Großhadern Mehr Licht für den "Leuchtturm"

Noch klaffen Finanzierungslücken: Wenn alles gut geht, kann im kommenden Jahr mit dem Neubau am Kinderzentrum München begonnen werden.

(Foto: Catherina Hess)

Das Kinderzentrum an der Heiglhofstraße in Großhadern wird erweitert. Die bundesweit einmalige Klinik, in der auch genetische Störungen und chronische Krankheiten behandelt werden, schafft 60 zusätzliche Betten

Von Jürgen Wolfram, Großhadern

Im Kinderzentrum München hat Professor Theodor Hellbrügge einst die weltweit kopierte Vorsorgeuntersuchung für Buben und Mädchen etabliert. Bis heute setzt die Einrichtung des Bezirks Oberbayern Maßstäbe im Bereich der Sozialpädiatrie und Entwicklungsrehabilitation. Vor 50 Jahren gegründet, steht sie nun vor einer enormen technischen und finanziellen Herausforderung: der Gebäudekomplex an der Heiglhofstraße soll erweitert werden.

Geplant ist ein Neubau, in dem 60 Betten Platz finden. Diese sollen nicht nur Kindern dienen, die unter Behinderungen leiden oder von solchen bedroht sind, sondern ebenso Eltern mit psychischen Problemen, die dann bei ihrem Nachwuchs übernachten können. "Sektorenübergreifende Versorgung" nennt man das, wenn man auch noch Institutsambulanzen mitdenkt. Baubeginn für das Projekt ist 2019, doch es klaffen Finanzierungslücken. Eine Spendenaktion im Stil einer Goldsuche im Olympiapark, veranstaltet von den Cashback-System-Firmen wee Marketplace AG und wee Business GmbH, hat diese Sorgen nun um 10 000 Euro verringert.

Bei einem Pressetermin wies Volker Mall, der Ärztliche Direktor des kbo-Kinderzentrums München, jetzt auf die Bedeutung von Spenden hin. Nur mit ihnen könne die Unterbringung von Eltern gesichert werden; denn die Kosten dafür seien aus Eigenmitteln zu bestreiten und nicht von der öffentlichen Hand. Auf die überragende Bedeutung der Einrichtung in Großhadern wies Bürgermeister Josef Schmid hin, der sie aus eigener Anschauung kennt: Sein Sohn litt einmal unter ähnlich starkem Schlafmangel wie er selbst.

Eine Ausstellung von Kinderbildern zeigt an der Kistlerhofstraße, wie junge Patienten sich ihr künftiges Zentrum vorstellen. Licht und Platz und ein Baumhaus stehen oben auf der Wunschliste. "Wir werden nicht alles eins zu eins umsetzen", meinte Volker Mall dazu schmunzelnd, "aber wir haben die Anregungen den Architekten in die Mappe gelegt." Licht sei im Übrigen ein gutes Stichwort, denn heute wisse man, dass Helligkeit eine ähnlich starke therapeutische Wirkung hat wie Bewegung und Musik. Entsprechend würden die neuen Räumlichkeiten konzipiert.

Das Kinderzentrum München, "bundesweit ein Leuchtturm", behandelt jährlich etwa 12 000 Kinder und Jugendliche, dazu kommen rund 900 ambulante Betreuungen. Abgedeckt werde das "ganze Spektrum", von Entwicklungsverzögerungen bis Epilepsien, von genetischen Störungen bis chronischen Krankheiten, von Essstörungen bis Autismus. Die Zusammenarbeit mit dem nahen Klinikum Großhadern ist eng, die Wartezeiten sind lang. "Wir sind inzwischen eben viel zu klein", sagt Professor Mall, der seit 2012 das Zentrum medizinisch leitet. Ihm zur Seite stehen 265 Mitarbeiter, viele Kinderärzte und Therapeuten darunter. Sie hoffen auf weitere Spenden, um alle Neubaupläne zügig umsetzen zu können. Prominente Namen wissen sie bereits hinter sich. Der Schauspieler Miroslav Nemec, der Unternehmer Cengiz Ehliz und seine Frau Siana Petrova sowie Prinzessin Ursula von Bayern sind nur einige von ihnen.