Das Technikum im hippen Werksviertel blinkt und glitzert im Schweinwerferlicht schon so grün, wie die ganze Stadt werden soll. Jedenfalls, wenn es nach der Partei geht, die am Samstag dort im voll besetzten Saal ihr Programm für die Kommunalwahl am 8. März 2026 verabschiedet. „Weder eine Utopie noch eine konservative Hommage an vermeintlich gute alte Zeiten“ sei herausgekommen, sagt Bürgermeister Dominik Krause in seiner Rede zufrieden. „Realistisch, gleichzeitig mutig und zukunftsgewandt“ nennt er die zehn Kapitel für eine grüne Zukunft.
Diese sollen die Wählerinnen und Wähler davon überzeugen, die Grünen erneut zur stärksten Kraft im Stadtrat zu wählen. Das nennt Krause, der als Oberbürgermeisterkandidat seiner Partei antritt, als wichtigstes Ziel. Darüber hinaus müssten die Grünen so stark werden, dass ohne sie keine Koalition gebildet werden könne. Das sage er nicht „aus Machtbesoffenheit“, sondern aus Sorge vor einem Rechtsruck nach der Wahl.
Gemeint ist der Seitenwechsel, den Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) anstrebe. Dieser lasse „keine öffentliche Gelegenheit aus, zu sagen, dass er eigentlich lieber eine Koalition mit der CSU will, um damit endlich konservative Politik machen zu können“. Was eine solche Regierung mit einer Stadt anstellen könne, zeige ein Blick ins Rathaus nach Berlin. Die Stadt sei mit der schwarz-roten Koalition politisch „zurück in den 80er Jahren“, sagt Krause.
Die Grünen wollten dafür garantieren, dass München das Gegenmodell dazu bleibt. Dafür haben sie in einem monatelangen Prozess ihr Programm für die Kommunalwahl ausgearbeitet. Als der Entwurf fertig war, gingen bei der Beteiligung der Basis 436 Änderungsanträge ein. Immerhin debattierten die etwa 200 anwesenden Mitglieder nicht mehr jeden auf dem Parteitag. Im Gegenteil: Es wurden fast alle im Vorfeld ganz oder teilweise übernommen oder zurückgezogen. Lediglich sechs werden auf dem Parteitag diskutiert, sie bewirken aber keine grundsätzlichen Änderungen.

„Das größte Problem in dieser Stadt ist eindeutig das Thema Mieten“, sagt Krause in seiner Grundsatzrede. „Das birgt den größten Sprengstoff für unser Gemeinwesen.“ Sollten die Grünen nach der Kommunalwahl an der Regierung bleiben, wollen sie vor allem mehr in die Höhe bauen. Bis zu acht Geschosse halten sie für verträglich. Dazu sehen sie Potenzial für 30 000 Wohnungen in der Umnutzung von leer stehenden Gewerbeflächen. Das ist für die Grünen auch deshalb wichtig, weil sie so Grünflächen erhalten könnten. Für die Ankurbelung des städtischen Wohnungsbaus plant die Partei eine neue Bürgeranleihe. Die Höhe bleibt offen.

SZ Good News:Gute Nachrichten aus München – jetzt auf Whatsapp abonnieren
Mehr positive Neuigkeiten im Alltag: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet jeden Tag auf Whatsapp ausschließlich schöne und heitere Nachrichten aus München und der Region. So können Sie ihn abonnieren.
Den öffentlichen Nahverkehr will die Partei weiter ausbauen und möglichst vom drohenden Spardiktat wegen der schlechten Haushaltslage verschonen. Die U5 soll bis Freiham weitergebaut und das Tramnetz erweitert werden. „Am Rückgrat der Mobilität zu sparen, wäre ein absoluter Super-Gau“, sagt Krause. Auch die Radwege stehen weiter oben auf der Prioritätenliste, allerdings nicht mehr auf der Utopieseite. Nach nun jahrelangen Vorplanungen nehmen sich die Grünen vor, pro Jahr mindestens fünf neue Radwege zu bauen. Wenn es sein muss, auch mal nicht mit dem vollen Standard, sondern einfach und damit günstiger.
Für ein gesundes Stadtklima soll die 3–30–300-Regel umgesetzt werden: Jede Münchnerin und jeder Münchner soll beim Blick aus dem Fenster drei Bäume sehen, 30 Prozent des Stadtgebiets sollen Baumkronen überschatten und niemand soll mehr als 300 Meter bis zur nächsten Grünfläche haben. Die Ludwig- und die Sonnenstraße sollen in Teilabschnitten entsiegelt und begrünt werden.
Für mehr ökologische Energie soll die Stadt mindestens ein weiteres Windrad bekommen. Dazu sollen die Stadtwerke ihre Produktion von Öko-Strom regional, aber auch darüber hinaus um noch einmal 50 Prozent steigern. Für alle kommunalen Neubauten soll eine Solarpflicht eingeführt werden. Dazu wollen die Grünen die Wärmewende weiter vorantreiben. Die Klimaneutralität der Stadt bis 2035 bleibt weiter erklärtes Ziel.
Mit ihrem Kommunalwahlprogramm wollten die Grünen „ein stabiles Fundament für eine stabile Zukunft“, schaffen, sagt die Stadtvorsitzende Svenja Jarchow. Sie erweitert die Wahlziele noch um einen Aspekt, den Krause in seiner Rede dezent ausgespart hat. Um die Grünen-Visionen umzusetzen, „braucht es einen neuen Oberbürgermeister, der voller Energie anpackt und unsere Stadt nach vorne bringt“. Es sei von 2026 an Zeit für noch mehr Grün. „Zeit für Dominik Krause.“

