfläche So groß wie der Westpark

Die womöglich letzte grüne Lunge dieser Größe auf Münchner Stadtgebiet: der Landschaftspark Freiham im Siegerentwurf. Visualisierung: Lützow 7 C. Müller J. Wehberg Garten- und Landschaftsarchitekten

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Theatron, Urban Gardening und Schafwiese: Der Siegerentwurf für die Grünflächen im neuen Stadtteil Freiham berücksichtigt weitgehend die Wünsche der Bürger. Der Baubeginn für den ersten von zwei Abschnitten ist für Ende 2020 vorgesehen

Von Ellen Draxel, Freiham

Der neue Landschaftspark bekommt einen "Secret Garden" und einen "Chillpark", zwei Lern- und Erlebnispfade, Urban-Gardening-Flächen mit Kinderbauernhof sowie jede Menge Spielwiesen und Spielplätze. Dazu mehrere Aussichtsplattformen, einen Platz für Veranstaltungen und einen Treffpunkt mit Café, Terrasse und Kiosk. "Kein plattes Feld, keinen Park aus der Retorte mit streng geometrischen Flächen, sondern eine hügelige Landschaft" hatten sich die Münchner vor zwei Jahren bei der ersten Bürgerbeteiligung für die grüne Lunge Freihams gewünscht. Das Berliner Büro Lützow 7 C. Müller J. Wehberg Garten- und Landschaftsarchitekten, vor wenigen Tagen zum ersten Preisträger des landschafts- und freiraumplanerischen Wettbewerbs gekürt, hat sich an diesen Wünschen und Vorgaben orientiert.

Zwei Kilometer lang und durchschnittlich 250 Meter breit soll Freihams 58 Hektar große Grünoase längs der Autobahn A 99 werden - vermutlich der letzte Park dieser Größe, den sich das zunehmend dicht besiedelte München noch leisten kann. Ein grünes Dorado, so groß wie der Westpark, so groß wie der Ostpark und doppelt so groß wie der Schwabinger Luitpoldpark. Und das erste, bei dem die gesamte Stadtbevölkerung von Anfang an bei der Gestaltung mitwirken durfte.

Die Rahmenbedingungen, die die Stadt für den Landschaftspark vorgegeben hatte, basierend auf Plänen der Terra.nova Landschaftsarchitekten, waren nur grob skizziert. Das Weiterführen von Wiesen, Heckenstrukturen und Alleen, wie sie die Umgebung prägen. Ein zwölf Meter hoher Lärmschutzwall zur Autobahn. Und das Ziel, den Park nicht mit Straßen zu durchschneiden. Geplant ist eine einzige, für Autos befahrbare Route: Von der jetzigen Autobahn-Ausfahrt Germering-Nord soll eine Stichstraße quer durch den Park und vorbei an den Wohngebieten von Freiham-Nord bis ins neue Quartierszentrum führen. Die Fahrbahn wird im Park abgesenkt und mit zwei 60 Meter breiten Grüntrassen überbrückt, sodass sie von den Parkbesuchern kaum als solche wahrzunehmen ist.

"Die Verfasser" des Siegerentwurfs, lobt die Jury in ihrer Beurteilung, "beziehen sich bei der Gestaltung der Parklandschaft auf vorhandene landschaftliche Motive aus Moosschwaige und Aubinger Lohe und entwickeln ein überzeugendes Vegetationskonzept". Im Westen öffneten sich Wälder zu Lichtungen, die überzeugend zwischen dem Park und der offenen Landschaft vermittelten. "Sehr gut gelungen" seien insbesondere die Übergänge vom Park zur angrenzenden Wohnbebauung und zum Sportpark. Dem Sportpark vorgelagert ist ein "Foyer" aus Bäumen, das die Freihamer Allee einbindet und Spielangebote aufnimmt. Und der Weg zu den Häusern führt durch eine Obstbaumplantage.

Die Routen durch den künftigen Landschaftspark, sie sind ebenso verschlungen wie geradlinig. Mal passieren sie dichte Wäldchen und Gehölze, mal Streuobstwiesen oder ein Gräsermeer. Die in den Mittelstreifen des Parks eingebetteten Spielwiesen sind eher selten von Wegen unterbrochen. Umgekehrt finden sich häufig Pfade auf den für die Höhenunterschiede verantwortlichen Erdmodellierungen. Zum "Alpenblick" etwa führt eine weitläufige Spirale. Das Wegenetz, so die Jury, biete "abwechslungsreiche Raumerlebnisse" und erlaube "konfliktfrei" unterschiedliche Geschwindigkeiten der Fortbewegung. Vor allem aber erfülle der Entwurf "die Anforderungen an Barrierefreiheit und Inklusion wie selbstverständlich".

Dass die Architekten den Münchnern gut zugehört haben, beweisen auch zwei in dem Entwurf verzeichnete Wasserspielarenen, ein Abenteuerspielplatz sowie ein Catwalk und ein Theatron. Erhofft hatten sich die Bürger einen Erholungs- und "Naturerfahrungsraum" mit Wasserpark, Schrebergärten, Schafweide und Angeboten "in punkto Musik, Kunst und Literatur". Realisiert wird Freihams grüne Oase nun in zwei Bauabschnitten: Baubeginn für den südlichen, etwa 20 Hektar umfassenden ersten Teil ist voraussichtlich Ende 2020. Bis Teil zwei fertig ist, kann es allerdings noch 20 bis 30 Jahre dauern - einige Grundstücke auf dieser Fläche befinden sich bisher noch in Privateigentum.

Die Entwürfe des Realisierungswettbewerbs sind noch bis Donnerstag, 10. August, jeweils montags bis freitags von sechs bis 22 Uhr sowie samstags zwischen 8 und 20 Uhr in der Halle des Medicare Gesundheitszentrums an der Hans-Stützle-Straße 20 direkt am Freihamer S-Bahnhof ausgestellt. Am Donnerstag, 27. Juli, findet von 17 bis 18.30 Uhr außerdem ein Info-Abend für alle Interessierten statt.