Grüne OB-Kandidatin Nallinger:Visionen - die Waffen dieser Frau

Sie spricht gerne von "einem großen Plan für München", er ist eher der pragmatische Typ: Überraschend hat Herausforderin Sabine Nallinger den Platzhirsch Hep Monatzeder ausgestochen - und geht nun als Kandidatin der Grünen bei der Oberbürgermeisterwahl 2014 ins Rennen. Die Partei hat sich für einen Neuanfang entschieden.

Lisa Sonnabend

Im entscheidenden Moment, um kurz nach neun Uhr, war sie ganz alleine. Die Anzeige ihres Mobiltelefons blinkte: eine neue Mailboxnachricht. Sie griff zum Handy. Lauschte. Tatsächlich, sie hatte es geschafft.

Grüne OB-Kandidatin Nallinger: Tritt 2014 an gegen Dieter Reiter von der SPD und Josef Schmid von der CSU: Die Grüne Sabine Nallinger.

Tritt 2014 an gegen Dieter Reiter von der SPD und Josef Schmid von der CSU: Die Grüne Sabine Nallinger.

(Foto: Stephan Rumpf)

Doch nun, zwei Stunden später, steht Sabine Nallinger an den Türrahmen gelehnt am Eingang des Büros der Grünen München. Umringt von einer Traube Menschen. Sie applaudieren heftig, sie umarmen sie stürmisch. Sabine Nallinger lacht. Seit dem Morgen steht fest: Die 48-Jährige ist die Kandidatin der Münchner Grünen bei der Oberbürgermeisterwahl 2014 - das haben die Mitglieder der Partei bei einer Urabstimmung entschieden.

Um acht Uhr hatten die Grünen begonnen, die Stimmen auszuzählen. 597 der 1228 Mitglieder haben teilgenommen. Eine Stunde später stand das Ergebnis überraschend schnell fest und war vor allem: überraschend deutlich. 361 Stimmen für Nallinger, nur 183 für Hep Monatzeder, der seit 1996 Dritter Bürgermeister der Stadt ist. Und immerhin 49 für den von vornherein mit kaum einer Chance angetretenen Nikolaus Hoenning. Eine herbe Niederlage für Monatzeder. Ein großer Erfolg für Nallinger.

Die Münchner Grünen haben sich also für einen Neuanfang entschieden. Statt auf den pragmatischen Politikstil von Monatzeder setzen sie nun auf einen neuen Stil, einen visionären.

Schon bei den zwei sogenannten OB-Foren, bei denen die Kandidaten sich und ihre Positionen vor der Abstimmung einem Publikum präsentieren konnten, war klar geworden: Nallinger kommt bei den Aktiven besser an als Monatzeder. Sie bekam mit Abstand den meisten Applaus. Endlich wehe wieder frischer Wind in der Partei, so das Urteil vieler.

Nallinger redet gerne von Visionen. Und von diesen Visionen spricht die Stadt- und Verkehrsplanerin auch bei der Pressekonferenz am Dienstagmittag im Büro der Grünen in der Sendlinger Straße. "Ich habe einen großen Plan für München", sagt sie. Sie möchte eine autofreie Altstadt, den öffentlichen Raum besser nutzen, ehrenamtliches Engagement fördern und eine gerechte Bildungspolitik. Wie genau sie das umsetzen will, sagt sie nicht.

Nallinger wird nun gegen Dieter Reiter von der SPD und Josef Schmid von der CSU antreten. Ihre Chancen? "Das Rennen ist absolut offen", sagt sie selbstbewusst. Nicht wenige dachten, dass sich Monatzeder besser gegen die Konkurrenten behaupten könnte. Er ist weit bekannter als Reiter und Schmid. Doch Nallinger hat einen Vorteil: Sie ist eine Frau - und sie vermittelt den Eindruck: Hier bewegt sich etwas. "Ich kann Menschen für Politik begeistert", sagt sie auf der Pressekonferenz. Und das stimmt. Sie sucht den Kontakt zur Basis, bemüht sich, sie bei Entscheidungen miteinzubeziehen. Dass das ankommt, kann man am Ergebnis der Wahl ablesen.

"Es ist ein tolles Ergebnis, es hat meine Erwartungen übertroffen", sagt Nallinger, die ohne die ungewöhnliche Art der Kandidaten-Kür wohl keine Chance gehabt hätte. Monatzeder hatte sich deswegen lange gegen die Durchführung der OB-Foren gestemmt.

Hoenning, der andere unterlegene Parteikollege, überreicht Nallinger im Grünen-Büro ein Paar Boxhandschuhe. "Damit sie sich durchboxen kann", sagt er. Doch das hat sie sich ja schon. Zumindest in der ersten Runde.

Auch Monatzeder war am Morgen von den Grünen benachrichtigt worden. Danach machte er sich gleich auf ins Rathaus. Während die Grünen und Nallinger ihre Pressekonferenz abhalten, sitzt der 60-Jährige im Kreisverwaltungsausschuss. Anmerken von seiner Enttäuschung lässt er sich nichts. Die Amtszeit will er noch zu Ende machen. Dann ist Schluss.

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